Nach Skandalen

Neustart an der Polizeiakademie mit Tanja Knapp

Unter der neuen Leiterin Tanja Knapp soll die Ausbildung in Spandau nach den jüngsten Skandalen nun vollständig neu organisiert werden.

Ganz Berlin freut sich auf die Sommerferien - wir freuen uns auf unsere neue Schuldirektorin Tanja Knapp.

Ganz Berlin freut sich auf die Sommerferien - wir freuen uns auf unsere neue Schuldirektorin Tanja Knapp.

Foto: Twitter/Polizei Berlin

Berlin. Neustart unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Am Montagmorgen ist die neue Leiterin der Polizeiakademie, Tanja Knapp, offiziell an der Polizeischule vorgestellt worden. Die bisherige Leiterin des Abschnitts 53 in Kreuzberg wurde von Polizeipräsidentin Barbara Slowik persönlich auf dem Akademiegelände in Ruhleben vorgestellt.

Für die Polizeipräsidentin hat die Zukunft der Schule oberste Priorität. Slowik will gemeinsam mit Knapp die Ausbildung komplett umkrempeln. Ein erstes Arbeitstreffen ist diesen Freitag geplant. Die Behördenspitze will in wenigen Wochen ein Papier mit dem Arbeitstitel „Polizei 3.0“ vorstellen. Darin geht es darum, wie die Polizei Nachwuchs gewinnen kann, aber auch, ob bereits pensionierte Polizisten als Kontaktbereichsbeamte eingesetzt werden können. Bei ihrer Arbeit soll Akademieleiterin Knapp beratende Unterstützung von Sonderermittler Josef Strobl bekommen. Strobl war früher leitender Polizist in Bayern und hatte im Auftrag der Senatsinnenverwaltung die Zustände an der Polizeiakademie untersucht und kürzlich im Innenausschuss vorgestellt. Das sind die wichtigsten Punkte:

Bewerbungsfristen Erster Punkt, der geändert werden soll, sind Bewerbungsfristen. Sonderermittler Strobl hatte vorgeschlagen, dass es möglich sein soll, sich das ganze Jahr bei der Polizei zu bewerben. Bislang gibt es jedes Jahr zwei Bewerbungszeiten. Das Urteil von Strobl: Alles nicht mehr zeitgemäß. Slowik signalisierte bereits Zustimmung zu einer Änderung.

Deutschkenntnisse Die Deutschkenntnisse der Berliner Polizeischüler sind im Schnitt zu schlecht. Polizeipräsidentin Slowik lässt gerade prüfen, ob der Deutschunterricht und die Prüfungen von einem externen Anbieter abgenommen werden können. So soll der Unterricht besser und effizienter gestaltet werden.

Unterrichtsausfall Die Polizeischule braucht mehr Lehrer. Es sind ungefähr 50 zu wenig. An der Polizeiakademie sollen deshalb mehr Lehrer eingestellt werden. Das empfiehlt auch Sonderermittler Strobl, der ebenso dazu rät, die Führungsebene zu verschlanken.

Kritikkultur Laut Sonderermittler Strobl hätten 90 Prozent der Befragten angegeben, dass es an der Polizeiakademie keine Kritikkultur gebe. Kritik sei nicht erwünscht oder verschwinde im Nirwana. Das soll sich ändern. Knapp ist für ihren integrativen Führungsstil bekannt und Slowik setzt nach eigenen Aussagen auf eine offene Fehlerkultur.

Wohnraum Die Polizeiführung lässt gerade prüfen, wie man schnell an günstigen Wohnraum für Polizeischüler kommt. Eine Möglichkeit: Wohncontainer auf dem Gelände in Ruhleben. Geprüft wird auch eine Nutzung der „Tempohomes“, in denen derzeit auf dem Tempelhofer Feld noch Geflüchtete wohnen.

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