Straßenbahnausbau

So schlecht läuft es bei Berlins neuen Tram-Projekten

Rot-Rot-Grün hat die Legislaturperiode der Straßenbahn ausgerufen. Doch bis 2021 werden wohl nur 6,4 Kilometer Gleis gebaut.

Bis die Tram über die Invalidenstrasse am Hauptbahnhof zur Turmstraße fährt, wird es noch länger dauern (Archiv)

Bis die Tram über die Invalidenstrasse am Hauptbahnhof zur Turmstraße fährt, wird es noch länger dauern (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Berlin. Derzeit gibt es eine wahre Konjunktur an Expansionsplänen für die „Elektrische“, wie die Berliner die Straßenbahn einst nannten. Um fast 300 Kilometer soll das Tram-Netz bis 2050 wachsen. Doch ein Großteil der ehrgeizigen Pläne dürfte auf absehbare Zeit kaum eine Chance haben. Was nicht allein an der weitverbreiteten Skepsis gegenüber der Tram, sondern vor allem im Berliner Arbeitstempo begründet sein dürfte.

So wird es dem rot-rot-grünen Senat in der von ihr ausgerufenen „Legislaturperiode der Straßenbahn“ wohl nicht einmal gelingen, wenigstens die vier Projekte in die Tat umzusetzen, die noch von ihren rot-schwarzen Vorgängern beschlossen wurden. Im günstigsten Fall wird das Tram-Netz bis 2021 um gerade einmal 6,4 Kilometer wachsen. So ist der Stand:

Tram-Verlängerung vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße

Schon vor rund zehn Jahren hatte sich der Senat dazu entschieden, nicht nur den Hauptbahnhof an das Straßenbahnnetz anzuschließen, sondern die Strecke weiterzuführen bis zum U-Bahnhof Turmstraße. Der zuvor überlegte Bau einer U-Bahnstrecke wurde dafür verworfen. Zunächst gab es eine lange Debatte darüber, wo die Tram am besten entlangfahren sollte.

Zwei Varianten standen zur Diskussion: 2017 fiel schließlich die Entscheidung für die Trasse über die Rathenower Straße und Turmstraße vorbei am Kriminalgericht Moabit. Die Investitionskosten für die gerade mal 2,1 Kilometer lange Strecke werden mit 20 Millionen Euro angegeben. Prognostiziert werden 10.000 zusätzliche Fahrgäste pro Tag. Im Dezember lagen die Planfeststellungsunterlagen für das Projekt aus. Derzeit werden die Einwände und Stellungnahmen ausgewertet.

Erforderlich sind zudem noch ein Schallgutachten und ein landschaftspflegerischer Begleitplan. Einen Planfeststellungsbeschluss erwartet die BVG, die das Projekt im Auftrag des Senats plant und realisieren soll, nicht vor Mitte 2019. Klag niemand gegen die Baugenehmigung, könnten die Gleisbauarbeiten 2020 beginnen und die Strecke 2021 in Betrieb gehen.

Anbindung Ostkreuz

Mindestens genauso lange wird in der Stadt über eine Tram-Anbindung des Ostkreuzes debattiert. Der Bahnhof ist in den vergangenen zehn Jahren von der Deutschen Bahn komplett erneuert worden. Inzwischen halten dort Züge von acht S-Bahn- und sieben Regionalbahnlinien sowie mit dem Flixtrain auch ein Fernzug. Die Straßenbahn könnte eine wichtige Zubringerfunktion übernehmen, da sind sich alle Experten einig.

Der Senat plant dazu eine 1,8 Kilometer lange Trasse zwischen Wühlischplatz und Marktstraße. Doch gegen die Streckenführung durch die schmale Sonntagstraße formiert sich der Widerstand. Nach Auslegung der Planunterlagen Anfang des Jahres sollen mehr als 800 Widersprüche gegen das Vorhaben eingegangen sein.

Derzeit würden Einwände von der BVG bearbeitet, sagte Matthias Tang, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Als beinahe sicher gilt, dass die für 2019 angestrebte Baugenehmigung beklagt wird, ein Baustart noch 2020 erscheint damit unwahrscheinlich. Die Kosten werden derzeit auf 26,6 Millionen Euro geschätzt.

Adlershof II

Bereits relativ weit gediehen schienen lange die Vorarbeiten für die geplante Verlängerung der Tram vom S-Bahnhof Schöneweide zur Karl-Ziegler-Straße. Mit der Trasse soll das Entwicklungsgebiet Johannisthal mit dem Technologiepark Adlershof besser erschlossen werden.

Doch nach neuen Umweltvorgaben mussten die Pläne noch einmal überarbeitet werden. Das Planfeststellungsverfahren werde „in den nächsten Tagen“ gestartet, sagte Matthias Tang. Eine Inbetriebnahme der 2,5 Kilometer langen und knapp 26 Millionen Euro teuren Verbindung wird für 2020/2021 angestrebt. Heißt im Klartext: Sicher ist das nicht.

Verkehrslösung Mahlsdorf

Schon seit DDR-Zeiten wird über einen zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn in Mahlsdorf und die Verlegung der Endstation an den S-Bahnhof Mahlsdorf diskutiert. Doch über die genaue Trassenführung können sich Senat und Bezirk bislang nicht einigen. Derzeit würden durch die Senatsverwaltung und die BVG weitere Planungsschritte vorbereitet, so Tang. Eine Realisierung der 1,7 Kilometer langen Strecke bis 2021 gilt als wenig realistisch.

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