Pilotprojekt

Pakete per Lastenrad - Berlin will vorneweg fahren

Ein Projekt in Prenzlauer Berg testet, ob die Paketzustellung mit Lastenrädern funktioniert. Wilmersdorf soll folgen.

Liefern ab sofort emissionsfrei aus: Die Paketboten von DHL, Hermes, DPD, GLS und UPS (v.l.) auf ihren Lastenrädern

Liefern ab sofort emissionsfrei aus: Die Paketboten von DHL, Hermes, DPD, GLS und UPS (v.l.) auf ihren Lastenrädern

Foto: SenUVK/Ralf Rühmeier

In Prenzlauer Berg hat möglicherweise die Zukunft der Paketzustellung begonnen. Seit diesem Monat liefern die fünf größten Dienstleister Deutschlands nicht mit Motor-, sondern Pedalkraft. Statt Transportern setzen DHL und Co. Lastenräder ein. „Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express- und Paket-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern in Berlin“, kurz Komodo, lautet der Name des vom Bundesumweltministerium geförderten Pilotprojekts, das zunächst auf ein Jahr angelegt ist.

Schon zuvor wurden Pakete in der Hauptstadt hier und da mit Lastenrädern zugestellt. Neu ist, dass die Zusteller kooperieren. Alle lassen ihre Pakete in ein sogenanntes Mikro-Depot kommen, sieben große Container, die an der Wendeschleife der Straßenbahn am Mauerpark aufgestellt wurden. Von da übernehmen die Räder die „letzte Meile“, die letzten Kilometer zum Kunden, die im Umkreis des Depots wohnen.

Die Aktion ist ganz im Sinne des rot-rot-grünen Senats, dem die 2500 Fahrzeuge, die täglich mehr als 400.000 Sendungen ausliefern, ein Dorn im Auge sind. Dieseltransporter, die Radwege und Bürgersteige zuparken und die Umwelt verschmutzen, stehen ganz oben auf der schwarzen Liste. „Mit dem Lastenrad kommen die Pakete sauber, sicher, leise und klimafreundlich zu den Kunden“, sagt Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Das Projekt in Berlin könne Erfahrungswerte für andere Kommunen liefern.

Für diesen Job muss man fit sein

Zu Beginn bleibt es aber überschaubar, alle fünf Unternehmen setzen zunächst lediglich zwei bis drei Räder ein. Da sie nicht die Kapazität eines Autos haben, müssen die Paketboten immer wieder zum Depot zurück. Eine gewisse Fitness ist Voraussetzung für die tägliche Tour, bis zu 120 Pakete sollen laut DHL möglich sein – was unter dem aktuellen Durchschnitt liegen würde. Doch gerade in innerstädtischen Gebieten, so der Tenor, seien Lastenräder schneller und effizienter unterwegs als große Transporter.

Generell geben sich die Dienstleister optimistisch. Ihre Vorteile: Lastenräder können leichter Staus umfahren, sie sind wendig und dürfen auch Radwege nutzen, sie parken nicht in zweiter Reihe und verursachen dadurch Verkehrsunfälle und sind vor allem: emissionsfrei. Unter Berücksichtigung möglicher Dieselfahrverbote sind Lastenräder, die keine Abgase in die Luft blasen, auch eine strategische Entscheidung. „Vor dem Hintergrund zunehmender Verkehre und drohenden Zufahrtsbeschränkungen in manchen Innenstädten“ werde der Umweltaspekt immer wichtiger, sagt eine Sprecher von DPD. Die DHL hat sich vorgenommen, bis 2025 70 Prozent aller Transportfahrten emissionsfrei zu absolvieren.

Wenn die Kältehilfe mit dem Lastenrad kommt

Mit dem Projket „Warmgefahren“ versorgen zwei WG-Bewohner Obdachlose mit Kleidung und Wärme.
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Damit es nicht nur beim Versuch bleibt, wünschen sich die Zusteller mehr Unterstützung von Städten und Kommunen. Geeignete und bezahlbare Flächen, wo Mikro-Depots eingerichtet werden können, seien die „entscheidende Hürde“, so ein Hermes-Sprecher. Hier hat die Berliner Hafen- und Lagergesellschaft (Behala), die auch das Depot in Prenzlauer Berg betreibt, ein weiteres an der Charlottenburger Soorstraße in Aussicht gestellt. Auch wenn der Standort geeignet sei, werde es dort aber frühestens in zwei bis drei Jahren losgehen, heißt es bei der Behala. Im Bezirk ist man weiter. Man habe am Wilmersdorfer Bundesplatz einen passenden Standort, sagt der Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Das Depot soll von DB Schenker betrieben werden, nutzen können es alle Zusteller, die Interesse haben. Er hoffe, noch in diesem Jahr starten zu können, so Schruoffeneger.

Bis zu 1000 Euro Förderung bei Kauf von Lastenrad

Damit auch Privatleute aufs Lastenrad umsteigen, will der Senat beim Kauf eines herkömmlichen Modells bis zu 500 Euro, bei einem mit Elektromotor bis zu 1000 Euro zuschießen. Die dafür nötigen Mittel könnte der für Finanzen zuständige Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses bereits am morgigen Mittwoch bewilligen.

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