Potsdam

Musiktradition trifft auf Baukultur

Wertschätzung für die Arbeit: Der Musiksommer Chorin und das Museum Altranft werden in Potsdam mit dem „1. Berlin Brandenburg Preis“ ausgezeichnet

Potsdam. Es war eine Premiere, die an diesem Mittwoch im Festsaal der Garde du Corps in Potsdam stattfand. Zum ersten Mal verliehen die „Stiftung Zukunft Berlin“ und die „Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte“ den „Berlin Brandenburg Preis“. Damit sollen Einrichtungen in der Region ausgezeichnet werden, die sich in besonderem Maß für das kulturelle und soziale Zusammenleben engagieren. Der Preis geht in diesem Jahr an den „Musiksommer Chorin“ und das „Oderbruch Museum Altranft“.

„Die Preisverleihung ist ein Fest der Gemeinsamkeit von Berlin und Brandenburg, der Gemeinsamkeit der Leistung und der Gemeinsamkeit des Erfolges“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zukunft Berlin, Volker Hassemer, zur Premiere. „Solch eine Preisverleihung ist im Hinblick auf die Herausforderungen der Region eher eine kleine Sache, die Region aber verdient viele solcher Zeichen der Wertschätzung und Nachweise ihrer Lebendigkeit“, sagte Hassemer zur Begründung des Preises.

Brandenburgs Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil ergänzte: „Beim Choriner Musiksommer verbinden sich über 50 Jahre Musiktradition mit über 700 Jahren Baukultur in ganz herausragender Weise“, sagte Gutheil. „Das Oderbruch Museum Altranft bringt als ganz junges innovatives Projekt Menschen vor Ort zusammen und stärkt die regionale kulturelle Identität.“

Der Musiksommer Chorin ist seit vielen Jahrzehnten eine kulturelle
Instanz in der Region. Seit 1964 finden
in der halboffenen Klosterruine klassische Konzerte statt. Der Spielort ist eines der wichtigsten Zeugnisse norddeutscher Backsteingotik. „Der Choriner Musiksommer ist eines der herausragenden Festivals in der Kulturlandschaft der Region“, sagte RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus in seiner Laudatio. „Klassik und Klosterruine, Kultur und Natur gehen bei den hochkarätigen Konzerten eine magische Verbindung ein, die sich auf das Publikum überträgt.“ Die Jury würdigt mit ihrer Entscheidung auch die Kontinuität des Festivals über die historischen Umbruchzeiten der Wendejahre hinweg.

In diesem Jahr findet das Festival zwischen dem 23. Juni und 26. August statt. Es ist die 55. Ausgabe des Musikfestes in Chorin – und damit eines der traditionsreichsten Festivals in Ostdeutschland. Auch 2018 erwarten die Veranstalter wieder rund 24.000 Besucher, darunter viele Tausend Picknickgäste auf der Wiese vor der Ruine.

Insgesamt gibt es 18 Konzerte. Den Auftakt und den Abschluss bilden zwei Monumentalwerke: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt eröffnet den Musiksommer mit Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin beendet ihn zwei Monate später mit Richard Strauß’ „Also sprach Zarathustra“.

Regionalmuseum mit neuem Konzept

Das Oderbruch Museum Altranft zeigt nach Auffassung der Jury exemplarisch, wie aus einem in die Jahre gekommenen, von der Auflösung bedrohten Freilichtmuseum unter Einbeziehung von regionalem Wissen und Engagement ein Ort werden kann, an dem die Menschheitsfragen der Gegenwart praxisnah gestellt werden.

Das Museum setzt auf die Menschen aus der Region, die ihr Wissen über das Leben auf dem Land zusammentragen. „Das Museum ist kein Museum im eigentlichen Sinne, es ist zugleich Denkfabrik und Kreativlabor für die umfassende Entwicklung einer ländlichen Region“, sagte Juror Bernd Janowski, der zugleich Geschäftsführer des „Förderkreises Alte Kirchen in Berlin und Brandenburg“ ist. „Beispielhaft wird gezeigt, dass ein selbst organisiertes sinnvolles Leben auch auf dem Lande möglich ist.“ Das Museum sei nicht nur eine Werkstatt für ländliche Kultur, sondern eine Schule für Lebensqualität und als solche ein großartiges Gemeinschaftswerk.

Die Geehrten bedankten sich für die Auszeichnung. „Es zeigt die Wertschätzung für unsere Arbeit, bedeutet aber auch eine Herausforderung für die Zukunft“, sagte Lars Fischer, der zusammen mit seinem Partner Kenneth Anders das Museum vor zweieinhalb Jahren entwickelt hat und seitdem leitet. „Der Preis gibt uns Rückenwind.“

17 Mitglieder bilden die Jury des Preises

Der Berlin Brandenburg Preis wurde gemeinsam mit den Landesdenkmalämtern beider Länder entwickelt. Die Jury besteht aus 17 Mitgliedern. Neben Volker Hassemer und dem Direktor des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kurt Winkler, gehören die Intendantin des RBB, Patrizia Schlesinger, die Berliner und Brandenburger Landeskonservatoren, Jörg Haspel und Thomas Drachenberg, und der neue Generalintendant des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh, dem Gremium an.