Berliner Bäderbetriebe

Berliner Bäderbetriebe stehen auf dem Prüfstand

Weniger Besucher trotz höherer Subventionen: Berlins Politiker sind unzufrieden und wollen ein neues Management.

Die Schwimmhalle Hüttenweg

Die Schwimmhalle Hüttenweg

Foto: Berliner Bäder-Betriebe

Berlin.  Mit dem Beginn der Badesaison schwindet in der Koalition die Geduld mit den Berliner Bäderbetrieben (BBB). Der städtische Schwimmbadbetreiber gilt neben der durch den BER-Neubau belasteten Flughafengesellschaft als das Sorgenkind unter den landeseigenen Unternehmen. Nun wird ernsthaft erwogen, die Bäder mit einem neuen Management zu versehen und an die Berliner Wasserbetriebe (BWB) anzuhängen.

Denn trotz deutlich erhöhter Zuschüsse des Landes kam zuletzt weniger Leistung für die Berliner heraus. Klagen von Badegästen über kurzfristig geschlossene Hallen gehören zum Alltag. Auch die neue App hat nach Ansicht von Vielschwimmern die Informationslage über kurzfristige Schließungen kaum verbessert. Die angebotenen Wasserzeiten konnten in den vergangenen Jahren nicht verlängert werden. Die Zahl der Besucher jenseits von Schwimmvereinen oder Schulklassen ist weiter gesunken.

Das belegen interne Zahlen, die die Berliner Morgenpost einsehen konnte. Demnach kamen im Jahr 2017 mit 3,81 Millionen Badegästen abermals weniger Besucher als 2016 – und sogar fast eine halbe Million weniger als im Jahr davor. Die angebotenen Wasserstunden stagnierten insgesamt. Von Anfang an waren aus dem Badebetrieb 2017 weniger Umsätze eingeplant als im Vorjahr. Und in die maroden Bäder investierten die BBB mit 13,7 Millionen Euro auch weniger als 2016.

Expliziter Auftrag des Parlaments für mehr Schwimmmeister

Mehr Personal als in den Vorjahren gab es zuletzt nicht. Im Winter 2017 waren im Badebetrieb 598 Beschäftigte tätig, ebenso viele wie in der Vorsaison. Dabei hatten die Bäderbetriebe explizit den Auftrag des Parlaments, weitere Schwimmmeister einzustellen. Dafür hatten sie auch extra Geld bekommen. Trotz eines seit Jahren laufenden Sonderprogramms zur Bädersanierung sind einzelne Hallen wie die an der Holzmarktstraße in Friedrichshain dermaßen kaputt, dass sie womöglich geschlossen und abgerissen werden müssen.

Diese Fakten sorgen bei Abgeordneten für Ratlosigkeit – haben sie den Bädern doch schon erheblich mehr Geld bewilligt. 2017 waren es 55 Millionen Euro, 2018 dann mehr als 57 Millionen. Aber die Unzufriedenheit vieler Nutzer ist geblieben. „Da muss etwas passieren“, sagte der frühere Wirtschaftssenator Harald Wolf, der für die Linkspartei die Betriebe des Landes überwacht: „Es kann so nicht weitergehen.“ So kam es, dass Teile der SPD und der Linken eine Strukturreform und in dem Zuge eine Angliederung der Bäderbetriebe an die Wasserbetriebe ins Gespräch brachten. Solange es keine Quersubventionierung des Wasserversorgers an die defizitären Bäder gebe, so Wolf, sei es denkbar, die „Managementleistung vonseiten der Wasserbetriebe“ zu verbessern. Ähnliche Überlegungen verfolgen nach Informationen der Berliner Morgenpost auch die zuständigen Senatoren An­dreas Geisel (SPD, Sport) und Matthias Kollatz-Ahnen (SPD, Finanzen).

Portfolio zuletzt schon um das Stadtwerk erweitert

Die Wasserbetriebe hatten ihr Portfolio zuletzt schon um das Stadtwerk erweitert und prüfen bereits, ihre Zusammenarbeit mit den Bädern auszubauen. Dabei könnte es um Energieeffizienz gehen, um den technischen Teil der Ausbildung, die Wasseraufbereitung, den Baubereich und die Mitnutzung des BWB-Rechenzentrums.

Der SPD-Fraktionsvize Jörg Stroed­ter sagte, die Bäderbetriebe bräuchten „eine Lösung, um das Angebot attraktiver zu machen und den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen“. Die Sozialdemokraten halten es für nicht vermittelbar, warum es trotz mehr Geld ein schlechteres Angebot gebe. Auch die Grünen-Abgeordnete Anja Schillhaneck ist sauer auf die Bäderbetriebe: „Ich habe da kein Verständnis mehr.“ Die Lage habe sich trotz wiederholter Diskussionen „nicht gebessert“. Sie hofft nun, dass mit der neuen Tarifstruktur zumindest wieder mehr Badegäste kommen. Ehe man über ein Andocken an die Wasserbetriebe nachdenke, bräuchten die Bäder erst einmal ein Zukunftskonzept, so Schillhaneck.

Im Februar haben die Bäderbetriebe ein neues, einfacheres Tarifmodell eingeführt und dabei die Preise für wichtige Zielgruppen leicht gesenkt. Wie sich die Besucherzahlen seither entwickelt haben, wollen die Bäderbetriebe nächste Woche dem Abgeordnetenhaus berichten. Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann und seine Finanz-Geschäftsführerin Annette Siering sind am 6. Juni in den vertraulich tagenden Beteiligungsausschuss und am 20. in den Hauptausschuss des Landesparlaments bestellt.

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