Sport im Grünen

Wo man in Berliner Parks trainieren kann

„Stark im Park“: In 15 Grünanlagen der Stadt kann kostenlos und ohne Voranmeldung trainiert werden.

Hajo Schumacher (vorn) und Aleksander Dzembritzki

Hajo Schumacher (vorn) und Aleksander Dzembritzki

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Bevor es zum Liegestütz und an die Geräte geht, dürfen alle erst einmal tief durchatmen. Die Luft ist noch frisch am Morgen. Krafttraining steht auf dem Programm im Kreuzberger Böcklerpark. Trainer Robin Spätling hat die Gruppe um sich im Kreis versammelt und gibt Anweisungen zum Dehnen und Lockern. Natürlich darf der Hampelmann beim Aufwärmen nicht fehlen. Um eine exakte Ausführung bemühen sich auch Morgenpost-Autor Hajo Schumacher, Sportbegeisterten als Achim Achilles bekannt und Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki. In blauen T-Shirts stehen beide mit im Kreis, ihre offizielle Aufgabe noch vor sich. Sie haben am Freitag den Startschuss für das Sportprogramm „Stark im Park“ gegeben. Hajo Schumacher hat den Staffelstab von dem Staatssekretär übernommen und wird jetzt eine Woche die Angebote testen. Dann gibt er den Staffelstab weiter.

„Stark im Park“ ist ein Programm der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. „Wir wollen Menschen in Bewegung bringen, die sonst nicht so oft im Sport vertreten sind“, sagt Projektleiter Bernd Holm vor dem Training. Die Bindung an einen Verein sei oft eine Hemmschwelle, deshalb solle es jetzt Sportangebote vor der Haustür geben. Kostenlos und ohne Anmeldung. In 15 Berliner Grünanlagen kann ab sofort an allen fünf Wochentagen unter professioneller Anleitung trainiert werden. Work-out, Laufen, Kraftsport, Zirkeltraining oder Yoga – 20 verschiedene Sportarten werden angeboten. Jeder kann auf seinem Niveau mitmachen. Das tägliche Programm ist unter www.starkimpark.berlin zu finden. Eine Liste der Parks fehlt allerdings noch.

Die Kurse geben Vereinstrainer mit Lizenz

Nicht einmal Sportkleidung ist unbedingt notwendig. „Ein bequemes T-Shirt reicht völlig aus“, sagt Bernd Holm. Aus Stuttgart, wo das Sportprogramm bereits seit einiger Zeit läuft, hat er erste Erfahrungen mitgebracht. 100.000 Euro kamen von der Senatssportverwaltung und 50.000 Euro von der Gesundheitsverwaltung, um das Programm aufzubauen. Die Kurse werden von lizenzierten Trainern gegeben, die die Gelegenheit nutzen können, um für ihren Verein zu werben. „Wir wollen nicht den Vereinssport ersetzen, sondern eine Brücke bauen“, sagt Holm.

Von Robin Spätling ist zu erfahren, dass er zum Verein „Stadtbewegung“ gehört, der zugleich der Projektträger ist. Nach dem Aufwärmen erklärt der Trainer die einzelnen Stationen an den Geräten des „Open Playground“ im Böcklerpark. Jetzt sind auch die Liegestützen dran. Kein Thema für Hajo Schumacher, der beim Armstrecken auch noch mal locker in die Hände klatscht. Die Aktion sei ihm eine „Herzensangelegenheit“, sagt der Journalist. Da habe sich jemand richtig Gedanken gemacht. „Wir kennen alle die Probleme“, so Schumacher. Rückenschmerzen, dicke Kinder und jetzt auch noch die Fußball-WM. „Bier ist gut, aber erst nach dem Sport.“ Das Thema Bewegungsarmut betreffe viele, vor allem, diejenigen die den ganzen Tag im Büro sitzen. Wichtig sei, dass kein Leistungsdruck herrsche. Jeder mache mit so gut er kann. Mehr Integration gehe nicht. Abgesehen vom sportlichen Aspekt sieht Hajo Schumacher auch einen sozialen. „Stark im Park“ bringe die Stadt zusammen, auch junge Menschen, die in dieser Zeit keinen Unsinn machen könnten.

„Im Freien, frische Luft und kleine Gruppen

Das findet auch Rolle, wie sie hier alle nur nennen, die vom Nachtdienst in einem Pflegeheim kommt. Die 41-Jährige wohnt in Neukölln, aber Kreuzberg ist ihr altes Revier. „Im Freien, frische Luft und kleine Gruppen“, zählt sie die Vorteile des Sportangebotes auf. „Und es ist total schön, dass sich hier alle aus der Nachbarschaft treffen“, sagt die sportliche Frau. Oft kämen auch Kinder spontan zum Training dazu und lernten sich dadurch kennen.

Vor etwa einem Jahr war bereits das Pilotprojekt „Sport im Park“ in Reinickendorf gestartet. „Es ist wunderbar gelaufen“, sagt Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki. Wichtig sei es, die Sportmuffel in Bewegung zu bekommen. Und vielleicht überlegt es sich der eine oder andere doch noch, in einen Verein einzutreten.

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