John-F.-Kennedy-Schule

Anwältin nennt Mobbing-Fall an Schule "alarmierend"

Nachdem ein Fall von antisemitischem Mobbing an der John-F.-Kennedy-Schule bekannt geworden ist, schlägt eine Anwältin Alarm.

Foto: picture alliance/Robert Schlesinger

Berlin. Antisemitisches Mobbing an Berliner Schulen ist offenbar weiter verbreitet als bislang bekannt. Aggressionen gegen jüdische Schüler entwickelten sich oft, nachdem im Unterricht der Nahostkonflikt behandelt wurde, sagte die Rechtsanwältin Vladislava Zdesenko dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Gegen einen Schüler, der sich pro-israelisch äußere, bilde sich in der Klasse dann eine Gruppe, «die diesen Schüler systematisch mobbt», sagte die Juristin, die einem Netzwerk jüdischer Berliner Anwälte angehört, das Opfer von Antisemitismus betreut.

Der jüngste bekanntgewordene Fall an der Zehlendorfer John-F.-Kennedy-Schule sei «sehr alarmierend», weil dort ein Tabu gebrochen worden sei, betonte Zdesenko. Während aggressives antisemitisches Mobbing in den von dem Netzwerk betreuten Fällen meist von muslimischen Schülern ausgegangen sei, sei das Opfer im aktuellen Fall nach Aussage der Schulleitung von nicht-muslimischen Schülern gemobbt worden. «Das ist nach unserer bisherigen Erfahrung ungewöhnlich», sagte die Juristin. Antisemitismus nicht-muslimischer Schüler äußere sich bislang «eher in passiver Form».

"Täter tragen keine Konsequenzen davon"

Dass in aggressiven Mobbing-Fällen meist die Opfer die Schule verlassen und nicht die Täter, sei für Juden «ein verheerendes Signal», sagte Zdesenko: «Die Täter bleiben und tragen keine Konsequenzen davon.» Die jüdischen Kinder würden antisemitisch gemobbt, wüssten, dass ihnen Unrecht geschieht, und müssten trotzdem «weichen, weil die Schule nicht tätig wird».

Typisch für solche Mobbing-Fälle sei, dass betroffene Schüler von einer Gruppe immer wieder bedroht und als «Scheiß Juden» beschimpft würden, die man töten sollte, sagte Zdesenko. Den Opfern werde nach der Schule aufgelauert, «es kommt zu Sachbeschädigungen und Körperverletzungen». In einem ihrer Fälle habe eine Gruppe türkischer Schüler angefangen zu mobben und polnische Schüler seien dann miteingestiegen. In einem weiteren Fall sei sogar ein Kind im Kindergarten antisemitisch gemobbt worden.

John-F.-Kennedy-Schule geht in die Offensive

Um Antisemitismus an Schulen zu bekämpfen, seien Meldepflichten und eine statistische Erfassung von Vorfällen wichtig, betonte die Juristin. Dass die Leitung der Kennedy-Schule in dem in der vergangenen Woche bekanntgewordenen Fall in die Offensive gegangen sei, sei sehr zu begrüßen. «Bei anderen Schulen haben wir mitbekommen, dass überhaupt keine Maßnahmen ergriffen wurden», sagte Zdesenko. Das Anwälte-Netzwerk wurde nach einem antisemitischen Mobbing-Fall an einer Spandauer Schule, der vor einigen Monaten bekanntwurde, gegründet.

Mehr zum Thema:

Nach Mobbing: Schule will Vorfall umfassend aufklären