Polizisten im Kiez

Fünf mobile Wachen für ein besseres Sicherheitsgefühl

In Berlin gibt es seit dieser Woche fünf dieser mobilen Wachen. Der Innensenator will so das Sicherheitsgefühl der Berliner erhöhen.

Die Polizei Berlin verstärkt Präsenz vor Ort und stellt mobile Wachen in der Stadt auf.

Die Polizei Berlin verstärkt Präsenz vor Ort und stellt mobile Wachen in der Stadt auf.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Es ist ein Bild, das Sicherheit vermitteln soll. Auf dem Nollendorfplatz steht seit diesem Freitag eine mobile Wache. Mit ihr sind zwölf Polizisten im Kiez unterwegs. Vier am Wagen und acht im näheren Umfeld. In Berlin gibt es seit dieser Woche insgesamt fünf dieser mobilen Wachen. Damit will Innensenator Andreas Geisel (SPD) mehr Polizei auf die Straße bekommen und das Sicherheitsgefühl der Berliner verbessern. Für die Abschnitte bedeutet das aber vor allem eins: mehr Arbeit.

Ausgestattet sind die Fahrzeuge mit Laptop, Drucker, Telefon und Funk. An den Wagen ist eine Markise befestigt, davor stehen Tische und Stühle. Im Transporter befindet sich auch eine fest installierte Kühlbox, und für den Winter haben die Fahrzeuge eine Heizung. Die Polizisten haben von den Transportern aus Zugriff auf alle Polizeisysteme. Kostenpunkt pro mobiler Wache: 100.000 Euro.

Neben dem Nollendorfplatz stehen die Wagen außerdem in dieser Woche auch auf dem Vorplatz am Staaken-Center, am Märkischen Zentrum am Wilhelmsruher Damm, auf der Warschauer Brücke und vor dem S-Bahnhof in Schöneweide. Allerdings können die Direktionen selbst entscheiden, wo die mobilen Wachen aufgestellt werden. Im Abschnitt 41 steht die mobile Wache jetzt auf dem Nollendorfplatz, nächste Woche dann auf dem Wittenbergplatz.

In den Abschnitten stößt das Konzept auf ein geteiltes Echo. So berichten mehrere Polizisten der Berliner Morgenpost, dass sie sehr kurzfristig über das Konzept informiert worden seien. Um genügend Personal für den Start zusammenzubekommen, hätten die Dienststellen alle Kräfte mobilisiert, die sie auftreiben konnten – auch Polizisten aus dem Innendienst. „Die Idee ist wirklich gut. Wir sind aber zu wenig Leute“, sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost. Künftig soll der Abschnitt, in dem die mobile Wache steht, vier Polizisten stellen und alle anderen Abschnitte aus der jeweiligen Direktion sollen Personal zuliefern. „Das wird eine Qual“, heißt es von Beamten vor Ort.

Im Herbst sollen zusätzliche Polizisten zum Projekt stoßen

Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost sagte Innensenator Geisel, dass er die Kritik vernommen habe. „Die Polizei hat zu wenig Personal. Das ist unstrittig“, sagte er. „Ich wollte aber nicht zwei weitere Jahre warten. Wir müssen jetzt handeln“, so Geisel weiter. Dafür sei „sanfter Druck“ notwendig gewesen, und das Konzept werde sich in den nächsten Wochen „zurechtruckeln“.

Ob die mobilen Wachen ein Erfolg oder Misserfolg werden, werde man erst in den kommenden Jahren sehen. „Wir haben die Ausbildung bei der Polizei verdreifacht. Im Herbst kommen 200 neue Polizisten“, sagte Geisel auf die Frage, woher das Personal für die mobilen Wachen kommen soll. Fraglich sei auch, ob jede mobile Wache immer mit zwölf Polizisten ausgestattet werden müsse. Der Personalbedarf beispielsweise an der Warschauer Brücke sei ein anderer als am ruhigeren S-Bahnhof Schöneweide.

Lob für das Konzept kommt von den Initiativen vor Ort. „Grundsätzlich finden wir das Projekt gut“, sagte Bastian Finke, Leiter des schwulen Anti-Gewalt-Projektes Maneo. Allerdings habe auch er sich mehr Abstimmung gewünscht. „Wir wissen nach wie vor nicht, wie genau das Konzept der Polizei für den Schöneberger Norden aussieht“, so Finke. Maneo beobachtet seit Jahren eine gestiegene Gewaltbereitschaft in Berlins bekanntestem Schwulenkiez. Häufig würden Straftaten aber nicht angezeigt, weil Betroffene sich schämten. Laut aktuellen Zahlen kommt es im kriminalitätsbelastetsten Ort Schöneberg-Nord am Tag zu 13 Straftaten, darunter Diebstähle, aber auch Körperverletzungen und Hasskriminalität, die sich gegen die Homosexuellen richtet.

Dass die mobile Wache ein Konzept sein kann, um die Kriminalität im Kiez zu senken, sieht auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) so. Allerdings wird befürchtet, dass andere Bereiche leiden. „Wir sind gespannt, was für den Betrieb der mobilen Wachen wegfällt, ohne spürbare Abstriche in anderen Bereichen wird es nicht gehen“, sagte GdP-Vorstandsmitglied Christian Hanisch. Dazu zählten etwa Verkehrskontrollen und die Schulwegüberwachung.

CDU-Fraktionschef warnt vor „Geister-Wachen“

Burkard Dregger, CDU-Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus, warnte gar vor „Geister-Wachen“ ohne Personal. Hilfreicher als mobile Wachen sei mehr Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten, sagt er. Auch von der FDP-Fraktion gab es Kritik. „Andreas Geisel beschäftigt sich einmal mehr mit Symbolpolitik zulasten der Polizeikräfte, die trotz hohen Krankenstands und Personalmangels nun irgendwo herumsitzen und darauf warten sollen, dass etwas passiert“, sagte FDP-Innenexperte Marcel Luthe. Die FDP fordert mehr Verwaltungskräfte, die die Vollzugsbeamten entlasten.

Mehr zum Thema:

Berliner Polizei zeichnet zwei junge couragierte Helfer aus

Berlins Polizeipräsidentin plant „Polizei 3.0“

+++ Berlin-Podcast +++ Die Bergius-Schule in Friedenau macht es vor: Mit Disziplin wurde aus einer Problemschule ein Vorbild. Aus einem Problem-Bus wurde unterdessen der „Bus der Zukunft“, mit Panorama-Dach, WLAN und USB-Buchsen. Und an der Polizeiakademie gibt es Probleme mit der Rechtschreibung. Das und mehr in der aktuellen Ausgabe „Molle und Korn“.

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Spotify

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Soundcloud

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Deezer

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.