Betreuungsplatzsuche

In Berlin tobt ein Verteilungskampf um Tagesmütter

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Jörn Meyn
Kinder in einer Kita

Kinder in einer Kita

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Über ein Jahr lang suchte unser Redakteur einen Betreuungsplatz für seine Tochter - Und erlebte zum Teil absurde Rückschläge.

Berlin. Irgendwann auf dieser Suche nach einem Kitaplatz für meine Tochter in Berlin wollte ich etwas kaputt machen. Oder irgendjemanden anschreien. Aber diese junge, blonde Frau?

Seit einem Jahr hatten wir gesucht. In Prenzlauer Berg zudem, was in etwa so aussichtsreich ist wie eine Wette auf die Meisterschaft des Hamburger SV. „Bei uns in diesem Jahr nur Geschwisterkinder“, hieß es hier. „Oh, oh, da mache ich Ihnen aber keine Hoffnung, Herr Meyn“, lautete die Antwort dort. Meine Frau und ich verabredeten sogar, dass nur noch ich bei den vornehmlich weiblichen Kitaleitern anrufen sollte. Bisschen männlichen Charme spielen lassen und so. Entweder habe ich keinen, oder das zog auch nicht.

Der blonde Engel, war doch keiner

Irgendwann küsste uns das Glück. Dachten wir. Wir trafen diesen blonden Engel im Volkspark Friedrichshain. Eine junge Frau, vier Kinder im Bollerwagen zog sie hinter sich her. Sie sagte, sie sei Tagesmutter. Sie könne noch ein Kind aufnehmen. „Ab August?“ „Klar.“ „Ein Mädchen?“ „Genau das suche ich noch.“ „Wunderbar“, sagte meine Frau. Wir wollten uns vor Freude betrinken.

Drei Tage später rief der Engel zurück. „Ich muss euch leider absagen“, sagte sie. Die Sache wurde jetzt kompliziert. Da sie am Volkspark Friedrichshain – genau an der Grenze zu Prenzlauer Berg – ihre Wohnung hatte und dort die Kinder betreute, verbot ihr das Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg, unsere Tochter aufzunehmen. Wir nämlich wohnen ja in Prenzlauer Berg – wenn auch direkt an der Grenze zu Friedrichshain. Der Engel entschuldigte sich mehrfach. „Aber ich bekomme sonst eine Strafe, und das kann ich mir nicht leisten“, sagte sie.

Kampf der Berliner Jugendämter untereinander

Es gab also eine Art Kampf der Jugendämter untereinander. Weil die Eltern aus Prenzlauer Berg keine Betreuungsmöglichkeiten mehr bei sich im Kiez fanden, zogen sie oft weiter in den Nachbarkiez. Ein reiner Tagesmütter-Verteilungskampf.

Wir haben dann später doch noch einen Kitaplatz für unsere Tochter gefunden. Sogar in Prenzlauer Berg und ohne dass irgendetwas kaputtging oder irgendwer angeschrien wurde. Unsere Kitaleiterin ist übrigens weiblich.

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