Nahverkehr

Tram-Ausbau bis zur Turmstraße - es gibt Widerstand

Die Straßenbahnlinie M5 vom Hauptbahnhof bis zur Turmstraße soll verlängert werden. Die CDU will die Planung möglichst stoppen.

Die Strecke der M5 soll verlängert werden.

Die Strecke der M5 soll verlängert werden.

Foto: ddp / ddp/DDP

Berlin. Moabit und seine rund 80.000 Einwohner zählen derzeit zu den innerstädtischen Ortsteilen Berlins, die mit am schlechtesten ans U-, S- und Straßenbahnnetz angeschlossen sind. Zwischen den drei Stationen verkehren aktuell nur Busse. Das soll sich künftig ändern – die Frage ist nur wie. Das Land will dafür die jüngste Tramstrecke M5 vom Hauptbahnhof über den Kleinen Tiergarten bis zur Turmstraße verlängern, die Planungen laufen bereits seit mehreren Jahren. Mindestens genauso lange fordern aber Kritiker des Vorhabens, stattdessen lieber auf die U-Bahn zu setzen. Jetzt wird die Kritik lauter, die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus will die Planung möglichst stoppen.

Dafür haben die Abgeordneten Heiko Melzer und Oliver Friederici einen Brief an die Verkehrsverwaltung geschrieben, der der Morgenpost vorliegt. Darin listen sie die sieben Mängel und Fehler in der Planung auf. Ihr Credo: Der rot-rot-grüne Senat rechnet sich die Tram schön, um den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Tram-Ausbau in ganz Berlin zu rechtfertigen. „Wir hatten der Verkehrssenatorin im Januar geschrieben und bis heute keine Antwort erhalten“, sagt Melzer. „Unsere Überzeugung ist, dass eine Verlängerung der U5 nach Moabit die deutlich bessere Alternative zur Tram ist.“

CDU-Abgeordneter Melzer: U-Bahn hätte bessere Passagier-Kapazität

Wichtigster Einwand zum Planfeststellungsverfahren von 2015: Die Angaben in den Unterlagen seien ungenau, unvollständig und widersprechen teils den Plänen der BVG. „In der Begründung für den Straßenbahnbau wird ein Verkehrsmittelvergleich zitiert“, sagt Melzer. „Der konstatiert, dass die U-Bahn in zwei von vier Bewertungskategorien besser wäre als die Tram, etwa bei der Passagier-Kapazität.“

Das Gutachten liege dem Planfeststellungsunterlagen aber nicht bei – ein „formaler Fehler“, so die CDU-Kritik. „Zudem wird in der Begründung von 2014 eine Taktzeit von 10 Minuten zugrunde gelegt“, sagt Melzer. Die BVG gehe aber jüngst von einem 5- bis 7-Minuten-Takt aus. „Das ist nicht nur ein Widerspruch, sondern auch ein sachlicher Fehler, weil so kein Nachweis erbracht werden kann, dass die Tram an den Kreuzungen nicht doch den Autoverkehr behindert.“ Auch seien die Fahrtzeiten unrealistisch kurz berechnet.

U-Bahn-Ausbau bis Spandau möglich

Der Senatsplan sieht vor, dass die zwei Kilometer lange Strecke über die Invalidenstraße, die Rathenower Straße am Rand des Kleinen Tiergartens auf der Turmstraße bis zum gleichnamigen U-Bahnhof verläuft. Auf diesem Weg sind vier zusätzliche Haltestellen vorgesehen, u. a. am Kriminalgericht.

Ob die Strecke später weiter Richtung Westen verlängert werden könnte, ist offen. Melzer: „Meines Erachtens ist das nur schwer möglich. Die U-Bahn allerdings könnte man unterirdisch sehr wohl noch weiter führen, damit weitere Teile Berlins im Westen mit einem schnellen Nahverkehr erschließen.“ Möglicherweise könne man sie sogar bis nach Spandau bauen. „Der Senat sollte deshalb nicht den Fehler begehen, unsere berechtigten Zweifel zu übergehen“, so Melzer.

Die Verkehrsverwaltung wollte den Brief gestern nicht kommentieren. Sprecher Matthias Tang: „Die Planungen für den Ausbau sind alles andere als abgeschlossen.“

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