Dahlewitz

Turbinen-Power made in Brandenburg

Rolls Royce feiert 25-jähriges Bestehen seines Standorts in Dahlewitz. Die Landesregierung verspricht den Ausbau der S-Bahn bis Rangsdorf

Dahlewitz.  Das neue Prunkstück stand etwas abseits in der Ecke der Montagehalle. Es heißt „Pearl“ – zu Deutsch: Perle – und ist die neue Flugzeugturbine von Rolls Royce. „So eine Turbine zu entwickeln kostet Milliarden, dann ist sie aber jahrzehntelang in Betrieb“, sagte Warren East, der Vorstandsvorsitzende des Turbinen-Konzerns. East war extra aus Großbritannien angereist, um am Freitag das 25-jährige Bestehen des Rolls-Royce-Standortes südlich Berlins zu feiern. Was auf einer Weide mit Schafen und Kühen begann, wie sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erinnerte, ist inzwischen zu einem der größten Industriestandorte in Brandenburg gewachsen. Rolls Royce beschäftigt in Dahlewitz 2800 Mitarbeiter, deutschlandweit sind es 3900.

Insgesamt 3,8 Milliarden Euro hat Rolls Royce in den vergangenen Jahren in Deutschland investiert. „Eine gute Entscheidung“, sagte Alastair McIntosh, der Deutschlandchef des Unternehmens, beim Jubiläumsempfang. 7000 Triebwerke sind in Dahlewitz seit 1993 montiert worden. 300 Triebwerke waren es im vorigen Jahr, darunter 30 Turbinen für den Airbus A 350.

Die Infrastruktur im Süden soll verbessert werden

In diesem Jahr sollen 70 weitere Triebwerke in Dahlewitz montiert werden, kündigte der Deutschlandchef des Unternehmens an. Die größten Abnehmer sind Airbus in Toulouse, Bombardier in Kanada und GulfStream in den USA. Ministerpräsident Woidke gratulierte Rolls Royce zum Jubiläum und brachte auch ein Geschenk mit: Die Landesregierung werde den Weg frei machen für die dringend benötigte Verlängerung der S-Bahn von Blankenfelde über Dahlewitz nach Rangsdorf. „300.000 Menschen pendeln täglich von oder nach Berlin“, sagte Woidke. „Unser Ziel ist es, eine leistungsfähige Infrastruktur im Süden Berlins bereitzustellen.“ Die Prognosen sähen eine Zunahme von weiteren 10.000 Arbeitsplätzen im Südwesten Berlins voraus. Neben Rolls Royce ist in der Region auch Mercedes Benz mit einem großen Werk vertreten, außerdem sind mehrere Logistikzentren entstanden, weitere sind in der Planung.

Die S-Bahn-Verlängerung soll deshalb unabhängig von der „Dresdner Bahn“ erfolgen, die die Deutsche Bahn als Fernbahntrasse ebenfalls im Südwesten Berlins wieder aufbauen will. Für die S-Bahn seien bereits konkrete Planungsschritte auf den Weg gebracht, sagte Woidke, wie die Zusammenführung von S- und Regionalbahn in Blankenfelde und die Flächenfreihaltung am Bahnhof Rangsdorf, um die nötigen Gleise bauen zu können. Ursprünglich wollte die Bahn die Flächen verkaufen. Wann es mit der S-Bahn-Verlängerung losgeht, ist allerdings noch unklar. „Wir haben jetzt den Startschuss gegeben“, sagte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) am Freitag. Der Ausbau der Schieneninfrastruktur dauert in der Regel mehrere Jahre.

McIntosh bedankte sich für die Ankündigung. „Das ist eine wichtige Weichenstellung und ein Signal dafür, dass Pioniere sesshaft werden, wenn sie auf fruchtbaren Boden stoßen.“ Für einen weiteren Wunsch der Rolls-Royce-Chefs konnte Woidke noch keine Zusage geben: die Zukunft der Luftfahrtausstellung ILA in Schönefeld. Woidke will sich für einen Verbleib der Luftfahrtschau auch nach der für 2020 angekündigten BER-Eröffnung einsetzen. Klarheit darüber gebe es allerdings noch nicht – zum Bedauern von Rolls Royce. „Die ILA ist eine Leitmesse für die Luftfahrtbranche“, sagte McIntosh.

Rolls Royce in Dahlewitz hat sich zu einem der wichtigsten Standorte für das weltweit operierende Unternehmen entwickelt. Es ist das einzige Werk, in dem von der Entwicklung über die Montage bis zum Testlauf und dem Service alle Produktionsstufen vorgenommen werden können. Derzeit werden in Dahlewitz Flugzeugturbinen der übernächsten Generation entwickelt. Sie sollen noch geräuscharmer sein und über eine Einzelleistung von 70.000 PS verfügen. Frühestens 2025 sollen die ersten Superturbinen das Werk verlassen.

Rolls Royce sorgt sich um die Folgen des Brexit

Dahlewitz könnte schon bald noch größere Bedeutung für Rolls Royce erhalten. Mit Sorge blicken die Firmenchefs auf den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens. „Der Brexit liegt drohend über uns“, sagte Konzernchef Warren East. „Deutschland ist unser Fluchtpunkt.“ Möglicherweise werden weitere Produktionseinheiten nach Dahlewitz verlegt, wenn zwischen Großbritannien und der EU Handelsbarrieren nach dem Austritt entstehen.

Für den Rolls-Royce-Deutschlandchef McIntosh hätte das persönlich keine Konsequenzen. Der Schotte lebt seit 1994 in Deutschland und ist seit dem vergangenen Jahr im Besitz der doppelten Staatsbürgerschaft. „Ich bin hier für die Zukunft“, sagte McIntosh.

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