Galopprennbahn

Faszination Hoppegarten: Pferderennbahn wird 150 Jahre alt

Die Galopprennbahn wird 150 Jahre alt. Am Pfingstwochenende findet ein 100.000-Euro-Preisgeld-Rennen statt.

Die Backsteintribünen sind ein Markenzeichen von Hoppegarten - hier ein Foto aus dem Jahr 1937, aufgenommen kurz vor dem Henckel-Rennen

Die Backsteintribünen sind ein Markenzeichen von Hoppegarten - hier ein Foto aus dem Jahr 1937, aufgenommen kurz vor dem Henckel-Rennen

Foto: Süddeutsche Zeitung Photo / ullstein bild - Süddeutsche Zeit

Hoppegarten.  Sie hat den deutschen Kaiser, zwei verheerende Kriege und politische Systeme erlebt. Am heutigen Donnerstag feiert nun die Galopprennbahn Hoppegarten ihren 150. Geburtstag. Drei Tage später, am Pfingstwochenende, findet auf einer der führenden deutschen Pferdesportanlagen der erste Saisonhöhepunkt statt: Das mit 100.000 Euro dotierte 47. Oleander-Rennen. Der Namensgeber Oleander war eines der besten je vor Ort trainierten Rennpferde.

Die Eröffnung der Galopprennbahn fand an einem Sonntag, dem 17. Mai 1868, um 16 Uhr statt. In Anwesenheit des preußischen Königs Wilhelm I. und des Bundeskanzlers des Norddeutschen Bundes, Otto von Bismarck, fanden vier Hindernisrennen statt. Unter Führung des am 15. Dezember 1867 gegründeten Union Clubs als oberste Zentrale und Behörde des deutschen Rennsportes nahm die Rennbahn Hoppegarten in der Folge eine rasante Entwicklung.

In einem der ersten Berichte über die Rennbahn hieß es damals: „Die Anlage und Ausführung der Tribünen ist eine musterhafte. Aus Eisen und Stein hergestellt, von außen einen leichten und gefälligen Anblick bietend, besitzen sie den großen Vorzug, dass dem Besucher von jedem Platze aus eine vollständige Übersicht der Bahn gewährt wird.“ Diese Atmosphäre ist es auch heute noch, die die Anlage bei Pferderennsportlern und Besuchern so beliebt macht.

Bis zu 40.000 Besucher strömten zur Rennbahn

Ein Meilenstein in der Geschichte war der Neubau der imposanten Backstein-Tribünen in den Jahren 1918 bis 1922, die in dieser Form bis heute existieren. An den großen Renntagen strömten damals bis zu 40.000 Besucher ins Märkische. Auch Paul von Hindenburg hatte als Reichspräsident Ende der 20er-Jahre in Hoppegarten Auftritte als eine Art Ersatzkaiser.

Pferderennen war Volkssport, populärer als Fußball, fast alle Renntage waren ausverkauft. Bis zu 1000 Pferde wurden auf dem 207 Hektar großen Areal trainiert.

Die hervorragenden Trainingsbedingungen und die hohen Preisgelder führten dazu, dass die Mehrzahl der großen deutschen Gestüte ihre Pferde für das Training nach Hoppegarten gaben. Klassepferde wie die legendären Herold, Alchimist, Schwarzgold und Ticino begeisterten die Zuschauer und brachten der deutschen Vollblutzucht auch international hohe Anerkennung.

Die Rennbahn im Wandel der Zeit

Die glanzvolle Ära von Hoppegarten endete zunächst am 28. Oktober 1944. Doch bereits am 14. Juli 1946 sorgten engagierte Pferdefreunde für den ersten Renntag nach dem Zweiten Weltkrieg. In den vier Jahrzehnten des DDR-Rennsports erfreute sich Hoppegarten unverändert großer Beliebtheit. Auch die DDR-Oberen konnten sich der Faszination des Pferderennsports nicht entziehen. Regelmäßig fanden Rennen in Hoppegarten statt, die Frau des einzigen DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck soll in den 50er-Jahren geradezu spielsüchtig gewesen sein. 22 Renntage fanden zu DDR-Zeiten in Hoppegarten pro Jahr statt. Die Bahn selbst wurde vom „VEB Vollblutrennbahnen“ verwaltet.

Nach dem Mauerfall durchlebte die Rennbahn wechselvolle Jahre und stand mehrfach vor dem Aus. Mit dem Kauf der Anlage durch den Fondsmanager Gerhard Schöningh 2008 vollzog sich ein erneuter Wandel – nun wieder zum Besseren. Fünf Jahre später wurde Hoppegarten in das „Pflegeprogramm für national wertvolle Kulturdenkmäler“ aufgenommen. Sanierungsmaßnahmen können seitdem von der Bundesregierung und dem Land Berlin mitfinanziert werden. Bis dahin hatte Schöningh einen siebenstelligen Betrag aus der eigenen Tasche in die Anlage gesteckt. Längst sind die Renntage nicht mehr nur Ziel für wohlhabende Besucher, sondern Treffpunkt aller gesellschaftlichen Schichten.

Im vergangenen Jahr erlebte die Rennbahn ein weiteres Novum: Sie war Veranstaltungsort für das Pop- und Rockfestival Lollapalooza – allerdings mit Misstönen. Die Besucher klagten über chaotische Zustände bei der An- und Abreise zum Festival. Dafür konnte allerdings die Rennbahn nichts.

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