Kongresszentrum

Estrel-Eigentümer genervt: ICC-Sanierung ohne Streletzki

Der Eigentümer des Hotels Estrel hat das Interesse verloren, weil der Senat nicht reagierte. Rot-Rot-Grün ist sich uneins.

„Estrel“-Hotelier Ekkehard Streletzki steht für die Sanierung des ICC nicht mehr zur Verfügung (Archiv)

„Estrel“-Hotelier Ekkehard Streletzki steht für die Sanierung des ICC nicht mehr zur Verfügung (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Naupold / picture alliance / dpa

Berlin. Wie weiter mit dem ICC? Die Zukunft des leer stehenden Kongresszentrums am Funkturm ist eines der großen ungelösten Probleme des Senats. Eine zen­trale Frage dabei ist, ob das Land Berlin die Sanierung des Gebäudes und den künftigen Betrieb gemeinsam mit einem privaten Partner managt. Wie sich Rot-Rot-Grün auch entscheidet, ein bekannter potenzieller Investor und ausgewiesener Fachmann steht nicht mehr zur Verfügung: Ekkehard Streletzki, Eigentümer des Hotels „Estrel“ in Neukölln.

Der Senat habe ihn in der Vergangenheit wegen des ICC angesprochen, sagte Streletzki in einem Interview mit dem RBB. Dann aber habe er lange Zeit gar nichts mehr von der Politik gehört – und nun sein Interesse verloren. „Das ist für uns nicht mehr so interessant. Da muss sich die Messegesellschaft drum kümmern“, so Streletzki. Er wolle sich auf den Bau des 175 Meter hohen „Estrel-Towers“ konzentrieren, der das Hotel ergänzen soll. Dort ist auch ein zweites Kongresszentrum vorgesehen.

2016 Gespräch in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Der Hotelier hält sich zurzeit in den USA auf und war am Mittwoch nicht zu erreichen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte aber Informationen der Berliner Morgenpost, wonach es 2016, noch zu Zeiten der rot-schwarzen Regierung, ein Gespräch wegen des ICC mit Streletzki gegeben habe. Daran hätten der damalige Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher teilgenommen. Zu Inhalten des Gesprächs wurde nichts mitgeteilt.

Nach Morgenpost-Informationen wurden damals mehrere private Investoren angehört. Sie konnten darlegen, welche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen am ICC sie für notwendig und sinnvoll halten würden und ob sie Interesse hätten, sich an der künftigen Nutzung des markanten Baus zu beteiligen. Nach dem Regierungswechsel habe Streletzki auch mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) gesprochen, hieß es am Mittwoch aus Senatskreisen. Da habe er aber bereits mitgeteilt, sich wegen anderer Projekte nicht am ICC engagieren zu wollen.

Interessenbekundungsverfahren soll im Sommer starten

Die Wirtschaftsverwaltung betont indes, dass es noch keine formellen Gespräche mit Investoren zum Kongresszentrum gegeben habe. Ein Interessenbekundungsverfahren soll im Sommer starten, die dafür im Haushalt vorgesehenen fünf Millionen Euro müssen aber noch vom Abgeordnetenhaus freigegeben werden.

Das Gebäude soll wieder Messe- und Kongressstandort werden, voraussichtlich um ein Hotel erweitert. 2019 soll die Schadstoffsanierung und Erneuerung der Technik beginnen, dafür stehen 200 Millionen Euro bereit. Für eine Rundumsanierung wird dies nicht ausreichen. „Das Parlament muss entscheiden, ob Berlin die gesamten Kosten einer ICC-Sanierung allein tragen möchte oder verlässliche Partner mit ins Boot holt“, sagte Pop der Berliner Morgenpost. Sie fordert eine zügige Entscheidung der Koalition und kann sich private Partner vorstellen. Die Linke ist dagegen, die SPD gespalten.

Opposition kritisiert den Senat

Die Opposition nahm Streletzkis Reaktion zum Anlass, den Senat zum Handeln aufzufordern. „Die Absage von Estrel-Chef Ekkehard Streletzki zeigt noch einmal deutlich, dass die Suche nach einem privaten Investor für das ICC unter den gegebenen Voraussetzungen alles andere als ein Selbstläufer ist. Umso wichtiger ist es, dass der Senat endlich die nötigen Voraussetzungen schafft, unter denen ein privater Investor ein vertretbares Risiko eingehen kann“, sagte Florian Swyter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Dabei solle auch der Verkauf des ICC in Erwägung gezogen werden.

Nach der Absage Streletzkis werde deutlich, dass es einer Gesamtstrategie für das Messegelände und die Zukunft des ICC bedürfe, erklärte Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Der zugesagte Masterplan zur Entwicklung des Areals komme keinen Millimeter voran, kritisierte er. „Wir erwarten, dass Wirtschaftssenatorin Pop ihr Versprechen einlöst. Nach fast anderthalb Jahren im Amt können wir von Frau Pop erwarten, dass sie uns sagt, welche Ideen sie für das Gelände hat. Danach muss mit der Sanierung des ICC begonnen werden“, sagte Gräff.

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