Meinung

Pro und Contra: Tablets für Gefängnis-Insassen

In der JVA Heidering erhalten 35 Insassen testweise beschränkten Internetzugang. Unsere Redakteure diskutieren das Für und Wider.

Bis 2021 sollen alle Berliner Häftlinge mit Tablets ausgestattet werden

Bis 2021 sollen alle Berliner Häftlinge mit Tablets ausgestattet werden

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Pro: Resozialisierung lohnt sich

Die Lebensverhältnisse im Gefängnis sollten so weit wie möglich an die Verhältnisse in Freiheit angepasst werden. So steht es im Gesetz für den Strafvollzug – und so ist es auch sinnvoll. Denn natürlich sollen Gefangene bestraft werden und im Knast kein Luxusleben haben. Sie sollen aber auch die Möglichkeit erhalten, nach ihrer Entlassung ein straffreies Leben führen zu können.

Sie sollen sich trotz einer mitunter jahrelangen Zeit hinter Gittern in der Gesellschaft zurechtfinden – und sie sollen arbeiten. Wie aber soll das funktionieren, wenn die Gefangenen zwar in der Gefängnis-Werkstatt weitgehend sinnfreie Tätigkeiten ausüben können, die im wirklichen Leben kein Betrieb mehr braucht – sie aber keinen Zugang zu dem wohl wichtigsten Mittel unserer Kommunikation haben, nämlich einem Computer und einem Zugang zum Internet? 1,3 Millionen Euro für zunächst nur 35 Tablets ist viel Geld.

Doch die Technik muss wegen des Einsatzes im Gefängnis spezielle Sicherheitsanforderungen erfüllen. Das kostet. Und wenn der Zugang zu der Elektronik hilft, Straftätern die Resozialisierung zu ermöglichen, profitieren nicht nur sie selbst davon, sondern wir alle. Das sollte es uns wert sein.

Contra: Betreutes Surfen

Gefangene auf die Bildungsseiten des Internets! Ein bisschen Wikipedia und Lernprogramme, damit sich die Insassen mit einem steuerfinanzierten Tablet in der Hand während der Haft weiterbilden. „Resozialisierung durch Digitalisierung“, so die Parole des Justizsenators Dirk Behrendt (Grüne). Und: Das gedrosselte Netzsystem sei so entwickelt, dass die Gefangenen keinen „Schabernack und Unfug“ trieben.

Schabernack und Unfug, das klingt, als hätte man Räuber Hotzenplotz und seine Kumpels weggeschlossen. Und nicht eine Truppe, die voll im 21. Jahrhundert lebt: 1303 Handys wurden 2017 in den Zellen gefunden, immer wieder posten Häftlinge Bilder ihres Knast-Alltags in sozialen Medien. Im Netz sind sie längst. Doch statt 1,3 Millionen Euro für bessere Mobilfunkunterdrückung auszugeben, investieren wir sie jetzt in das Projekt „Betreutes Surfen“.

1,3 Millionen – Geld, mit dem man so viel Sinnvolles machen könnte. Auch zur Resozialisierung. Beispielsweise Sprachkurse. 40 Prozent der Berliner Häftlinge stammen aus dem Ausland. Guter Deutschunterricht tut da Not! Und nicht ein Netz, das eh so unattraktiv daherkommt wie früher das lahme Bildungsfernsehen.

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