Frankfurt (Oder)

Polizei entdeckt zerlegte Autos

Die Fahrzeuge wurden vermutlich in Frankreich gestohlen. Transport in Einzelteilen ist eine beliebte Masche – und der Markt ist lukrativ

Frankfurt (Oder). Ein heilloses Durcheinander an Metallteilen, Kabeln und Stoffbezügen – dieses Bild bot sich Bundespolizisten, als sie im Osten Brandenburgs die Ladung eines Kleintransporters kontrollierten. Den Beamten wurde schon einiges an Ermittlungsarbeit und vor allem an Fantasie abverlangt, um zu erkennen, dass das, was sie da entdeckt hatten, einmal zwei funktionstüchtige Pkw der Marke Renault Mégane waren. Und noch etwas ergaben die Ermittlungen: Mindestens eines der einstmals vollständigen Fahrzeuge war zuvor in Frankreich gestohlen worden. Für die beiden Insassen des Fiat Ducato war die Fahrt ins heimische Polen damit abrupt beendet.

Den Fahndungserfolg erzielten die Beamten am Donnerstagvormittag auf der Bundesautobahn A12 nahe der Anschlussstelle Frankfurt-(Oder)- West. Dort waren sie im Rahmen der gemeinsamen Streifentätigkeit deutscher Bundespolizisten und polnischer Grenzschützer unterwegs.

30 Millionen Euro Schaden für Versicherungen

Die 22 und 31 Jahre alten Fahrzeuginsassen seien bei den weiteren Ermittlungen keine große Hilfe gewesen, sagte ein Sprecherin der Bundespolizeidirektion Berlin. Sie machten widersprüchliche Angaben zur Herkunft der Autoteile, was den Verdacht gegen sie erhärtete – und zu ihrer Festnahme führte.

In Einzelteile zerlegte Autos sind ein etwas skurriler, aber keineswegs ungewöhnlicher Anblick für die Bundespolizisten. Vor allem organisierte Autoschieberbanden, die problemlos Massen an Helfershelfern rekrutieren können, arbeiten mit dieser Masche. Das bestätigen sowohl Lagebilder der Polizei als auch Recherchen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Jeder Autodiebstahl ist immer auch ein Versicherungsfall, der die Branche in Deutschland inzwischen jährlich etwa 300 Millionen Euro kostet.

Die mühsame Arbeit, Fahrzeuge vor dem Transport gen Osten komplett zu zerlegen, nehmen die Banden aus zwei Gründen in Kauf. Zum einen ist es für die Polizei oft schwierig, ein zerlegtes Fahrzeug zurückzuverfolgen und somit einen Diebstahl nachzuweisen. Von den mehreren Tausend Einzelteilen sind gerade mal ein halbes Dutzend (unter anderem Motor, Getriebe, Steuergeräte) mit Seriennummern versehen, mit denen ein vorangegangener Diebstahl erkannt wird. Außerdem gibt diese Masche den Autoschieberbanden die Möglichkeit, ihr Diebesgut weitgehend unbemerkt zu transportieren, oft und gern versteckt unter Altmetall oder sonstigem Schrott.

Diese Form des Transportes wird häufig bei weiten Wegen angewandt, aber durchaus auch bei kurzen Strecken bis zur Grenze. In Berlin wurden im vergangenen Jahr etwa 4600 Fahrzeuge gestohlen, von denen viele nach Schätzungen der Fahnder im Landeskriminalamt vor dem Transport ins östliche Ausland ebenfalls zerlegt wurden. Beim Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft sprechen Experten von zahlreichen leer stehenden Hallen und Schuppen im Brandenburger Umland, in denen die Zerlegung erfolgt.

Der zweite Grund für die Verlegung ist wesentlich profaner: Komplette Fahrzeuge werden gar nicht immer gebraucht, der Markt für Ersatzteile ist in Osteuropa inzwischen genauso lukrativ.