Gesundheit

Müller will Berlin zu medizinischem Top-Standort machen

Die Spitzenforschung in Berlin soll ausgebaut werden. Dafür beruft Michael Müller eine Expertenkommission für Gesundheit.

Berlin soll bis 2030 zum medizinischen Top-Standort entwickelt werden

Berlin soll bis 2030 zum medizinischen Top-Standort entwickelt werden

Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Berlin soll bis zum Jahr 2030 zum führenden Gesundheitsstandort in Europa entwickelt werden. Dieses Ziel hat der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) ausgerufen und eine Expertenkommission einberufen, die dazu Empfehlungen geben soll.

„Wir wollen Berlin zur europäischen Top-Adresse in der medizinischen Forschung und Versorgung machen“, sagte Müller am Mittwoch, als er mit Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) Konzept und Mitglieder seiner „Zukunftskommission“ vorstellte. Deren Vorsitz hat der Mediziner und SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach übernommen, Gesundheitsexperte seiner Fraktion. Die Kommission soll am 6. Juni erstmals zusammenkommen, regelmäßig tagen und Anfang kommenden Jahres ihre Ergebnisse vorstellen.

Müller erwartet insbesondere Empfehlungen, wie eine forschungsbasierte Krankenversorgung auch angesichts des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftebedarfs gesichert werden kann. Sie solle für jedermann „die beste und effektivste Therapie“ ermöglichen, unabhängig von Herkunft, Einkommen und sozialer Stellung. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Universitätsklinikum Charité und dem Krankenhauskonzern Vivantes zu. Die beiden landeseigenen Institutionen verfügen zusammen über mehr als 8500 Betten und 32.500 Beschäftigte, sie versorgen fast 1,5 Millionen Patienten pro Jahr. Dieses „besondere Potenzial“ und die Synergiemöglichkeiten zwischen Charité und Vivantes sollen künftig besser genutzt werden, so Müller.

Berlin auf dem Weg zum medizinischen Top-Standort

Karl Lauterbach würdigte, dass beide landeseigenen Versorger schwarze Zahlen schreiben, das sei nicht überall in Deutschland so. Negativ schlage indes zu Buche, dass Berlin bei der medizinischen Forschung im internationalen Maßstab nur eine untergeordnete Rolle spiele. Gleichzeitig habe die Stadt beste Voraussetzungen, aufzuholen. Hier seien große außeruniversitäre Institutionen der medizinischen Forschung vertreten, die Charité sei ausreichend groß für Spitzenforschung und Berlin als Standort attraktiv für Wissenschaftler.

Lauterbach will seinen Kommissionskollegen fünf Themen vorschlagen: Der Weg Berlins zu einem Top-Standort für Grundlagen- und klinische Forschung, die Umsetzung des aktuellen wissenschaftlichen Standards in die Patientenversorgung, die Gleichheit der Versorgung für alle Menschen in allen Stadtteilen, die Gewinnung von Fach- und Spitzenkräften sowie die Sicherung der Wirtschaftlichkeit von Charité und Vivantes. Dabei hat es vor allem der zweite Punkt, die Patientenversorgung, in sich. Lauterbach will, dass die Kommission konkrete Kriterien für sinnvolle Spezialisierungen einzelner Kliniken anbietet. Das ziehe dann auch die Umverteilung von Patientenströmen, Autorität und Kompetenzen nach sich, räumte er ein und schlug vor, etwaige Umorganisationen per Rechtsverordnung zu regeln.

Senatorin Pop äußert sich zur Zukunftskommission verhalten

Die elf Mitglieder der Expertenkommission kommen alle nicht aus Berlin, darunter sind Wissenschaftler, Klinikdirektoren sowie jeweils ein Vertreter der Krankenkassen und der Unternehmen. Vizevorsitzender ist Heyo Kroemer, Dekan der Universitätsmedizin Göttingen.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bereitet einen Austausch mit Unternehmen der boomenden Gesundheitswirtschaft vor. Digitalisierung und die Stärkung der industriellen Gesundheitswirtschaft seien erste Themen für den Dialog. Zur Zukunftskommission äußerte sich Pop verhalten: „Es hat sich bewährt, die Versorgung und die industrielle Gesundheitswirtschaft zusammen zu denken“, sagte sie der Morgenpost.

Die CDU kritisierte die Auswahl. Mit Karl Lauterbach als Vorsitzendem entstehe der Eindruck, der Gesundheitsstandort Berlin werde als parteipolitische Bühne der SPD in­strumentalisiert. Zudem verfüge Berlin über genügend Kompetenz mit eigenen Fachleuten. Die Grünen im Abgeordnetenhaus begrüßten die Kommission.

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