Mobilität

Lastenräder - Senat gibt beim Kauf bis zu 1000 Euro dazu

Das Förderprogramm des Berliner Senats für Lastenräder startet. Es wird eine hohe Nachfrage erwartet.

Das Förderprogramm der Senatsverkehrsverwaltung  für Lastenräder startet an diesem Mittwoch.

Das Förderprogramm der Senatsverkehrsverwaltung für Lastenräder startet an diesem Mittwoch.

Foto: DAVIDS/Darmer

Berlin. Den Ikea-Schrank auf zwei Rädern nach Hause bringen? Mit dem Lastenrad kein Problem, sagen Fans der speziellen Gefährte – und der Berliner Senat auch. Deshalb hat die rot-rot-grüne Koalition im Haushalt eine staatliche Förderung zum Kauf von Transporträdern beschlossen, heute läuft das Programm offiziell an: Bis zu 1000 Euro Subvention können sich Interessierte ab sofort sichern. Dabei ist Eile geboten. Nur wer sich schnell bei der Verkehrsverwaltung meldet, bekommt auch Geld. Denn das ist relativ knapp bemessen. Insgesamt stellt der Senat in diesem Jahr 200.000 Euro zur Verfügung. „130.000 Euro sind für private Nutzer reserviert, 70.000 Euro für gewerbliche“, sagt Matthias Tang, Sprecher der Verkehrsverwaltung.

Der Senat fördert insgesamt ein Drittel der Kaufsumme, maximal jedoch 500 Euro bei herkömmlichen und höchstens 1000 Euro bei elektrisch unterstützten Lastenfahrrädern. Bei durchschnittlichen Anschaffungspreisen von rund 1500 Euro für rein pedalbetriebene Räder und weit mehr als 2000 Euro für solche mit einem elektronischen Motor zur Unterstützung wird das Geld also schnell aufgebraucht sein. Grob gerechnet werden kaum 1000 Räder gefördert werden – selbst wenn nicht jeder die volle Summe abruft.

„Das Programm ist lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt deshalb Nikolas Linck vom Radverband ADFC. „Wir finden das Angebot zwar grundsätzlich begrüßenswert. Damit aber wirklich viele Menschen profitieren, müsste der Senat mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen.“ Zudem brauche es eine begleitende Werbekampagne, speziell seitens der Wirtschaftsverbände. „Die Handwerks- und Handelskammer müssten ihre Mitglieder für das Thema sensibilisieren, aufzeigen, welche Wege auch Betriebe mit Werkzeug und ähnlichem mit einem Transportrad bewältigen können.“

Zu rechnen ist damit allerdings nicht. Berlins Wirtschaft sieht das Lastenrad kritisch. Zwar könnten etwa Handwerker Ersatzteile und Werkzeug auch mit dem Fahrrad transportieren. Bei größeren Waren und Auslieferungen aber werde es schwierig. „Wir halten einen Umstieg auf Lastenfahrräder grundsätzlich für sinnvoll, da wo er möglich ist“, sagt Jochen Brückmann von der IHK. „Man kann aber nicht alles mit dem Rad transportieren: Berechnungen zufolge lassen sich gerade einmal zwei Prozent des Lieferverkehrs auf Lastenräder verlagern“ Zudem müssten die Rahmenbedingungen stimmen: Es brauche in der ganzen Stadt verteilte Mikro-Depots, damit die Lastenräder ihre Ladung aufnehmen können. „Entsprechende Untersuchungen zeigen aber, dass es dafür kaum verfügbare Flächen gibt“, so Brückmann. „Und nicht zuletzt ist es auch ein Fachkräftethema: Logistikfirmen haben bereits enorme Schwierigkeiten, genug Berufskraftfahrer zu finden und der Personalbedarf bei einem Umstieg auf Lastenräder ist ja noch erheblich höher.“

Der Senat kennt die Kritik aus der Wirtschaft. Und weiß auch, dass die Mittel nicht gerade üppig bemessen sind. Begleitend zum Förderprogramm soll darum mit dem Mobilitätsgesetz auch die Rad-Infrastruktur verbessert werden. Zudem gibt es im Jahr 2019 auch mehr Fördergeld für die Lastenräder geben, dann stehen 500.000 Euro zur Verfügung. Verwaltungssprecher Tang: „Wir wollen in der ersten Phase lernen, ob das Programm ankommt, welche Räder die Berliner sich kaufen – um die Subvention im Anschluss zu optimieren.“ Linck glaubt, dass die Nachfrage riesig sein wird: „Gerade unter Privatpersonen wird das Lastenrad immer attraktiver. Bestimmt melden sich schon in den ersten Stunden deutlich mehr Leute, als Geld da ist.“

Startschuss zum Abruf der Fördermittel ist der heutige Mittwoch, 8 Uhr. Auf der Webseite des Verkehrsverwaltung www.berlin.de/senuvk/ können Interessierte das entsprechende Antragsformular herunterladen, um sich um die Förderung bewerben zu können. Darzustellen ist, zu welchem Zweck sie das Lastenrad einsetzen wollen, ob es sich um eines mit elektronischem oder gewöhnlichem Antrieb handelt und um welches Fabrikat es geht. Das müssen die Bewerber ausdrucken, unterschreiben und dann an die Verwaltung zurücksenden – bestenfalls eingescannt per E-Mail, damit es schnell geht.

„Wir wollen innerhalb weniger Tage über die Anträge entscheiden“, sagt Tang. „Wenn es nicht zu viele Rückfragen zu den Formularen gibt, sollten die Bescheide in den nächsten Wochen da sein.“ Wer alles richtig gemacht hat, soll innerhalb weniger Wochen sein Geld erhalten. „Die Bewerber erhalten eine Nummer, können dann ins Geschäft gehen, sich ein Rad kaufen und dann bei uns die Rechnung einreichen“, so Tang. Ob es dann schnell aufs Rad geht, ist fraglich. Selbst, wenn alles bezahlt ist, muss man sich wohl gedulden. ADFC-Sprecher Linck: „Die Wartezeiten für ein Lastenrad betragen bisweilen mehrere Monate, die Hersteller kommen bei der Produktion kaum hinterher.“

Wie gut läuft der Transport mit Lastenrädern wirklich? Ein Nutzer berichtet

Hostelbetreiber Paul Müller (37) fährt schon heute mit einem Lastenrad durch Berlin. Er erklärt, wie seine Erfahrungen sind.

Herr Müller, wie lange fahren Sie schon Lastenrad?

Paul Müller: Seit knapp zwei Monaten. Mein Rad hat nicht wie die typischen Lastenräder drei, sondern nur zwei Räder, es ist aus Bambus und selbst gebaut.

Wie fährt es sich damit in Berlin?

Sehr gut, meine Erfahrungen sind überaus positiv. Es ist wendig, so dass ich noch an allen Autos vorbeikomme und groß genug, um viel transportieren zu können.

Wie viel denn?

Vier Kisten Bier kriege ich locker untergebracht, zwei vorne, zwei hinten. Mein Fahrrad hat eine Traglast von bis zu 200 Kilogramm, Bambus ist extrem stabil.

Warum haben Sie sich überhaupt für ein Transportrad entschieden?

Hauptsächlich, weil meine Frau und ich ein Kind bekommen haben. Ein einfacher Kindersitz hätte uns nicht weitergebracht, denn dann ist kein Platz mehr für anderes auf dem Gepäckträger.

Die meisten Familien kaufen sich dann ein Auto …

Das war für uns keine Alternative. Als Autofahrer stehe ich nur im Stau und ärgere mich. Mit dem Rad ziehe ich an allen vorbei – und muss vor allem nicht noch nervig einen Parkplatz suchen.

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+++ Berlin-Podcast +++ Die Bergius-Schule in Friedenau macht es vor: Mit Disziplin wurde aus einer Problemschule ein Vorbild. Aus einem Problem-Bus wurde unterdessen der „Bus der Zukunft“, mit Panorama-Dach, WLAN und USB-Buchsen. Und an der Polizeiakademie gibt es Probleme mit der Rechtschreibung. Das und mehr in der aktuellen Ausgabe „Molle und Korn“.

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