Feuer in Berlin

BVG-Bus brannte - Fahrer rettet Passagiere

Aus dem Oberdeck schlugen die Flammen, schwarzer Rauch hing über Spandau. Die Feuerwehr brauchte 20 Minuten, um das Feuer zu löschen.

Berlin. Es waren spektakuläre Szenen, die sich am Donnerstagmorgen auf der Straße Am Juliusturm in Spandau abspielten: Ein BVG-Doppeldecker der Linie X33 fing Feuer – Twitter-Fotos der Feuerwehr zeigen, wie die Flammen aus dem Oberdeck schlagen und dichte Rauchwolken aufsteigen. Doch der Busfahrer reagierte schnell und ließ seine zehn Fahrgäste an der Ecke Breite Straße sicher aussteigen. Verletzt wurde niemand. „Unser Kollege hat sich absolut vorbildlich verhalten“, lobte Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Für den 41 Jahre alten Quereinsteiger war es die erste Tour ohne Fahrlehrer – er hat gerade erst die Fahrschule des Unternehmens absolviert.

Der Busfahrer und ein Helfer bekämpften den Brand zunächst mit Handfeuerlöschern. Um 7 Uhr wurde die Feuerwehr gerufen, die die Flammen mit zwei Schaumrohren innerhalb von 20 Minuten unter Kontrolle bekam. Bis zum Abschluss der Nachlöscharbeiten dauerte es anderthalb Stunden. Wie die Feuerwehr mitteilte, war das Feuer im Motorraum ausgebrochen und breitete sich durch die Hitzeentwicklung bis in das Oberdeck aus. Plastiksitze und Stoffbezüge fingen schnell an zu brennen. Der Schaden: rund 300.000 Euro.

„Wenn ein Bus in Flammen steht, kann er sich auf 800 Grad erhitzen“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Fassade des Hauses neben dem brennenden Doppeldecker habe sich auf 100 Grad erhitzt. Um vorsorglich einen Brand des Hauses zu verhindern, spritzten die Einsatzkräfte die Außenwand mit Wasser ab. Warum der Bus in Brand geriet, war am Nachmittag noch unklar. Da die Untersuchungen noch laufen, kann die Polizei einen technischen Defekt und auch Brandstiftung nicht ausschließen. Laut Petra Reetz sei das Fahrzeug um 11 Uhr abgeschleppt worden und stehe nun auf einem Busbahnhof, wo es untersucht werde.

Autofahrer mussten bis zu einer Stunde mehr Fahrzeit in Kauf nehmen

Weil das Feuer auch den Asphalt beschädigte und die Fahrbahn anschließend repariert werden musste, war die Straße Am Juliusturm in Richtung Innenstadt zunächst gesperrt. Auch auf den Umfahrungsstrecken kam der Verkehr zeitweise zum Erliegen. Autofahrer mussten bis zu einer Stunde Fahrzeit mehr in Kauf nehmen. Gegen 10 Uhr war die Straße wieder befahrbar, die Staus bauten sich aber nur langsam ab. Der Busverkehr normalisierte sich ebenfalls im Lauf des Vormittags.

In den vergangenen Jahren hatten Motoren von Bussen vor allem im Sommer mehrfach Feuer gefangen. So hatte es im Jahr 2009 gleich vier Mal gebrannt: Im Dezember konnten Fahrgäste einen Linienbus in Marienfelde gerade noch rechtzeitig verlassen, bevor er in Flammen aufging. Im Mai desselben Jahres brannte ein Fahrzeug der Linie 147 auf der Wallstraße in Mitte völlig aus. Auch dort konnten alle Fahrgäste den Bus rechtzeitig verlassen. Lediglich der Fahrer erlitt einen Schock.

"In 98 Prozent der Fälle haben wir es mit Motorbränden zu tun"

Betroffen waren damals Busse vom Typ Mercedes-Benz Citaro EN sowie Gelenkbusse von Solaris. Bei Doppeldeckern setzt die BVG aktuell mit zwei Ausnahmen Busse von MAN ein. Zuletzt hatte im Juni 2017 ein BVG-Bus in Neukölln während der Fahrt im Motorraum Feuer gefangen. Und im Februar dieses Jahres musste die Feuerwehr in Neukölln zu einem Busbrand auf einem BVG-Betriebshof ausrücken. Laut Polizei lag bei beiden Fahrzeugen ein technischer Defekt vor. „In 98 Prozent der Fälle haben wir es mit Motorbränden zu tun“, so BVG-Sprecherin Reetz.

Nach der Brandserie im Jahr 2009 hatte die BVG alle Busse mit Brandmeldeanlagen ausgestattet. Dazu wurden Wärmesensoren im Motorraum montiert, die den Fahrer mit einem Signal auf dem Display vor außergewöhnlicher Hitzeentwicklung warnen sollen. Dadurch habe auch der Fahrer des Doppeldeckers das Feuer am Donnerstag bemerkt. Wie alle Busse der BVG sei dieser mit einer Feuerlöschanlage im Motorbereich ausgestattet gewesen. Warum sie den Brand nicht verhindern konnte, ist unklar. „Für Fahrgäste ist das Risiko aber nach wie vor sehr gering“, versicherte Reetz.

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