Gesundheitsversorgung

Streik bei Vivantes: Operationen müssen verschoben werden

Der bisher längste Ausstand bei dem landeseigenen Gesundheitsversorger trifft nun die Patienten.

Auch das Klinikum Am Urban in Kreuzberg wird vom Krankenhausbetreiber Vivantes betrieben

Auch das Klinikum Am Urban in Kreuzberg wird vom Krankenhausbetreiber Vivantes betrieben

Foto: Picture Alliance

Der aktuelle Streik bei der Vivantes Service GmbH geht in die sechste Woche, und noch immer scheinen die Fronten verhärtet. Es ist der bisher längste Ausstand bei dem landeseigenen Gesundheitsversorger. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder zum Streik aufgerufen, um für rund 340 Beschäftigte der Service-Tochtergesellschaft bessere Löhne durchzusetzen.

Verdi fordert schon seit zwei Jahren eine Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) und damit an die Löhne der 600 Mitarbeiter, die ähnliche Tätigkeiten ausüben, aber direkt bei der Vivantes-Mutter angestellt sind. Die Lohnunterschiede zwischen beiden Gesellschaften würden bis zu 800 Euro pro Monat betragen, sagt die Gewerkschaft und gibt als Verhandlungsziel TVöD minus zehn Prozent vor. Vivantes hat ein Angebot vorgelegt, nennt aber während der laufenden Tarifauseinandersetzung keine Inhalte. Verdi betrachtet es als unzureichend. Die Service GmbH umfasst Einkauf und Logistik, Facility Management und Bau, Patientenbegleitservice, Textilversorgung sowie Zentrale Sterilisation.

Verschobene Prostatakrebs-Operation

Insbesondere der Streik in der Sterilgutaufbereitung führt zu Problemen im Klinikbetrieb, weil planbare Operationen verschoben werden müssen. „Vivantes setzt alles daran, die Auswirkungen des Streiks auf Patienten so gering wie möglich zu halten. Die Notfallversorgung ist durch den Abschluss einer Notdienstvereinbarung gesichert“, sagte Unternehmenssprecherin Kristina Tschenett der Morgenpost. Geplante Operationen würden zum Teil verschoben, um die Arbeitsbelastung in der Zentralsterilisation zu reduzieren.

Betroffen seien nicht nur Operationen mit dem Robotersystem DaVinci, die aktuell nur in begrenzter Anzahl durchgeführt werden könnten, sondern auch andere geplante Eingriffe. Die Aufbereitung der DaVinci-Geräte erfordere spezielle technische Gegebenheiten und geschultes Personal, so Tschenett. Eine externe Aufbereitung sei derzeit nicht möglich.

Wie viele planbare OPs bereits verschoben werden mussten, teilt Vivantes nicht mit. Zu den Betroffenen gehört Uwe Geißler. Bei dem 66-Jährigen wurde Ende Januar ein aggressiver Prostatakrebs diagnostiziert. Er suchte sich zur Behandlung das Vivantes-Humboldt-Klinikum in Reinickendorf aus, sollte am 3. Mai operiert werden. Am 1. Mai habe ihn Chefarzt Christian Klopf angerufen und mitgeteilt, die OP könne wegen des Streiks in der Sterilgutbehandlung nicht stattfinden, sagte Geißler. Nun ist sie für den 28. Mai angesetzt. Geißler hofft, dass es bei dem Termin bleibt. Er kritisierte die Gewerkschaft. „Solch ein Bereich dürfte nicht bestreikt werden.“

Indes wirft Verdi dem Unternehmen Versuche vor, die Notdienstvereinbarung zu unterlaufen und die Auswirkungen des Streiks herunterzuspielen. Am Freitag wurde der Ausstand für einen Tag ausgeweitet, auch Pflegekräfte haben sich laut Verdi daran beteiligt.