Prozess in Berlin

S-Bahn-Kontrolleure sollen Berlin-Touristen abgezockt haben

Zwei Fahrkartenkontrolleure sollen von drei Berlin-Touristen erhöhte Entgelte kassiert haben. Die steckten sie in die eigene Tasche.

Die beiden angeklagten Fahrkartenkontrolleure Muhammad A. (29 J.) und Serkan K. (31 J.) im Gericht

Die beiden angeklagten Fahrkartenkontrolleure Muhammad A. (29 J.) und Serkan K. (31 J.) im Gericht

Foto: Olaf Wagner

Berlin.  Wer in Berlin die Polizei ruft, der muss für deren Kommen zahlen. Und wer seine Strafe fürs Schwarzfahren nicht sofort und in bar bezahlt, dem droht bei der Ausreise unter Umständen die Festnahme. Das sind nur zwei von zahlreichen absurden Behauptungen, die orts- und sprachunkundige Berlin-Besucher aus dem Ausland öfters zu hören bekommen.

Insbesondere offenbar dann, wenn sie mit Fahrscheinkontrolleuren zu tun haben. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall von drei schottischen Touristen zum Anlass genommen, gegen zwei Fahrkartenkontrolleure der S-Bahn Anklage wegen Betruges, Untreue und Nötigung zu erheben. Am Montag standen die Angeklagten in Moabit vor Gericht.

Den 31 und 29 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, die drei Schotten im Januar 2017 im Hauptbahnhof zur Zahlung eines „erhöhten Beförderungsentgeltes“ von 120 Euro genötigt zu haben. Eine Quittung hätten die Touristen nicht bekommen, vielmehr hätten die Kontrolleure das Geld in die eigene Tasche gesteckt, heißt es in der Anklage. Der 29-Jährige bestritt die Vorwürfe, der 31-Jährige schwieg.

Die vorläufige Bilanz am Ende des ersten Prozesstages: Die Männer könnten die Taten begangen haben, absolut sicher ist das allerdings nicht, trotz Aussagen etlicher Zeugen, darunter zwei Polizisten und einer der mutmaßlichen Opfer, das eigens zum Prozess aus Glasgow angereist war.

S-Bahn zahlt "Leistungszulage"

Ungeachtet des noch ungewissen Ausgangs dieses Verfahrens förderte der erste Prozesstag interessante Details zutage. Schon seit Jahren treten sowohl die S-Bahn GmbH als auch die mit den Kontrollen beauftragte Firma immer wieder vehement Gerüchten entgegen, Kontrolleuren würden „Fangprämien“ gezahlt. Am Montag wurde durch mehrere Aussagen deutlich, es stimmt, von Fangprämien kann keine Rede sein. Dafür gibt es allerdings „Leistungszulagen“. In deren Genuss kommt ein Kontrolleur immer dann, wenn er an einem Tag mindestens 18 Schwarzfahrer erwischt.

Serie von Prozessen gegen Kontrolleure steht noch aus

Der am Montag begonnene Prozess, der am 25. Juni fortgesetzt wird, gehört zu einem ganzen Ermittlungskomplex der Staatsanwaltschaft. Ausgelöst wurde der durch immer neue Vorwürfe gegen S-Bahn-Kontrolleure. Im vergangenen Jahr waren dazu eigens Bundespolizisten in Zivil auf Bahnhöfen und in Zügen unterwegs, um Fahrscheinkontrolleure bei der Arbeit zu beobachten. Auch der Fall der drei Schotten kam so zur Anzeige. Der Ermittlungskomplexes erhielt auch einen Namen: EV (Ermittlungsverfahren) „Abzocke.

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