Berlin

Den Weltmeistertitel im Tango vor Augen

Berliner Tanzduo hat deutsche Meisterschaft schon gewonnen. Nun winkt in Buenos Aires der ganz große Triumph

Nicht nur die Fußballnationen dieser Welt kämpfen diesen Sommer um den Weltmeistertitel. Auch in der Tanzsportart Tango steht die Frage an: Wer ist der Beste? Mit um den Titel „Campeonato Mundial de Baile de Tango“, in der Tangoszene kurz „Mundial“ genannt, kämpfen die Berlinerin Sophia Paul (27) und ihr argentinischen Tanzpartner Julio César Calderón (29).

Für die jährlich stattfindende Weltmeisterschaft im argentinischen Buenos Aires qualifiziert haben sich die beiden über den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Die fand am Wochenende in Münster statt. „Am Sonntag pünktlich um Mitternacht wurde uns mitgeteilt, dass wir gewonnen haben“, erzählt Paul. Für die 27-Jährige ist es die dritte WM-Teilnahme, für ihren Partner sogar schon die fünfte. „Es ist eine sehr schöne Chance, an der WM teilzunehmen; auch, um den persönlichen Tanzstil weiterzuentwickeln“, sagt Paul.

Anfang August wollen die beiden nach Buenos Aires fliegen. „Der Flug wird heute noch gebucht“, erzählt Paul fröhlich. Die Weltmeisterschaft findet dann zwischen dem 9. und 24. August in einer Boxarena in Buenos Aires statt.

Bewertet werden die Paare in zwei Kategorien: dem Tango de Pista, der Improvisation betont, und dem Tango Escenario, der feste Choreografien zeigt. Paul und Calderón tanzen in der Kategorie Tango de Pista. Bewertet werden hier unter anderem die musikalische Interpretation, die Eleganz im Gehen, verwendete Figuren und die sogenannte „Umarmung“, die zeigt, ob das Paar harmonisiert und authentisch ist.

In der ersten Runde, der Qualifikationsrunde, treten in dieser Kategorie gemeinsam mit Paul und Calderón noch insgesamt 600 Tanzpaare gegeneinander an. Danach winkt das Halbfinale, im Finale kämpfen dann schließlich die weltweit 40 besten Tango-de-Pista-Paare um den Weltmeistertitel.

Jeden Tag stehen nun vier Stunden Tango-Training an

Im vergangenen Jahr belegten Paul und Calderón Platz 52. „Dieses Jahr wollen wir auf alle Fälle ins Finale kommen. Und der große Wunsch wäre natürlich dann, auch zu gewinnen“, sagt Paul. Das dürfte allerdings recht schwierig werden. Immerhin gewannen bisher kaum Tänzer, die nicht aus Argentinien stammen – Ausnahmen waren ein kolumbianisches und ein japanisches Paar. Doch Paul ist zuversichtlich: „Es wird mal wieder Zeit, dass ein Paar von außerhalb gewinnt“ – wobei ja streng genommen eine Hälfte aus Argentinien kommt.

Paul kam in Charlottenburg zur Welt, wuchs in Spandau auf und lebt nun in Prenzlauer Berg. Seit zehn Jahren tanzt sie Tango. Nach dem Abitur ging sie für ein Jahr lang nach Argentinien, um Spanisch und Tanzen zu lernen. Das nützt ihr jetzt, sagt sie. Denn nur so konnte sie die Kultur des Tango Argentino richtig verstehen.

Die Zusammenarbeit mit Calderón begann im Januar 2017, seitdem pendeln sie zwischen Berlin und Buenos Aires, wo sie als Tanzlehrer arbeiten. Doch nun heißt es erst mal: üben, üben, üben. „Im Idealfall mindestens vier Stunden am Tag“, sagt Paul. Trotzdem wollen die beiden Tanzpartner den Gewinn der deutschen Tangomeisterschaft mit Freunden und Familien gebührend feiern. „Aber nicht zu wild, schließlich müssen wir ja weiter üben“, sagt Paul.