Berlin-Neukölln

Neuköllns Bürgermeister sucht einen Chauffeur

Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) braucht einen Fahrer. Laut Stellenausschreibung dürfen sich auch Verkehrssünder bewerben.

Martin Hikel (SPD) ist seit März Bürgermeister von Neukölln.

Martin Hikel (SPD) ist seit März Bürgermeister von Neukölln.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Lange Wege, so erzählte Martin Hikel kurz nach seinem Amtsantritt als Bezirksbürgermeister im März, bestritt er in seiner Neuköllner Jugend mit der BVG und auf dem Fahrrad. Ein Bild aus jüngster Zeit zeigt den SPD-Mann unterwegs auf der Karl-Marx-Straße mit dem privaten Velo. Auf Dienstfahrten allerdings muss der 32-Jährige statt des Straßenverkehrs eher Akten und das Handy im Blick behalten. So ist jetzt bis zum 6. Juli die Stelle „Dienstwagenfahrer/-in für den Bezirksbürgermeister“ in Vollzeit ausgeschrieben. Dabei überrascht: Der oder die Neue auf dem Fahrersitz muss keinesfalls frei von Verkehrssünden sein.

So findet sich unter dem Punkt „Formale Voraussetzungen“ auf dem Karriereportal des Landes Berlin nicht nur die Anforderung, über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung „beim Führen von Kraftfahrzeugen oder in der Personenbeförderung“, den Führerschein Klasse B, beziehungsweise 3, sowie den Personenbeförderungsschein zu verfügen. An dritter Stelle ist dort die gewiss nicht strenge Bedingung aufgeführt: „maximaler Punktestand in Flensburg = 3“.

Das verblüfft. Denn schon wer mit nur einem Punkt in der unbeliebten Verkehrssünderkartei verzeichnet ist, hat in der Vergangenheit etwa eine Geschwindigkeitsbegrenzung deutlich überschritten, ein Parkverbot ignoriert, in dessen Bereich Rettungsfahrzeuge betroffen gewesen wären oder das Haltgebot eines Polizeibeamten unbeachtet gelassen.

Mit bis zu drei Punkten fällt man in Flensburg unter die Kategorie „vorgemerkt“. Ein Punkt mehr und es gibt die mit Gebühren verbundene Ermahnung, sein Verhalten im Straßenverkehr zügig zu ändern.

Bis auf arbeits- und tarifrechtliche Vorgaben – den Bürgermeisterchauffeur erwartet ein Grundgehalt von 2636,79 Euro – schreibt nur das Bezirksamt vor, welche Voraussetzungen er mitbringen muss. Die Anfrage bei den Rechtsexperten des ADAC Berlin-Brandenburg ergab, dass die Einschätzung der Eignung einzig Auslegungssache des Arbeitgebers ist.

Der ausgeschriebene Job klingt abwechslungsreich. Hikels Fahrer wird den Bürgermeister zu Terminen bringen, wichtige Dokumente in Bezirksamt und Senatsdienststellen abliefern, aber auch Unterhaltung und Pflege seines Autos erledigen müssen. In Aussicht stehen Fortbildung, Gleitzeitregelung und sogar Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld.

Keine Angaben finden Bewerber – auch die Anfragen der Berliner Morgenpost blieben unbeantwortet –, darüber, was für einen Wagen der Bezirksbürgermeister überhaupt benutzt. Sicher ist nur eines: Klein und wendig kann das Fahrzeug nicht sein – Martin Hikel ist 2,08 Meter groß.

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