Unbesetzte Stellen

Berlins Firmen brauchen dringend Fachkräfte

91 Tage benötigen die Unternehmen in der Hauptstadt zurzeit im Durchschnitt, um offene Stellen neu zu besetzen.

In Berlin fehlen Fachkräfte

In Berlin fehlen Fachkräfte

Foto: dpa

Berlin.  Unternehmen in Berlin müssen bei der Suche nach Fachkräften immer mehr Geduld aufbringen. Zwischen April 2017 und Mai 2018 benötigten Firmen in der deutschen Hauptstadt im Durchschnitt 91 Tage, um offene Stellen neu zu besetzen. Das geht aus einer neuen Auswertung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Ein Jahr zuvor lag die sogenannte Vakanzzeit – also der Zeitraum, in dem eine ausgeschriebene Stelle unbesetzt ist – noch bei 85 Tagen.

Wie lange ein Betrieb braucht, um eine neue Arbeitskraft zu finden, hängt allerdings stark von der gesuchten Berufsgruppe ab. Besonders zeitaufwendig ist die Personalsuche für Seniorenzentren: Altenpflege-Stellen blieben zuletzt im Schnitt 156 Tage vakant. Danach folgten Jobs im Bereich Lebensmittel-Verkauf (142 Tage), Mechatronik (130) und Heizung/Sanitär (128).

„Im Jahr 2013 dauerte es im Schnitt etwas mehr als zwei Monate, bevor in Berlin eine freie Stelle wieder besetzt werden konnte. Heute, fünf Jahre später, dauert es durchschnittlich einen Monat länger. Das kann für Unternehmen natürlich zu einem Problem werden“, sagte Bernd Becking, Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, der Berliner Morgenpost.

Berlin wächst stark

In der deutschen Hauptstadt hat vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren den Wettbewerb um Arbeitskräfte verschärft. Seit Jahren wächst Berlin dabei stärker als viele andere Bundesländer. Weil die Unternehmen sich so gut entwickeln, steigt auch die Nachfrage nach Fachkräften. „In den letzten fünf Jahren sind in Berlin mehr als 200.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Dieser Jobboom ist gut für die Menschen und gut für die Stadt“, erklärte Becker.

Im bundesweiten Vergleich benötigen Unternehmen noch einmal gut zweieinhalb Wochen länger, um Stellen neu zu besetzen. Die Vakanzzeit lag zuletzt bei 107 Tagen. Ein Grund dafür, dass die Zeit zwischen Ausschreibung und Neubesetzung einer Stelle in Berlin kürzer ist, ist laut Arbeitsmarkt­experten die Attraktivität der deutschen Hauptstadt. Auch die Zahl der Arbeitslosen spielt bei der Neubesetzung von Stellen eine Rolle.

Immernoch viele Berliner ohne Job

Trotz des deutlichen Rückgangs der Arbeitslosenquote seien in der Stadt noch immer vergleichsweise viele Menschen ohne Job. Das Potenzial, diese Berliner auf passende Arbeitsstellen zu vermitteln, sei relativ hoch, so die Experten der Arbeitsagentur. Die Zahlen der Behörde zeigen aber auch, dass der Markt insbesondere in stark nachgefragten Branchen weitestgehend abgegrast ist. Derzeit kommen bei Altenpflege- und Krankenpflegekräften nicht einmal mehr zwei Arbeitslose auf eine freie Stelle. Ähnlich ist die Lage bei Klempnern oder Heizungsbauern.

Firmen in der Hauptstadt müssten jetzt verstärkt in Aus- und Fortbildung investieren, mahnte der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin, Jürgen Allerkamp. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin forderte, insbesondere Langzeitarbeitslose verstärkt in Engpassberufe umzuschulen und zu integrieren.

Mehr zum Thema:

Berliner Unternehmen der Altenpflege schlagen Alarm

Berliner Ämter suchen dringend Bauingenieure

Berliner Gipfel gegen den Erziehermangel

Unternehmer stellen Berlins Politik schlechtes Zeugnis aus

Nur jede vierte Lehrstelle in Berlin ist besetzt

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.