Berlin

Nur 1,7 Prozent der Berliner Wohnungen stehen leer

Modernisierung und Mieterwechsel sind die häufigsten Gründe. Diese Spekulation ist aber nur schwer nachweisbar.

Märkisches Viertel / Leben, Wohnen im Märkischen Viertel in Berlin

Märkisches Viertel / Leben, Wohnen im Märkischen Viertel in Berlin

Foto: Reto Klar

Berlin. Als am Pfingstsonntag Aktivisten leer stehende Häuser in Berlin besetzten, war die Aufregung groß. Während sich die rot-rot-grüne Koalition stritt, wie die Aktion politisch zu bewerten sei, herrschte auch Verwirrung darüber, wie groß das Problem Wohnungsleerstand in Berlin tatsächlich ist. Auf einer Anhörung im Stadtentwicklungsausschuss am Mittwoch wurde diese Wissenslücke geschlossen.

Systematisch erfasst wird der Leerstand vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Dessen Mitglieder, zu denen auch die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zählen, verwalten rund 700.000 Mietwohnungen in Berlin.

„Zum Jahresende 2017 betrug der Leerstand bei unseren Mitgliedern, zu denen auch private Großvermieter wie die Deutsche Wohnen zählen, 1, 7 Prozent“, erläuterte BBU-Experte Mario Hilgenfeld. Die Leerstandsgründe hätten nichts mit Spekulation zu tun. Abfragen hätten ergeben, dass 41 Prozent der Wohnungen aufgrund von Modernisierungsmaßnahmen, weitere 31 Prozent aufgrund eines Mieterwechsels leer gestanden hätten. „Unbewohnbarkeit wegen baulicher Schäden“, etwa durch Schwammbefall oder Brandschäden, sei für zwölf Prozent der Leerstände verantwortlich.

Auch die in die Kritik geratene kommunale „Stadt und Land“, deren seit Jahren leer stehendes Haus in Neukölln am Pfingstsonntag ebenfalls besetzt worden war, verteidigte sich. „Wir haben einen Leerstand von 2,6 Prozent, das entspricht 1154 Wohnungen“, sagte Geschäftsführer Ingo Malter. Knapp ein Prozent stünden sanierungsbedingt leer. „Keine dramatischen Zahlen“, so der „Stadt und Land“-Chef.

Von tatsächlich spekulativem Leerstand konnte dagegen Eckhard Sagitza von der Wohnungsaufsicht in Friedrichshain-Kreuzberg berichten. Nach Einführung des Zweckentfremdungsgesetzes 2014 habe man 1615 Amtsverfahren eingeleitet. „135 Mal haben wir zumeist bei kleineren privaten Vermietern Wohnungen festgestellt, die tatsächlich länger leer standen als erlaubt“, sagte Sagitza. Der Nachweis sei allerdings schwierig gewesen, weil häufig Scheinmietverträge eingereicht wurden. Deren Überprüfung koste viel Zeit.

Kurswechsel der CDU bei der Modernisierungsumlage

Unterdessen hat der neue CDU-Fraktionschef Burkard Dregger einen Kurswechsel seiner Fraktion in der Mietenpolitik angekündigt. In seinem ersten Pressegespräch nach seiner Wahl sagte Dregger am Mittwoch, er habe große Sympathie, die Umlagemöglichkeit bei Modernisierungen zu begrenzen, wie das eine Bundesratsinitiative der rot-rot-grünen Koalition fordert. Der Senat möchte die Umlage von elf Prozent pro Jahr auf sechs Prozent absenken. Dregger sagte, er habe in seinem Wahlkreis gesehen, wie „die Mieten in die Höhe geschossen“ würden, wenn modernisiert würde. Er wünsche sich hier „eine Umkehr auf Bundesebene“, sagte Dregger auch an die Adresse seiner Partei.

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