Meinung

Sonderzahlungen sollen Ärzte in Gesundheitsämter locken

Im Öffentlichen Gesundheitsdienst ist Personal rar. Zu den Sonderzahlungen für Ärzte gibt es keine Alternative. Ein Kommentar.

In Gesundheitsämtern müssen qualifizierte Ärzte arbeiten. Ein Medizinstudium lässt sich nicht durch Fortbildungen ersetzen

In Gesundheitsämtern müssen qualifizierte Ärzte arbeiten. Ein Medizinstudium lässt sich nicht durch Fortbildungen ersetzen

Foto: pa/dpa

Berlin. Erzieher- und Lehrermangel in Kitas und Schulen, Personalmangel in den Standes- und Bauämtern, bei den Kfz-Meldestellen und der Polizei sind bekannt. Nun aber trifft das Problem auch die Gesundheitsämter der Bezirke und vor allem den Öffentlichen Gesundheitsdienst. 20 Prozent der Stellen sind hier unbesetzt. Und die Lücke wächst. Denn anderswo lässt sich mehr verdienen. Das gilt insbesondere für Fachärzte. Die Differenz zu dem, was Kliniken zahlen, ist so groß, dass sich kaum ein Mediziner in die Gesundheitsämter oder den Gesundheitsdienst locken lässt.

Man mag es nun unfair und für den Steuerzahler auch ganz schön teuer finden, wenn neu angeworbene Fachärzte künftig mittels Sonderverträgen bis zu 1500 Euro im Monat mehr verdienen sollen als das bislang in den Landes- und Bezirksämtern tätige Personal. Doch der Blick in die Lohntabelle von Krankenhausärzten zeigt, dass es zu diesem Schritt, den der Senat jetzt beschlossen hat, wohl keine Alternative gibt.

Quereinsteiger, wie sie an den Schulen angeworben werden, kommen in medizinisch sensiblen Bereichen nicht infrage; ein Medizinstudium lässt sich leider auch nicht mit Qualifizierungsmaßnahmen ersetzen. Es muss also gehandelt werden, denn die Aufgaben, die diese Ämter wahrnehmen, sind wichtig: Sie bieten kostenlose Angebote etwa für Menschen mit Behinderungen oder ohne Krankenschein, kontrollieren Trinkwasser- und Schwimmbadhygiene, übernehmen die Krankenhausaufsicht und die Schuleingangsuntersuchung.

Allerdings muss der Senat nun auch dafür sorgen, dass die Lohnzuschüsse auch tatsächlich nach Einzelfallprüfung transparent und sachgerecht erteilt werden. Zu Recht hat der Landesrechnungshof gerade gerügt, dass der landeseigene Klinikkonzern Vivantes Führungskräften auf undurchsichtiger Basis Prämien gewährt hat. So etwas darf sich nicht wiederholen.

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