Körperverletzungsverfahren

Freispruch und Geldbuße für S-Bahnkontrolleure

Zwei S-Bahn-Kontrolleure sollen Fahrgäste verletzt haben. Trotz umfangreicher Ermittlungen fallen die Urteile milde aus.

Trotz umfangreicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft fallen die Urteile gegen zwei S-Bahn-Kontrolleure milde aus (Archiv)

Trotz umfangreicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft fallen die Urteile gegen zwei S-Bahn-Kontrolleure milde aus (Archiv)

Foto: Volker Hartmann / dpa

Berlin. Vor dem Amtsgericht Tiergarten fand am Donnerstag der erste einer ganzen Reihe von Prozessen gegen Fahrscheinkontrolleure der S-Bahn GmbH statt. Körperverletzung und Freiheitsberaubung zum Nachteil von Fahrgästen wurde den beiden 27 und 29 Jahre alten Angeklagten vorgeworfen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat in den vergangenen Monaten umfassende Ermittlungen zu Fällen dieser Art angestellt und will in den nächsten Wochen noch mindestens zehn weitere Kontrolleure auf die Anklagebank bringen.

Doch wenn auch die weiteren Verfahren so oder so ähnlich enden wie das gestrige, dann droht der Anklagebehörde trotz großem Aufwand ein eher bescheidenes Ergebnis. Die Verhandlung am Donnerstag war nach eineinhalb Stunden beendet. Der 27-jährige Angeklagte wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen, das Verfahren gegen seinen 29-jährigen Mitangeklagten gegen Zahlung einer geringen Geldbuße eingestellt. Die Richterin hätte zur Klärung der offen gebliebenen Fragen noch die Möglichkeit gehabt, einen weiteren Geschädigten als Zeugen nachzuladen. Doch der Mann wohnt in Australien, auf seine Anreise auf Staatskosten wurde daher verzichtet.

"Die Polizei rufen kostet in Deutschland 500 Euro"

Dabei hatte das Gericht zwei Zeugen, einen Mann und eine Frau geladen, die sachlich, unaufgeregt und durchaus glaubwürdig ihre Erlebnisse mit der Berliner S-Bahn schilderten. Ein sonderbare Kontrolle muss es ihren Aussagen nach gewesen sein, in die die Zeugen und ihre drei ausländischen Besucher im September 2016 zwischen den Bahnhöfen Friedrichstraße und Hackescher Markt gerieten. Die Rede war von Kontrolleuren, die in Mannschaftsstärke auftragen, von Tritten und Geschubse. Dass zumindest die am Donnerstag gehörten Zeugen gültige Fahrscheine vorweisen konnten, schien keinen der Kontrolleure zu interessieren.

Auf die Aufforderung eines Geschädigten, die Polizei hinzuzuziehen, sei ihm gesagt worden: "Das kostet in Deutschland 500 Euro". Zudem soll ihnen erklärt worden sein, das erhöhte Fahrgeld von 60 Euro sei sofort und in bar zu zahlen, wer kein Geld dabei habe, müsse eben mit einem Kontrolleur zum nächsten Automaten gehen. So präzise und sicher die Aussagen der Zeugen auch kamen, in einigen Details gab es Widersprüche, nicht verwunderlich nach so langer Zeit.. Aber so blieben für das Gericht letzte Zweifel an der Schuld der Angeklagten.

In den weiteren noch ausstehenden Prozessen geht es ebenfalls um gewalttätige Übergriffe, Beleidigung und um Betrug. Kontrolleure sollen in mehreren Fällen das kassierte erhöhte Fahrgeld für sich behalten haben. Für die Angeklagten von Donnerstag ist das Thema Kontrolleur inzwischen erledigt, sie haben umgeschult, auf Taxifahrer. Auch zwei im Prozess gehörte Entlastungszeugen arbeiten ebenfalls nicht mehr bei der S-Bahn. Sie sind jetzt bei der BVG.

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