Berlin

Schwermetall im Trinkwasser

Verunreinigung: Mieter in Reinickendorf können kein Wasser aus dem Hahn trinken

Berlin.  Wenn Sergey Meininger Durst hat, dann dreht er momentan nicht etwa seinen Wasserhahn in der Wohnung auf, sondern nimmt sich einen großen Kanister und geht nach draußen zur Trinkwasserentnahme. Das macht er nicht, weil er sein Wasser gerne draußen zapft, sondern weil er es muss. Menschen aus 158 Wohnungen der Hausnummern 28 und 30 am Senftenberger Ring dürfen kein Wasser aus den Wasserhähnen nutzen. Der Grund: Die zulässigen Grenzwerte für Schwermetalle wurden überschritten. Trinken ist deshalb tabu und auch zum Kochen oder Zähneputzen sollte es gemieden werden. Außerdem dürfe es laut Experten ebenfalls nicht zur Körperpflege von Säuglingen und Kleinkindern benutzt werden.

Für die Mieter der umliegenden Hochhäuser am Senftenberger Ring gibt es Entwarnung: Dort konnten nach Stichproben keine Verunreinigungen nachgewiesen werden, die Ergebnisse der Untersuchungen des Trinkwassers waren einwandfrei, sagt eine Sprecherin des Wohnungsunternehmens Gesobau.

Aufgefallen ist die Belastung im Rahmen der routinemäßig stattfindenden Trinkwasseruntersuchung durch eine Verfärbung des Trinkwassers im April, sagt eine Gesobau-Sprecherin. Die mikrobiologischen Untersuchungsergebnisse seien allerdings unauffällig gewesen. „Daraufhin wurde das Wasser auf andere Parameter hin untersucht, dabei wurden Überschreitungen der Grenzwerte von Schwermetallen festgestellt“, so die Sprecherin weiter.

Vier Fünf-Liter-Kanister pro Woche für jeden Haushalt

Der Vermieter hat schnell gehandelt und liefert den Anwohnern jede Woche vier Fünf-Liter-Kanister Wasser nach Hause. „Zum Trinken reicht mir das völlig, nur zum Kochen wird es knapp“, sagt eine Anwohnerin. Dafür stehen allen 158 Parteien zwei Wasserhähne am Haus Nummer 32 zur Verfügung, nur wenige Meter der betroffenen Häuser entfernt. „Hier können wir so viel nehmen, wie wir brauchen. Das ist sehr gut“, sagt die Anwohnerin, während sie einen Kanister befüllt und in ihren Trolley stellt. Ihr mache es nichts aus, so an ihr Trinkwasser zu kommen, sie sei in erster Linie froh, dass überhaupt genug da sei und das Problem rechtzeitig erkannt wurde. „Ich bin aber auch alleine und brauche nicht so viel, für Familien mit kleinen Kindern ist es bestimmt schwerer, weil sie das Wasser ja auch zum Baden brauchen“, vermutet die ältere Dame. Wer es nicht schafft, die Kanister selbst zu befüllen oder sich in der Handhabung schwertut, dem werden seitens des Vermieters kleinere Trinkwasserflaschen gebracht.

Der CDU-Fraktion reicht es nicht, sie fordert von Gesundheitsstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) und der Gesobau eine schnelle Lösung des Pro­blems. „Zu viel Blei im Trinkwasser kann zu schweren Krankheiten führen“, sagt CDU-Fraktionschef Tobias Siesmayer. Nach Angaben von Uwe Brockhausen seien Gesundheitsamt und Gesobau im Austausch und informieren die Anwohner regelmäßig.

Die befragten Anwohner haben bislang keine Beschwerden, sie halten sich strikt an die Vorgaben, das Wasser nicht zu trinken, sagen sie. Sergey Meininger sieht die Situation eher gelassen. Ihm macht es nichts aus, gelegentlich einen Zehn-Liter-Kanister Wasser in die Wohnung zu tragen. Aufregen tut sich am Senftenberger Ring kaum jemand. Im Gegenteil: Die Anwohner schätzen die schnelle Handlung und das Entgegenkommen des Vermieters – 250 Euro gab es für jeden Haushalt, zudem wird in dem Zeitraum, in dem das Wasser nicht getrunken werden darf, die Miete gemindert. Derzeit werden die Wasserleitungen der Häuser 28 und 30 erneuert – die Gesobau hat ihren Teil bereits erledigt, die Berliner Wasserbetriebe fangen am heutigen Dienstag an. „Seit April ist das Gesundheitsamt über den Sachverhalt informiert. Es ist ein unwürdiger Zustand für die betroffenen Mieter, dass bis heute nicht absehbar ist, wann sie wieder über sauberes Trinkwasser verfügen können“, kritisiert Wolfgang Weichert, CDU-Bezirksverordneter für das Märkische Viertel.