Berlin

Neue Amtsärzte sollen höhere Gehälter bekommen

Der Berliner Senat will den Fachärztemangel in den Gesundheitsdiensten bekämpfen. Auch die Zahl der Stellen soll steigen.

Ärzte sollen mehr Geld bekommen.

Ärzte sollen mehr Geld bekommen.

Foto: luckyraccoon / iStockphoto

Berlin.  Der Personalmangel in der Berliner Verwaltung macht auch vor dem Gesundheitsdienst nicht halt. 20 Prozent der aktuell rund 350 in den Berliner Bezirksverwaltungen und einzelnen Bereichen der Hauptverwaltungen bestehenden Ärztestellen sind nach Auskunft von Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) derzeit nicht besetzt. „Und da wir in dieser Legislaturperiode 95 weitere Stellen für Ärzte schaffen wollen, wird der Mangel weiter wachsen, wenn es uns nicht gelingt, das Haupthemmnis für Neueinstellungen abzubauen“, sagte die Senatorin am Mittwoch. Der wichtigste Grund, warum sich auf Stellenausschreibungen bislang kaum Bewerber gemeldet hätten: „Wir sind finanziell nicht attraktiv genug.“ Aber das soll sich ändern.

Gemeinsam mit Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) hat sie ein Konzept entwickelt, das eine marktgerechte Bezahlung ermöglichen soll. „Ein Facharzt, der zum Landes- oder Bezirksamt geht, bekommt monatlich rund 1500 Euro weniger als ein entsprechend qualifizierter Arzt, der etwa an der Charité arbeitet“, erläutert Kolat das Problem. Besonders vom Fachkräftemangel betroffen sei dabei der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD), der eine Vielzahl gesetzlich vorgeschriebener Aufgaben gewährleisten müsse.

Amtsärzte entlohnen wie Kollegen an Kliniken

Auch bei Feuerwehr und Polizei müsse der Bedarf an hoch qualifiziertem ärztlichen Fachpersonal gedeckt werden. Laut der Vorlage, die der Senat am Dienstag beschloss, sollen künftig sogenannte Einzelfallregelungen zur Anwendung kommen. Mit entsprechender Begründung können der ÖGD und die anderen betroffenen Dienststellen in Zukunft Fachärzten einen Sonderarbeitsvertrag mit einem außertariflichen Entgelt in der Höhe anbieten, die im Tarifvertrag der Länder ungefähr den Sonderregelungen für Ärzte an Universitätskliniken mit einer Vollbeschäftigung von 42 Wochenstunden entspreche. „Damit Berlin künftig seinen Bedarf schneller und flexibler decken kann, geht der Senat an die Grenzen dessen, was mit Einzelfallregelungen möglich ist“, betonte Finanzsenator Kollatz-Ahnen.

Dabei könnten die Bezirke selbst entscheiden, wie sie vorgehen möchten. Ihre Einzelfallentscheidungen müssten sie allerdings aktenkundig machen. Nachdem der Senat die Vorlage am Dienstag beschlossen habe, müsse nun noch der Hauptpersonalrat Gelegenheit zu einer Stellungnahme bekommen. Erst danach trete die neue Regelung in Kraft.

Nach Angaben von Gesundheits­senatorin Kolat fehlen Fachärzte derzeit nahezu in sämtlichen Bereichen, in denen klinische Kompetenzen unverzichtbar sind und Untersuchungen, Begutachtungen sowie Behandlungen von Personen oder medizinische Beratungen durchzuführen sind. „Wir brauchen Kinderärzte für die Schuleingangsuntersuchungen, damit Entwicklungsstörungen, Behinderungen und Krankheiten möglichst früh entdeckt werden“, nannte sie ein Beispiel. Auch Personal für den Infektionsschutz und die Krankenhaushygiene würden dringend gesucht. „Die Krankenhausüberwachung etwa bei multiresistenten Keimen ist aufwendig, und wir wollen die Überwachung weiter ausdehnen“, sagte Kolat. Auch Pflegeeinrichtungen und ambulante Praxen sollen überprüft werden: „Aber das scheitert derzeit am mangelnden Personal“, so Kolat.

Ein weiterer Bereich, der dringend Unterstützung brauche, sei der Sozialpsychiatrische Dienst. „2017 hat dieser Dienst 43.000 Kranke und deren Angehörige beraten, zudem 6000 Prüfungen auf die Einweisung in eine geschlossene Einrichtung vorgenommen“, nannte sie die Dimensionen.

Nicht nur die Ärztestellen sollen aufgestockt, sondern der gesamte Gesundheitsdienst mit mehr Personal ausgestattet werden, ergänzte Kolat. In diesem Bereich gibt es aktuell rund 1600 Stellen – davon rund 350 für Ärzte. Bis zum Ende dieser Legislaturperiode im Herbst 2021 sollen es 2000 sein, darunter 445 Ärzte. Die Regelung mit der Extravergütung für Fachärzte soll bis Ende 2020 befristet sein.

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