Tod im Tiergarten

Mordfall Susanne Fontaine: Ankläger fordert lebenslänglich

Susanne Fontaine wurde im September im Tiergarten ermordet. Der Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für ihren mutmaßlichen Mörder.

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Berlin. Im Prozess um die Ermordung der Kunstwissenschaftlerin Susanne Fontaine beantragte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch für den zur Tatzeit 18 Jahre alten Angeklagten Ilyas A. eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Das ist ungewöhnlich. In der Regel werden gegen 18-Jährige im Moabiter Kriminalgericht Sanktionen nach dem Jugendstrafrecht gefällt. Staatsanwalt Reiner Pützhoven sagte zu Beginn seines Plädoyers: „Ich bin überzeugt, dass Ilyas A. der Täter ist.“

Susanne Fontaine war am 5. September 2017 gegen 22.30 Uhr unweit der Gaststätte Schleusenkrug im Tiergarten ermordet worden. Der Leichnam der 60-Jährigen wurde erst drei Tage später von Passanten in einem Gebüsch gefunden. Ilyas A. hatte den Mord bestritten und behauptet, am frühen Morgen des 5. September den Leichnam zufällig gefunden und das Handy von Susanne Fontaine an sich genommen zu haben.

„Der Angeklagte war im Besitz des Handys, es wurden von ihm DNA an den Händen des Leichnams gefunden, verräterisch sei auch seine plötzliche Reise nach Polen“, sagte Ankläger Pützhoven. Er gehe nach der umfangreichen Beweisaufnahme davon aus, dass der wegen schwerer Raubtaten vorbestrafte Ilyas A. auch Susanne Fontaine zunächst nur habe ausrauben wollen. Als sie Widerstand leistete, habe sie der Angeklagte zu Boden gebracht, sich auf ihren Rücken gekniet und sie erdrosselt.

"Ganz normaler Raubmord"

Der Staatsanwalt zählte gleich drei Mordmerkmale auf: Habgier, Heimtücke und Ermöglichung einer anderen Straftat. Als zentrale Frage in diesem Prozess sah Pützhoven die Entscheidung, ob Ilyas A. nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden soll. Der Staatsanwalt plädierte für Erwachsenenstrafrecht und bezog sich dabei auf die Einschätzungen eines psychiatrischen Gutachters und einer Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe, die übereinstimmend erklärten, dass bei Ilyas A. „keine Nachreife zu erwarten“ sei. Beide legten der Jugendkammer nahe, Ilyas R. als Erwachsenen zu behandeln. Geprüft worden sei auch, ob eine besondere Schwere der Schuld vorliegt oder ob eine Sicherungsverwahrung infrage kommt, sagte Pützhoven. Beides verneinte er. Letztlich handele es sich „um einen ganz normalen Raubmord“.

Die Nebenkläger schlossen sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Opferanwalt Roland Weber verwies in seinem Plädoyer auf die Erklärung des Angeklagten. Ilyas A. hatte sie am 7. März, ein halbes Jahr nach seiner Festnahme, bei einem Haftprüfungstermin abgegeben – als ihm die Akte mit allen aufgelisteten Indizien zugänglich war.

Es dränge sich schon der Verdacht auf, dass diese Aussage der Aktenlage angepasst sei, sagte Weber und lieferte dafür auch ein Beispiel: Nach einem Gutachten des Landeskriminalamtes (LKA) waren DNA des Angeklagten auch im Münzfach der Geldbörse des Opfers gefunden worden. In der Erklärung des Angeklagten hieß es dann prompt, dass er in der Börse der toten Frau nach Münzen gesucht habe; daher wohl auch seine DNA-Spuren. Vor Gericht stellte sich jedoch heraus, dass es schlicht ein Fehler des zuständigen LKA-Beamten war, an der Börse wurden gar keine DNA-Anhaftungen gefunden.

Der Prozess wird am 25. Juni fortgesetzt. Vermutlich wird an diesem Tag auch das Urteil gesprochen.

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