Bürgerinitiative

Schlachtensee soll eigener Ortsteil werden

Eine Bürgerinitiative setzt sich dafür ein, dass die Eigenständigkeit des Viertels aufgewertet wird. Ein Straßenschild gibt es schon.

Eine Initiative möchte, dass Schlachtensee ein eigener Ortsteil wird (Archiv)

Eine Initiative möchte, dass Schlachtensee ein eigener Ortsteil wird (Archiv)

Foto: Reto Klar

Berlin.  Genau hinter dem S-Bahnhof Mexikoplatz könnte es stehen, an der Ecke Lindenthaler Allee und Matterhornstraße – das Schild für den Ortsteil Schlachtensee. Dirk Jordan hat es mit seiner Initiative, die sich für die Aufwertung von Schlachtensee von einer Ortslage zum Ortsteil einsetzt, anfertigen lassen. 150 Euro hat das Verkehrsschild gekostet. Sollte sich der Bezirk für die Ernennung eines achten Ortsteils in Steglitz-Zehlendorf entscheiden, wäre die Initiative bereit, alle Schilder zu bezahlen. Denn es ist ihnen wichtig, endlich offiziell sagen zu können: Ich bin Schlachtenseer.

Seit einem Jahr liegt der Antrag, Schlachtensee den Status eines Ortsteils zu geben, im Bezirksamt. Passiert ist noch nichts. Deshalb macht die Initiative jetzt Druck, deshalb die Aktion mit dem Ortsteilschild. Schließlich gibt es auch eine Evangelische Kirchengemeinde Schlachtensee, an deren Grenzen sich der neue Ortsteil orientieren soll. Große Auswirkungen hätte die Benennung nicht, bis auf ein paar Aufdrucke im Stadtplan und den Ortsteilschildern. Die Bewohner rund um die Breisgauer Straße aber hätten ein gutes Gefühl.

Neue Ortsteile sind nichts Ungewöhnliches

Die Akteure haben viele Gründe für ihr Anliegen: Zum Beispiel liegt der Schlachtensee zur Hälfte in Zehlendorf und in Nikolassee, Namensgeber ist er nicht. „Dabei fährt die Jugend heute nach Schlachtensee und nicht zum Schlachtensee“, sagt Joachim Elsholz von der Initiative. Alle würden denken, dass es den Ortsteil gibt. Das sei nicht verwunderlich, sagt auch Rainer Schulze-Bühler, dessen Familie seit 1896 in Schlachtensee ansässig ist. „Es gibt das Landhaus Schlachtensee, Schokolade aus Schlachtensee“, so der Anwohner. Er habe noch alte Postkarten mit der Bezeichnung „Kurort Schlachtensee“.

Dass neue Ortsteile auf dem Stadtplan dazukommen, ist nichts Ungewöhnliches. Einer der letzten neu benannten ist Borsigwalde in Reinickendorf. Auch in Lichtenberg gab es Neugründungen. Doch der Bezirk hat es nicht eilig. Der Antrag auf die Ernennung eines achten Ortsteils in Steglitz-Zehlendorf wurde zunächst in einen Prüfauftrag umgewandelt. Was würde die Umbenennung überhaupt kosten?

Die Antwort darauf solle nun Ende Juli vorliegen, versicherte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) in der Sitzung der Bezirksverordneten. Dann könnten die Fraktionen entscheiden, wie sie mit dem Ergebnis umgehen. Dass es ein Jahr gedauert habe, begründet sie zum einem mit dem „Prüfaufwand“ und zum anderen mit fehlendem Personal und einer anderen Prioritätensetzung.

Die Ansicht der Bezirksbürgermeisterin findet die Initiative "lächerlich"

Die Bezirksbürgermeisterin lässt keinen Zweifel daran, dass sie keine große Befürworterin des Anliegens ist. „Es gibt sieben historisch gewachsene Ortsteile, bis auf Dahlem hatten alle ihre eigenen Rathäuser“, sagt Richter-Kotowski. In Schlachtensee gibt es keines. Sie könne nicht nachvollziehen, woher die Begehrlichkeiten kämen, denn einen Mehrwert sehe sie nicht. „Die Welt wird immer größer und nicht kleiner“, so Richter-Kotowski. Das habe man an der Bezirksfusion vor 19 Jahren gesehen. Sie hält das Schild „Schlachtensee“ für eine Formalie und nicht für eine Frage der Identifikation. Schließlich liege das Strandbad Wannsee auch im Ortsteil Nikolassee.

„Lächerlich“, finden die Ortsteilbefürworter die Ausführungen der Bezirksbürgermeisterin. Gerade weil die Welt immer größer werde, brauche der Mensch ein Heimatgefühl, sagt Joachim Elsholz. In Großstrukturen lasse es sich nur leben, wenn es einen Ort gebe, mit dem man sich identifizieren kann. Kein Rathaus? „Wir haben zuerst eine Kirche gebaut und die ordentlich finanziert“, sagt Elsholz.

Die Gruppe positioniert sich mit dem Schild an den Fahrradweg. Eine Frau hält an, steigt ab und lässt sich den Grund ihrer Aktion erklären. „Ein eigener Ortsteil Schlachtensee – ja klar wäre das schön“, sagt sie. Was sich ändern werde? Drei, vier Straßenschilder und das Heimatgefühl.

Kontakt zur Initiative „Ortsteil Schlachtensee“: ortsteil-schlachtensee@jordandirk.de

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.