Öffentliches WC

So sehen Berlins neue öffentliche Toiletten aus

Der Senat hat den WC-Betrieb neu vergeben – wieder an die Firma Wall. Aber zu neuen Konditionen.

So sollen die neuen öffentlichen WCs von Wall aussehen

So sollen die neuen öffentlichen WCs von Wall aussehen

Foto: Wall AG

Berlin. „Es wird keine Versorgungslücke geben, und Container-Toiletten bleiben Berlin auch erspart.“ Mit diesem Versprechen stellte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Dienstag den Betreiber vor, der ab 2019 dafür sorgen soll, dass Berlins öffentliche Toiletten moderner, sauberer und durch neue Standorte ergänzt werden. Die Überraschung hielt sich indes in Grenzen, als die Senatorin verkündete, dass der neue zugleich auch der alte Betreiber ist: die Wall GmbH. Das Unternehmen, das seit 25 Jahren die meisten der öffentlichen Toiletten im Berliner Straßenland errichtet und betreibt, habe sowohl das „ökonomisch als auch visuell attraktivste“ Angebot abgegeben, sagte die Senatorin.

In zwei Jahren soll es rund 280 öffentliche WCs geben

Insgesamt hätten sich vier Unternehmen an der europaweiten Ausschreibung beteiligt, so Günther weiter. Mit dem auf 15 Jahre befristeten Auftrag an Wall wird nun das vom Senat beschlossene Konzept umgesetzt. In diesem ist geregelt, dass es künftig mehr öffentliche Toiletten geben wird – und viele Anlagen ab 1. Januar 2019 abgerissen und neu gebaut werden. Regine Günther kündigte an, dass es in zwei Jahren rund 280 öffentliche WCs geben werde. Bisher seien es 250. Ab 2021 sollen dann schrittweise weitere stille Örtchen dazukommen, 366 sollen es schließlich werden, von denen, wie bereits heute, die allermeisten von Wall betrieben werden.

Um das Toilettenkonzept des Senats hatte es ziemlichen Wirbel gegeben, denn viele in der Stadt befürchteten, dass der Toiletten-Standard wieder auf das Niveau zurückfallen könnte, das in Berlin Anfang der 90er-Jahre geherrscht und sich durch Wall erheblich verbessert hatte. Wall betreibt auch jetzt schon den Großteil der öffentlichen WCs, darunter 170 automatische City-Toiletten. Der Stadt entstanden bisher keine Kosten, weil das Unternehmen im Gegenzug Werbeflächen nutzen durfte.

Anders als bisher wird der Toilettenbetrieb nun von den Werberechten vollständig entkoppelt. Beide Vergaben wurden in getrennten Verfahren ausgeschrieben. „Dieses Vorgehen war nicht nur rechtlich geboten, sondern hat sich am Ende auch wirtschaftlich ausgezahlt“, sagte die Senatorin. Die Einnahmen aus der Werbung in den kommenden 15 Jahren würden 350 Millionen Euro betragen, rechnete Günther vor. Nach Abzug aller Kosten für Betrieb und Anschaffung der Toiletten würden unterm Strich rund 47 Millionen Euro für das Land bleiben. „Und dies bei qualitativ besseren Toiletten und einer deutlichen Reduzierung der Anzahl der Werbeanlagen, bei den Großwerbevitrinen etwa um mehr als 30 Prozent“, betonte die Senatorin. Weiterer Vorteil: Die neuen, modernen und barrierefreien Anlagen sind nicht mehr abhängig von der Anzahl der Werbeanlagen, die ein Bezirk zur Verfügung stellen kann. Dadurch würden nun endlich die Toiletten dort errichtet, wo sie auch tatsächlich benötigt würden. Trotz des Gewinns, den sich das Land Berlin von dem Geschäft verspricht, soll es wie bisher bei einer Nutzergebühr von 50 Cent bleiben.

Die neuen Anlagen werden betont schlicht gehalten

Bereits in den nächsten zwei Jahren werden nun in einer ersten Stufe 193 neue Toilettenanlagen aufgebaut, das sind 23 Toiletten mehr als im Konzept vorgesehen. Vorhandene Anlagen im Bestand des Landes Berlin (insgesamt 37) wird Wall weiterbetreiben, und weitere 50 Anlagen betreuen andere. Insgesamt ergeben sich so 280 Toilettenanlagen in der Grundversorgung.

„Die von Wall extra für Berlin neu entwickelten City-Toiletten bieten der wachsenden Metropole Berlin ein Höchstmaß an Sicherheit, Sauberkeit, Komfort und Barrierefreiheit und werden durch ihr ansprechendes, modernes Design das Stadtbild positiv ergänzen“, sagte Jean-François Decaux, Miteigentümer und Chef von JCDecaux, zu dessen Konzern die Wall GmbH gehört.

Anders als die postmodern gerundeten Häuschen aus den 90er-Jahren werden die neuen Anlagen betont schlicht gehalten. Die mit grauen Steinplatten verkleideten „Bedürfniswürfel“ sollen vor allem im Inneren glänzen: Die neuen Unisex-WCs werden als Modultoiletten errichtet, die bei Bedarf erweitert werden können. 28 Anlagen erhalten Wickeltische, 85 ein zusätzliches kostenfreies Pissoir hinter einer seitlich angebrachten Schamwand und 43 mehrere Sitzplätze. „Alle Toiletten stehen künftig von Anfang an im Eigentum des Landes Berlin“, sagte die Senatorin. Vor dem Start der Serienproduktion sollen im Juli alle Berliner noch einmal die Gelegenheit erhalten, einen probeweise aufgestellten Prototyp zu testen, versprach Günther.

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