Hohe Temperaturen

Wasserverbrauch der Berliner erreicht Rekordhöhe

Die Wasserbetriebe vermelden den höchsten Mai-Wert seit 18 Jahren. Getränkeproduzenten kommen deswegen regelrecht an ihre Grenzen.

Wenn alle Brunnen sprudeln - die Berliner verbrauchen auch wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen mehr Wasser als sonst

Wenn alle Brunnen sprudeln - die Berliner verbrauchen auch wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen mehr Wasser als sonst

Foto: Jörg Krauthöfer/ Reto Klar

Berlin. Wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen verbrauchten die Berlinerinnen und Berliner im Monat Mai so viel Trinkwasser wie seit 18 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer Auswertung der Berliner Wasserbetriebe hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Demnach flossen im Mai rund 21,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durch die Leitungen der deutschen Hauptstadt. Einen noch höheren Mai-Verbrauch hatten die Statistiker des kommunalen Unternehmens zuletzt im Jahr 2000 festgestellt. Damals lag der Verbrauch der Einwohner Berlins bei rund 22 Millionen Kubikmeter Leitungswasser.

In einem durchschnittlichen Monat verbrauchen die Berliner zwischen 17 und 18 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Werte, oberhalb der 20-Millionen-Kubikmeter-Marke, sind eine Ausnahme. Nach Angaben der Wasserwerke kommen ähnlich hohe Verbrauchswerte ansonsten nur in besonders warmen Sommermonaten vor. Laut Meteorologen war der Mai dieses Jahres in Berlin allerdings so warm wie zuletzt vor 129 Jahren. An der Wetterstation in Dahlem maßen die Meteorologen eine monatliche Durchschnittstemperatur von 17,6 Grad Celsius. Nur der Mai 1889 war mit 19,2 Grad Celsius noch wärmer, sagte die Mitarbeiterin des Deutschen Wetterdienstes, Oda Thiessen-Thom, der Berliner Morgenpost.

Mineralwasserhersteller produzieren unter Volllast

„Berliner Wasser ist auch in Wärmeperioden wie dieser bedenkenlos nutzbar – zum Gießen, Duschen und Trinken. Dafür, dass das so bleibt, sorgen wir, indem wir unseren lokalen Wasserkreislauf nachhaltig bewirtschaften“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe, Jörg Simon. Nach Unternehmensangaben verbraucht jeder Berliner pro Tag etwa 112 Liter Leitungswasser. Darin eingerechnet ist auch der Bedarf von Unternehmen und Wasser, das zum Gießen von Pflanzen und Bäumen verwendet wird. Laut Wasserbetrieben werden nur gut fünf Prozent des Pro-Kopf-Verbrauchs zum Kochen oder Trinken verwendet.

Weil die Berliner bei anhaltender Hitze aber nahezu das Dreifache trinken, steigt auch der Bedarf an Mineralwasser aus dem Supermarkt. Wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen im Mai und auch im April produzieren mehrere Mineralwasser-Hersteller bereits seit Wochen unter Volllast. Das Berliner Unternehmen Spreequell etwa freut sich zwar über ein Verkaufsplus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, warnt aber gleichzeitig davor, dass einzelne Produkte in den Märkten vergriffen sein könnten. Als Gründe nennt eine Sprecherin die warme Phase seit April, sowie Feiertage im Mai, die als Produktionsstage fehlten. Der schleppende Rücklauf von Leergut erschwere zusätzlich die Situation. Spreequell habe bereits neue Flaschen bestellt. „Unserer erhöhten Nachfrage nach Neuglas können die Glashütten kaum nachkommen“, sagte die Sprecherin. Auch andere Lieferanten meldeten längere Lieferzeiten. Die Produktion in der Abfüllanlage in der Lausitzer Heidelandschaft (Brandenburg) laufe bereits im Drei-Schicht-Betrieb.

Auch die Firma Vivaris, die in der Region Berlin-Brandenburg, die Mineralwasser-Marke Märkisch Kristall abfüllt, hat die Produktion deutlich hochgefahren: Für gewöhnlich würden im Werk Grüneberg (Brandenburg) jeden Tag rund 350.000 Flaschen abgefüllt. Derzeit seien es bis zu 550.000 Flaschen am Tag. „Wir sind an der Kapazitätsgrenze“, sagte ein Unternehmenssprecher. Mitarbeiter würden Sonderschichten einlegen, um die Nachfrage bedienen zu können.

Mineralwasser-Engpass spüren auch Gastronomen

Der Mineralwasser-Engpass ist auch bei den Gastronomen in der Stadt angekommen. Berlins größtes Hotel, das „Estrel“ in Neukölln, habe in der vergangenen Woche nur noch eine höherpreisige Wassermarke als üblich angeboten bekommen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Auch der größte Getränkelieferant in der deutschen Hauptstadt, Getränke Preuss Münchhagen, bereitet seine Kunden auf Liefer­engpässe vor. Geschäftsführer Thomas Dohnow sagte der Berliner Morgenpost: „Uns geht das Mineralwasser nicht aus, aber die Kunden müssen kompromissbereit sein.“ Das Unternehmen Getränke Preuss Münchhagen, das in Berlin gut 4000 Gastronomen beliefert, habe derzeit nicht alle Marken und alle Flaschengrößen zu jeder Zeit zur Verfügung, so Dohnow.

Die Wetterlage im Mai hatte auch Einfluss auf die Stromproduktion der Stadtwerke. Wegen der vielen Sonnenstunden hätten die Fotovoltaikanlagen gut 30 Prozent mehr Strom erzeugt als im Vorjahresmonat, sagte ein Stadtwerke-Sprecher.

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