Potsdam

Bauern schlagen Alarm: Brandenburger Getreide vertrocknet

Die Landwirte erwarten hohe Ernteausfälle und fordern deshalb Hilfen von der EU. Gleichzeitig wird nach alternativen Anbaumethoden geforscht.

 In diesen Tagen beginnen die Landwirte in Brandenburg mit der Getreideernte. Die Bauern rechnen mit starken Ernteverlusten beim Getreide und Mais durch die anhaltende Trockenheit.

In diesen Tagen beginnen die Landwirte in Brandenburg mit der Getreideernte. Die Bauern rechnen mit starken Ernteverlusten beim Getreide und Mais durch die anhaltende Trockenheit.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Potsdam.  Brandenburgs Bauern schlagen Alarm. Wegen der anhaltenden Trockenheit fürchten die Landwirte Ausfälle bei der Getreideernte von 50 bis 100 Prozent. „Die lang andauernde Trockenheit bereitet den Landwirten große Sorgen, fielen doch im gesamten Mai kaum mehr als zehn Liter Regen“, sagt der Sprecher des Kreisbauernverbandes Oder-Spree, Karsten Lorenz. „Auch im Juni sieht es bis jetzt nicht viel besser aus.“ Die Bauern gehen davon aus, dass sie im vierten Jahr in Folge Ernterückgänge zu beklagen haben werden. In einigen Landesteilen – vor allem im Osten Brandenburgs – hat es seit zwei Monaten nicht geregnet.

Um wegen des ausbleibenden Regens nicht alles zu verlieren, haben einige Landwirte bereits mit der Getreideernte begonnen – ein einmaliger Vorgang. „Wir haben noch nie mit der Ernte im Juni begonnen“, sagt Lorenz. Betroffen sind vor allem Gerste, Roggen, Weizen und Raps. „Beim Mais entscheidet sich es in den kommenden Wochen“, sagt Lorenz. „Der Mais auf den Feldern sieht nicht gut aus, aber auch den Sonnenblumen und dem Grünland fehlt Wasser.“

Ausfälle fallen regional sehr unterschiedlich aus

Insgesamt erwartet die Landwirtschaft erneut ein schlechtes Jahr. „Es ist mit Mindererträgen, Qualitätsverlusten und unzureichender Futterversorgung der Tierbestände zu rechnen“, sagt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade. Wie hoch die Ernteausfälle in diesem Jahr genau ausfallen, lässt sich nach Angaben des Brandenburger Bauernverbandes noch nicht sagen. „Wir rechnen landesweit mit starken Verlusten, die regional sehr unterschiedlich ausfallen“, sagt der Sprecher des Bauernverbandes, Tino Erstling.

Aber auch eine indirekte Folge des Wetters macht den Landwirten zu schaffen. Die extreme Trockenheit in einigen Landesteilen hat auch zur Vermehrung von Schädlingen geführt. „In diesem Jahr sind Mäuse ein großes Problem“, sagt Lorenz. Dem Raps setzen zudem zwei Käfer zu: Der Rapsglanzkäfer greift die Blüten an, der Kohlschotenrüssler frisst sich in die Stängel. „Über kurz oder lang werden wir uns vom Raps verabschieden“, sagt Lorenz. Weil nur noch bestimmte Pflanzenschutzmittel erlaubt seien, würden die Schädlinge zudem zunehmend Resistenzen entwickeln und zusätzlichen Schaden anrichten, was den Rapsanbau für die Landwirte erschwert. Seit 2014 hat sich der Rapsertrag in Brandenburg durch die widrigen Verhältnisse inzwischen halbiert.

Die Landwirte fordern eine steuerfreie Risikovorsorge

Der Bauernverband kündigt schon jetzt an, nationale Notstandshilfen bei der EU zu fordern. „Wegen des anhaltenden Rückgangs der Erträge fehlt das Geld auf den Höfen an allen Ecken und Enden“, sagt Lorenz. „Ohne Hilfen werden wir die nächsten Jahre nicht überstehen.“

Der Brandenburger Bauernbund, der vor allem die Familienbetriebe vertritt, lehnt derartige EU-Hilfen ab. „Wir haben nichts gegen Hilfen, aber sie müssen für alle gelten“, sagt der Geschäftsführer des Bauernbundes, Reinhard Jung. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die EU-Hilfen vor allem Großbetrieben zugutekommen. Einig sind sich Bauernverband und Bauernbund dagegen, den Landwirten eine steuerfreie Risikovorsorge zu ermöglichen, um in guten Jahren für schlechte Jahre – wie es sich für dieses Jahr abzeichnet – vorsorgen zu können. Das ist bislang nicht möglich.

Schon im vergangenen Jahr beklagten Brandenburgs Bauern erhebliche Ernteausfälle. So hatten späte Fröste im April und Hagelstürme vielerorts die Apfelernte fast völlig zerstört. Der starke Regen im Herbst erschwerte zudem die Ernte, da viele Landwirte wegen des durchnässten Bodens ihre Felder nicht bewirtschaften konnten. Allein beim Getreide und Raps erlösten die Landwirte 45 Millionen Euro weniger als im Jahr davor. Dagegen verzeichneten die Spargelbauern eine Rekordernte. Gleiches zeichnet sich für dieses Jahr ab, allerdings klagen die Bauern über einen starken Preisverfall.

Brandenburgs Bauern bewirtschaften rund 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Das sind fast 45 Prozent der Bodenfläche des Landes. Auf etwa 550.000 Hektar wird Getreide angebaut. Knapp 300.000 Hektar sind Dauergrünland.

Um sich den veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen, wird in der Landwirtschaft derzeit nach alternativen Anbaumethoden geforscht. „Die Forschungen laufen auf Hochtouren“, sagt Bauernverbandssprecher, Erstling. Dabei geht es um den Anbau anderer Getreidesorten, alternative Bewässerungsmethoden und neue Anbaumethoden. „Auf die Ergebnisse schauen wir gespannt“, sagt Erstling. Die Landesregierung unterstützt derzeit drei Forschungsvorhaben mit insgesamt 4,4 Millionen Euro.

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