Berlin

Neue Polizeipräsidentin feiert mit Bon Jovi ins Amt

Die neue Polizeipräsidentin Barbara Slowik fordert mehr Personal. Bei ihrer Feier wünscht sie sich Songs von Bon Jovi.

Offizielle Amtseinführung der neuen Polizeipräsidentin in Berlin Frau Dr. Barbara Slowik am 13.06.2018 im Bärensaal, Senatsverwaltung für Inneres und Sport; Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik und Andreas Geisel (SPD), Senator für Inneres und Sport;

Offizielle Amtseinführung der neuen Polizeipräsidentin in Berlin Frau Dr. Barbara Slowik am 13.06.2018 im Bärensaal, Senatsverwaltung für Inneres und Sport; Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik und Andreas Geisel (SPD), Senator für Inneres und Sport;

Foto: Anikka Bauer

Berlin. „Der alte König tot ist. Es lebe der König!“ Soweit eine Zeile des Megahits „Viva la Vida“ der Popgruppe Coldplay. Gewünscht hatte sich diesen Song die neue Berliner Polizeipräsidentin: Barbara Slowik. Ob die neue Dienstherrin von rund 24.000 Polizistinnen und Polizisten die Zeile als unmissverständlichen und wenig dezenten Hinweis darauf verstanden wissen wollte, dass nun nicht mehr ihr Amtsvorgänger Klaus Kandt, sondern sie das Sagen im Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke hat, ist nicht überliefert. Klar ist aber: Slowik mag offenbar Pop- und Rockmusik. Denn auf ihren Wunsch hin spielte das Streichquartett bei dem Festakt zu ihrer offiziellen Amtseinführung im „Bärensaal“ der Senatsverwaltung für Inneres an der Klosterstraße auch ein Stück der Hard- und Kuschelrockband Bon Jovi: „It’s My Life. It’s Now Or Never!“, auf Deutsch: „Es ist mein Leben. Jetzt oder nie!“

Na, dann mal los, möchte man Barbara Slowik zurufen. Ihre Amtsgeschäfte hat die gebürtige Zehlendorferin bereits vor rund zwei Monaten übernommen. Die Probleme dürften ihr in dieser Zeit hinlänglich bekannt geworden sein: zu wenig Personal, marode Dienstgebäude, eine teils mangelhafte Ausstattung, die Motivation vieler Mitarbeiter eher im Keller und eine Behördenkultur, in denen die Worte Transparenz und Dialog – glaubt man Berichten von Mitarbeitern – in Powerpoint-Präsentationen zu lesen sind, im Behördenalltag aber eher selten erlebbar sind.

Bei ihrer Antrittsrede mühte Slowik sich denn auch, Aufbruchstimmung zu verbreiten, versuchte aber auch nicht, die Probleme kleinzureden. Im Haushalt seien zwar bereits 800 zusätzliche Stellen für die Polizei vorgesehen. „Der Bedarf liegt aber deutlich höher“, sagte sie. Um ihr Haus für die Zukunft fit zu machen, wünsche sie sich eine selbstsichere Polizei, die sich zutraue, anstehende Probleme anzugehen. „Und da gibt es noch ein wenig zu tun.“ Oft spüre sie einen „Anflug von Resignation“.

Wie wenig sie mit dieser Haltung anfangen kann, machte Slowik schon durch ihre Körpersprache und ihre Art zu reden deutlich. Im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses wirkt sie oft noch etwas unsicher. Beim Festakt war ihre Stimme dagegen fest und sie machte deutlich, dass sie sich nicht als Verwalterin, sondern als Reformerin versteht. Natürlich gebe es in der Polizei Defizite. „Teils auch gravierende“, sagt sie. „Ich möchte aber, dass in
meiner Behörde offen und konstruktiv darüber diskutiert wird.“

Slowiks Chef, Innensenator
Andreas Geisel (SPD), hatte sich mit seiner neuen und wohl wichtigsten Mitarbeiterin offenbar abgestimmt. Denn auch er nannte die Gewinnung und die Ausbildung von Nachwuchskräften als wichtigste Aufgabe der Polizei. 1300 Anwärter würden bereits jetzt jedes Jahr ausgebildet. „So viel wie noch nie“, sagte Geisel. Aber auch er machte deutlich, dass bei der Rekrutierung „neue Wege“ nötig seien. Die Einstellungskriterien etwa müssten „hinterfragt“ werden. Statt auf starre Regularien zu setzen, solle man mit Gesprächen testen, ob die Bewerber für den Beruf als Polizist geeignet seien. Geisel bekannte sich auch zu dem Ziel, die unterdurchschnittliche Besoldung der Beamten bis 2021 auf das Niveau des Bundes anzuheben: „Ich weiß, wir müssen hier liefern und wir werden liefern.“ Die Vertreter des Personalrates werden sich den Satz gemerkt und auf Wiedervorlage gelegt haben.

Ein klares Bekenntnis legten Slowik und Geisel auch zu dem Ziel ab, noch in dieser Legislaturperiode das geplante neue Anti-Terror-Zentrum an der Ringbahnstraße in Tempelhof fertigzustellen. „Die Bündelung der erforderlichen Kräfte an einem Standort ist eine entscheidende Grundlage im Kampf gegen den internationalen Terrorismus hier in Berlin“, sagte Slowik.

Unter den handverlesenen Ehrengästen bei dem Festakt war das Who’s Who der deutschen Sicherheitsbehörden. Selbst der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, machte der ersten Frau an der Spitze der Berliner Polizei seine Aufwartung. Mit Ausnahme der AfD hatten auch sämtliche Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses ihre Vorsitzenden entsandt. Bisher konnte Slowik von ihnen vor allem Glückwünsche entgegennehmen. Gegenwind dürfte sie angesichts der immensen Herausforderungen noch früh genug spüren. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) übermittelte neben Glückwünschen jedenfalls schon eine Liste anzugehenden Themen: „Ob menschenwürdige Dienstzeitmodelle, effizientes Personalmanagement, notwendige technische und strukturelle Verbesserungen – es gibt vieles zu tun“, sagte der Berliner GdP-Vorsitzende Norbert Cioma. Allzu lange wird Slowik von dem Vertrauensvorschuss nicht zehren können. Wenn es hart auf hart kommt, sollte sie vielleicht auf die Worte Jon Bon Jovis hören. In „It’s My Life“ singt er: „Wenn sie dich rufen, bleibe standhaft. Verbiege dich nicht, lass dich nicht brechen und weiche nicht zurück.“

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