Prozess in Berlin

Pakete gestohlen und geplündert – Bewährung für DHL-Fahrer

Der Zusteller hatte in Grunewald Pakete gestohlen und vor allem Elektro-Artikel erbeutet. Es entstand ein Schaden von rund 30.000 Euro.

Ein Zusteller soll Pakete nicht ausgeliefert und sie dann geplündert haben (Symbolbild)

Ein Zusteller soll Pakete nicht ausgeliefert und sie dann geplündert haben (Symbolbild)

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Berlin. Monatelang wurde beim Logistikkonzern DHL gerätselt, warum in einem bestimmten Zustellbezirk im Berliner Stadtteil Grunewald ständig Pakete verschwanden. Jetzt, drei Jahre nach den Vorfällen, konnte das Rätsel endgültig gelöst werden. Auslieferungsfahrer Ömer H. war es, der zwischen Dezember 2014 und Juni 2015 insgesamt 36 Pakete verschwinden ließ und den Inhalt für sich verwendete. Am Donnerstag verurteilte ihn ein Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten, nach dem der 33-Jährige zuvor ein – wenn auch holpriges – Geständnis abgelegt hatte.

Es waren vor allem Pakete mit hochwertigem Inhalt, die H. aus dem Verkehr zog. Handys und Laptops der höchsten Preisklasse gehörten ebenso dazu wie hochwertige Markenkleidung von „Hugo Boss“ oder „Adidas“. Aber auch eine elektrische Zahnbürste und weiße Torwarthandschuhe verschmähte der diebische DHL-Mitarbeiter nicht. Als erfahrener Auslieferungsfahrer konnte er bereits am Absender erkennen, ob sich in den Paketen lohnende Beute befand.

Am Anfang des Prozesses stand das Angebot des Vorsitzenden Richters an H., bei einem „umfassenden Geständnis“ komme der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe davon. Daraufhin räumte der 33-Jährige die Taten ein. Als Grund nannte er finanzielle Schwierigkeiten. Die hat er jetzt erst recht. Der Schaden durch seine Diebstähle beläuft sich auf exakt 29.410,01 Euro. Und die Geschädigten wollen ihr Geld zurück.

Erschreckend nannte der Vorsitzende die Schilderungen von H., meinte damit aber weniger die Tat als die Leichtigkeit, mit der sich zumindest noch vor drei Jahren die Sicherheitssysteme bei DHL austricksen ließen. So reichte es beispielsweise, dass ein Auslieferungsfahrer vor Beginn seiner Tour einfach „vergaß“, ein Paket wie vorgeschrieben einzuscannen, schon konnte er es verschwinden lassen. Die Sendung galt dann bei DHL als unauffindbar.

Einen Verdacht gegen H. habe es in dem Unternehmen schon früh gegeben, sagte ein Mitarbeiterin als Zeugin: „Wir wollten ihn auch mal etwas genauer kontrollieren, aber das hat irgendwie nicht geklappt.“ hhn

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