Berlin

Neuer Entwurf für ehemaliges Bahngelände in Neukölln

Baukollegium lehnt Hochhäuser an der Karl-Marx-Straße ab. Zweites Konzept wird am heutigen Donnerstag öffentlich vorgestellt.

Herthaplatz

Herthaplatz

Foto: Projektgesellschaft Ringbahnhöfe / BM

Berlin.  Während man im „Estrel Hotel“ trotz der Zeitverzögerung entschlossen ist, mit einem 175-Meter-Turm an der Sonnenallee Berlins höchstes Haus zu errichten, sind die hochfliegenden Pläne für die Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs Neukölln deutlich geerdet worden. 26 Stockwerke und etwa 100 Meter sollte der Wohnturm an der Karl-Marx-Straße laut früherem Konzept in den Himmel wachsen. So hoch hinaus wird es nun nicht mehr gehen. Ihre überarbeiteten Pläne stellt die Projektgesellschaft Ringbahnstraße am heutigen Donnerstag auf dem Gelände des Güterbahnhofs der Öffentlichkeit vor.

Ein Einspruch des Baukollegiums hatte das Überdenken des Konzepts notwendig gemacht. Der vorgesehene Büroturm im Osten des Bahngeländes lasse sich „an dieser Stelle nicht begründen“, so das Urteil des Expertengremiums, das im Dezember 2017 über den Entwurf von Wehrhahn Architekten beriet. Noch mehr störte das Kollegium ein zweiter Blickfang, der den an den Büroturm anschließenden Häuserriegel im Westen abschließen sollte. Zwar sollte das an der Hertabrücke vorgesehene Wohnhochhaus mit 15 Stockwerken deutlich niedriger ausfallen als sein Gegenüber. Doch nicht nur dem Kollegium, auch Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Bündnis 90/Grüne) fehlte es an der Einbettung in das gründerzeitliche Quartier.

Diesem Wunsch sind die Planer nachgekommen. Sechs Berliner Architekturbüros hatten in einem Workshopverfahren im Frühjahr 2018 Änderungen vorgeschlagen. Unter Wehrhahns Regie entstand ein Entwurf, in den Ideen von vier Workshopbeteiligten einflossen. So soll der Büroturm an der Karl-Marx-Straße nur noch 17 Etagen und etwa 70 Meter hoch werden. Das Erdgeschoss könnte ein Supermarkt erschließen. Auch der existierende Biomarkt soll wieder Platz finden. Auf seinem Dach entsteht ein über Treppen zugängliches offenes Plateau, das durch ein Café Aufenthaltsqualität gewinnen könnte. Eine Passage führt Richtung Hertabrücke in den ersten Innenhof, auch hier soll Gastronomie Publikum anlocken.

Statt des ehemals geplanten kompakten Wohnturms an der Hertabrücke öffnet sich die Baustruktur hier ebenfalls für einen etwa 1400 Quadratmeter großen Stadtplatz. Für sich allein stehend erlaubt der auf acht Stockwerke plus Staffeletage geschrumpfte Wohnblock neben der Hertabrücke den Durchblick auf den historischen Verlauf der Neuköllner Kirchhofstraße, ehe sie durch die Ringbahn zerschnitten wurde.

Anteil der Wohnungen mit günstiger Miete ist gestiegen

Den aus aneinandergereihten Einzelhäusern bestehenden Gebäudestrang entlang der Ringbahnstraße mit seinen vier Innenhöfen teilen sich Dauermieter mit Kurzzeitbewohnern in gewerblichen Mietappartements im Abschnitt nahe der Karl-Marx-Straße. „Das braucht Berlin. Kurzzeitwohnen für Manager, Arbeitnehmer, die zur Schulung in Berlin sind“, sagt Cesim Çaçan, Projektmanager für die Ringbahnhöfe. Wegfallen wird dafür das früher geplante Hotel.

Auf Kritik des Baukollegiums geht auch die Traufhöhe des Wohngebäuderiegels zurück. Diese entspricht der Bebauung an der Ringbahnstraße, muss aber zugleich das Gefälle der Straße ausgleichen. Çaçan: „Daher die vielen kleinen Häuser, nur so bekommen wir die Staffelung hin.“ Ehemals geplante Öffnungen der Höfe wurden geschlossen, lediglich in Verlängerung der Walter­straße, wo eine Kindertagesstätte einzieht, gibt es einen Durchbruch in der Hausfront. Insgesamt entstehen weniger Wohnungen als ursprünlich geplant, dafür wird es 30 Prozent preiswerten Wohnraum geben.

Im Bezirksamt wurde der Entwurf bereits genehmigt, auch wenn noch nicht alles im Detail ausgearbeitet ist. Die Fassadengestaltung ist noch offen, ebenso die Zahl der Plätze in der Tiefgarage.

Bürgerinformation am heutigen Donnerstag, 17 bis 19 Uhr, Ringbahnstraße 2-4

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