Berlin

Senat will Gehälter bei Landesfirmen strenger kontrollieren

Der Finanzsenator reagiert auf die Kritik des Landesrechnungshofes. Betriebe sollen nun Konzepte für Vergütung vorlegen.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen

Foto: Reto Klar

Berlin. Senat und Abgeordnetenhaus wollen die Gehälter der Führungskräfte der landeseigenen Betriebe strenger kontrollieren. Die Unternehmen sollen künftig den Aufsichtsräten Vergütungskonzepte für die zwei Ebenen unterhalb der Vorstände vorlegen und darstellen, nach welchen Kriterien Boni und Zulagen gewährt werden.

Der Vorsitzende des Beteiligungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Jörg Stroedter (SPD), kündigte an, sich ebenfalls über die Gehälter der Manager unterhalb der engsten Führungsebene berichten zu lassen. Bisher seien diese für Volksvertreter nicht sichtbar. Die Politik reagiert damit auch auf die wiederholte Kritik des Landesrechnungshofs an zu hohen und intransparenten Zahlungen an Manager. Zuletzt hatte die Behörde dem Klinikkonzern Vivantes vorgeworfen, seinen Führungskräften zu viel bezahlt zu haben.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sagte der Berliner Morgenpost, er wolle in allen Unternehmen einen Rahmen für die Vergütung setzen, der sich an den jeweiligen Branchen orientiert. „Wir müssen für alle größeren Betriebe so etwas erarbeiten“, sagte Kollatz-Ahnen. Dabei lägen Landesunternehmen wie die Berliner Wasserbetriebe (BWB), die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) oder die Wohnungskonzerne in ihren Branchen „sicherlich nicht am oberen Ende“. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, sie finde es richtig, dass die Landesunternehmen das Marktübliche bezahlen. Schließlich bräuchten sie auch qualifizierte Fachleute.

Berliner Chefs verdienen mehr als Hamburger Kollegen

Für die BWB hat der Personalausschuss des Aufsichtsrates in dieser Woche das Rahmenkonzept diskutiert. Demnach erhalten die Manager unterhalb des Vorstandes, also etwa die Leiter Abwasserentsorgung oder Planung und Bau, zwischen 119.000 und 136.000 Euro pro Jahr fix und maximal 40.000 Euro als Boni. Damit verdienen diese Spezialisten etwa so viel wie ein Senator und liegen auf dem Niveau des Chefs der Hamburger Wasserwerke. Eine Ebene tiefer gelten 106.000 bis 124.000 Euro als geboten, plus bis zu 35.000 Euro Sonderzahlungen. Dieser Rahmen gilt bei den Wasserbetrieben für 50 der 4600 Mitarbeiter.

Insgesamt verdienen auch die Chefs der Berliner Firmen vergleichsweise viel. Ihre Bezüge liegen in der Regel höher als die ihrer Kollegen in Hamburg, deren Betriebe aber meist kleiner sind. So bekam BWB-Chef Jörg Simon 2016 laut Beteiligungsbericht 393.000 Euro, mehr als doppelt so viel wie sein Hamburger Kollege. Ähnlich verhält es sich mit den 490.000 Euro, die BVG-Chefin Sigrid Nikutta verdiente. BSR-Chefin Tanja Wielgoß erhielt mit 389.000 Euro 50 Prozent mehr als ihr Pendant. Nur der Chef des Hamburger Wohnungsbaukonzerns Saga verdiente mit 314.000 Euro etwas mehr als die Chefs der sechs Berliner Wohnungsbaukonzerne. Er verwaltet aber auch doppelt so viele Wohnungen wie die größten Berliner Gesellschaften.

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