Islamismus

Salafisten planen neue Moschee in Berlin

Die Besucher einer Weddinger Moschee gehören zu Berlins radikalsten Islamisten. Jetzt sammeln sie für eine neue Wirkungsstätte.

Die As-Sahaba Moschee in Berlin-Wedding .

Die As-Sahaba Moschee in Berlin-Wedding .

Foto: Andreas Pein/laif

Berlin läuft Gefahr, seinen Ruf als Salafisten-Hochburg zu festigen. Denn eine der radikalsten Szene-Moscheen der Stadt, die As-Sahaba-Moschee in Wedding, ist auf Expansionskurs. Wie der Prediger der Gebetsstätte, die zurzeit noch in Wedding beheimatet ist, in Internetvideos ankündigte, will der Trägerverein der Moschee zwei zusammenhängende Hallen kaufen, um sie als Moschee zu nutzen. In der Immobilie gebe es Platz für tausend Besucher. Der Kaufpreis liege bei 800.000 Euro.

Sollte das Geschäft zustande kommen, hätte Berlin neben der bundesweit bekannten Al-Nur-Moschee in Neukölln und der Ibrahim-al-Khalil-Moschee in Tempelhof ein drittes Salafisten-Zentrum, das wegen seiner Größe auch Besucher aus dem übrigen Bundesgebiet anziehen könnte. Im Umfeld der Sicherheitsbehörden wird befürchtet, dass deutlich mehr junge Menschen radikalisiert werden könnten als bisher.

Gegründet vom späteren „Bildungsminister“ des IS

Die As-Sahaba-Moschee wird vom Verfassungsschutz beobachtet und gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte von Anhängern der religiös verbrämten Ideologie des Salafismus in Berlin. Sie wurde im Jahr 2010 von dem Islamisten Reda Seyam gegründet. Der Deutsch-Ägypter stand im Verdacht, an einem Terroranschlag in Bali beteiligt gewesen zu sein und stieg nach seiner Ausreise nach Syrien zum „Bildungsminister“ bei der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf. Als Stammgast galt auch der einstige Gangster-Rapper Denis Cuspert („Deso Dogg“), der nach seiner Ausreise in die Kampfgebiete mit abgeschlagenen Köpfen posierte und zum wichtigsten IS-Propagandisten für den deutschsprachigen Raum aufstieg. Nach Informationen der Berliner Morgenpost verkehrte auch der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri in der As-Sahaba-Moschee.

Der Hausprediger der Moschee, ein Mann namens Ahmad Armih, der in der Szene als Ahmad Abul Baraa firmiert, gilt als einer der wenigen Salafisten-Prediger, die nicht nur lokal, sondern auch bundesweit großen Einfluss haben. In seinen Ansprachen unterteilt er die Welt in gute Muslime und böse Ungläubige. Die Gräueltaten des IS hat Armih wiederholt verurteilt. Den Kampf von Gruppen, die der Terrororganisation Al Kaida nahestehen, bezeichnete er dagegen als „gesegneten Dschihad“. Außerdem „betete“ er dafür, dass Gott die „Feinde Allahs“ „einzeln töten“ möge. Immer wieder schärfte er seinen meist jungen Zuhörern ein, sich von „Ungläubigen“ fernzuhalten und Menschen, die den Islam bekämpften, mit „Feindschaft und Hass“ zu begegnen. Die Ansprachen zeigen Wirkung: Laut einer Studie des Verfassungsschutzes gehört fast die Hälfte der Besucher der As-Sahaba-Moschee zum dschihadistischen Teil der Salafisten-Szene.

Der bisherige Mietvertrag wurde gekündigt

Mit dem Umzug und dem Kauf eines Gebäudes, das zur Moschee umfunktioniert werden soll, wollen die Moschee-Aktivisten ihre Missionierungsarbeit offenbar professionalisieren. Bis vor wenigen Tagen residierten sie in einem unscheinbaren früheren Ladenlokal in der Torfstraße, Ecke Sprengelstraße, unweit des U-Bahnhofs Amrumer Straße. Dort fanden um die hundert Besucher Platz. Der Eigentümer hat den Mietvertrag aber zum 30. Juni gekündigt – nach Angaben des Moschee-Vereins auf Druck der Sicherheitsbehörden.

Wo die neue Moschee eingerichtet werden soll, teilten die Aktivsten der As-Sahaba-Moschee nicht mit. Das Gebäude sei „zentral gelegen“, heißt es. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Armih Fotos eines Objekts, das offenbar infrage kommt. Sie zeigen eine etwas heruntergekommene Halle, die dem Augenschein nach in einem Gewerbehof angrenzend an ein Wohngebiet liegen könnte.

Der Berliner Verfassungsschutz bestätigte der Berliner Morgenpost, dass die As-Sahaba-Moschee die bisherigen Räumlichkeiten in der Torfstraße aufgeben muss und sich offenbar um eine Ersatzimmobilie bemühe. Infrage kämen „Räumlichkeiten in Wedding, Moabit und Tiergarten“. Genaue Standorte nannte der Verfassungsschutz nicht. Ein Sprecher bestätigte aber, dass der Prediger Armih immer wieder „dschihadistische Argumentationsmuster“ aufgegriffen habe.

Für Stirnrunzeln sorgt im Umfeld der Behörden der angebliche Kaufpreis von 800.000 Euro. Im Internet kursieren hierzu Spendenaufrufe. Aus einer Spendenplattform, ebenfalls im Internet, geht aber hervor, dass bisher nur ein Bruchteil des benötigten Betrages zusammengekommen ist. Islamismus-Experten vermuten daher, dass größere Beträge von Einzelpersonen aus dem Ausland kommen könnten – etwa aus Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien.

Islamismus-Experten warnen zudem, dass die Umzugspläne womöglich nicht ernst genug genommen werden. Ahmad Armih sei der problematischste Prediger Berlins, sagt Claudia Dantschke, Leiterin des Deradikalisierungs-Projektes Hayat vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur. „Wenn er in größeren Räumen predigen könnte, könnte er noch einflussreicher werden“, befürchtet Dantschke. Die Innenverwaltung müsse daher die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen den Verein prüfen. Die Hürden seien aber hoch und ein Verbot nur sinnvoll, wenn es rechtlich Bestand habe. „Wenn das nicht geht, muss es mehr Aufklärung geben“, sagte Dantschke. Der Eigentümer des Gebäudes, das die As-Sahaba-Moschee erwerben möchte, müsse über Hintergründe informiert werden. Einfach verbieten lässt sich der Kauf nicht – solange der Moschee-Verein nicht verboten ist.

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