Berlin

Neue Milieuschutzgebiete in Wedding

Das Bezirksamt Mitte stellt vier weitere Quartiere unter Milieuschutz. Altmieter will man so vor Verdrängung schützen.

In Wedding will man Altmieter vor Verdrängung schützen. (Archivbild)

In Wedding will man Altmieter vor Verdrängung schützen. (Archivbild)

Foto: Andrea Warnecke / pa/dpa Themendie/dpa Themendienst

Berlin. Luxusmodernisierung von Wohnhäusern und steigende Mieten kommen auch im Arbeiterbezirk Wedding immer häufiger vor. Um langjährige Bewohner vor Verdrängung zu schützen, will das Bezirksamt Mitte vier weitere Quartiere unter Milieuschutz stellen. Für die Gebiete an der Kattegatstraße und an der Reinickendorfer Straße ist der Behördenbeschluss für die Erhaltungsverordnung im Juni gefallen.

Wenn die Verordnung erlassen ist, brauchen Hauseigentümer eine Genehmigung, wenn sie modernisieren und Wohnungsgrundrisse ändern wollen. Für die Quartiere Soldiner Straße und Humboldthain-Nordwest soll noch eine juristische Prüfung erfolgen. Im Bezirk Mitte gibt es bereits fünf Milieuschutzgebiete, zwei davon in Moabit und drei in Wedding.

Durchschnittliche Netto-Kaltmiete liegt zwischen 5,70 und 6,30 Euro

Für die vier künftigen Gebiete ist eine soziale Untersuchung durchgeführt worden. Insgesamt rund 40.000 Menschen leben dort, ein Drittel von ihnen bereits mehr als zehn Jahre. Die Studie ergab, dass viele Bewohner ihre nachbarschaftlichen Beziehungen als gut bewerten und eine starke Bindung an ihren Kiez haben. Auch deshalb, weil es für Kinder und Jugendliche viele Freizeitangebote gibt.

Ein weiteres Kennzeichen der vier Quartiere: Der Anteil von Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund ist hoch. Er beträgt fast 66 Prozent an der Reinickendorfer Straße, jeweils etwa 64 Prozent an Soldiner Straße und in Humboldthain-Nordwest, und knapp 44 Prozent an der Kattegatstraße.

Etwa 18.600 Wohnungen gibt es in den vier Gebieten, mehr als die Hälfte davon haben nur ein oder zwei Zimmer. Das Potenzial für Modernisierung ist hoch. Der Studie zufolge haben 76 Prozent der Wohnungen im Gebiet Soldiner Straße nur eine einfache Ausstattung. 71 Prozent sind es an der Kattegatstraße, 68 Prozent an der Reinickendorfer Straße und 54 Prozent in Humboldthain-Nordwest. Die meisten Wohnhäuser sind Altbauten aus der Zeit vor 1945 oder wurden nach 1950 im Wiederaufbauprogramm errichtet. Sie sind vor allem in privatem Eigentum. Die durchschnittlichen Bestands-Nettokaltmieten liegen, gemäß der Haushaltsbefragung, zwischen 5,70 und 6,30 Euro je Quadratmeter. Bei Neuvermietung werden bis zu 14 Euro verlangt.

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