Bildung

In Berlin gibt es nun Abitur und Ausbildung gleichzeitig

Vier Jahre lang soll der neue Bildungsweg dauern, der Abitur und Ausbildung miteinander verbindet. Im Herbst soll er starten.

Die Wirtschaft hofft, leistungsstarke Schüler für Handwerks- und Ausbildungsberufe zu begeistern

Die Wirtschaft hofft, leistungsstarke Schüler für Handwerks- und Ausbildungsberufe zu begeistern

Foto: imago stock&people / imago/RelaXimages

Berlin.  Lange Ferien sind da nicht mehr drin, dafür steigen die Karrierechancen: Im Herbst startet ein neuer vierjähriger Bildungsgang in Berlin. Interessierte Schüler mit mittlerem Schulabschluss können künftig eine Ausbildung absolvieren und sich gleichzeitig auf das Abitur vorbereiten. Wer sich für das neue Berufsabitur entscheidet, dem zahlen die Unternehmen monatlich zwischen 448 Euro und 775 Euro, je nach Ausbildungsjahr und Vertrag.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) warb am Mittwoch zusammen mit Vertretern aus der Wirtschaft für das Projekt, das es zu DDR-Zeiten schon einmal gab: Die Berufsausbildung mit Abitur war einst keine Seltenheit. Das Berufsabitur wird inzwischen in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen angeboten. Allerdings führt es nicht in jedem Fall zum uneingeschränkten Zugang zu Universitäten, wie es jetzt in Berlin geplant ist. „Wir wollen den Ausbildungsgang nach der Sommerpause zunächst für angehende Hotelfachleute an der Brillat-Savarin-Schule in Pankow und für Sanitär-Heizungs-Klimatechniker an der Max-Taut-Schule in Lichtenberg starten“, kündigte die Senatorin an.

Wirtschaft hofft damit auf gute Fachkräfte

Die Wirtschaft hofft, für das neue, von ihr unterstützte Angebot, leistungsstarke Schüler wieder für einen Job im Handwerk oder eine Ausbildung zu gewinnen. „Es gibt Arbeit ohne Ende“, sagte Andreas Koch-Martin, der Leiter des Ausbildungszentrums der Innung für Sanitär, Heizung und Klima. Die Hälfte der Ausbildungsdauer finde im Betrieb und in der überbetrieblichen Ausbildung statt, die andere – etwa 26 Wochen pro Ausbildungsjahr in der Max-Taut-Schule. Der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Berlin, Gerrit Buchhorn, wies darauf hin, dass auch im Hotel- und Gaststättengewerbe dringend Fachkräfte gesucht werden.

Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind 82 Prozent der Betriebe aus der Hotelbranche bereit, die Ausbildungszeit in den Betrieben zugunsten zusätzlicher Schulstunden abzugeben, darunter das InterContinental und das Estrel-Hotel. Bis zu 20 Schüler sollen die jeweiligen Klassen besuchen. Bislang steht noch nicht fest, ob der Bildungsgang dieses Jahr zustande kommt. Denn die offizielle Werbekampagne startet dafür erst jetzt. Die Vorbereitungen hätten länger gedauert als erwartet, hieß es.

Kontakt: Handwerkskammer Berlin, Tel. 030-25 903 321 oder E-Mail mrowka@hwk-berlin.de

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