Berlin Trend

Jeder zweite Berliner ist unzufrieden mit Michael Müller

Aus Sicht der Berliner gibt der Regierende Bürgermeister ein schlechtes Bild ab. Knapp die Hälfte ist mit seiner Arbeit unzufrieden.

Foto: BM

Berlin.  In zweieinhalb Wochen möchte sich Michael Müller wieder von seiner SPD zum Landesvorsitzenden wählen lassen. Es wird spekuliert, wie sein Ergebnis wohl ausfallen mag und ob er wohl die 75-Prozent-Marke bei den Delegierten knacken wird. Aus Sicht der Berliner Bevölkerung gibt der Regierende Bürgermeister jedoch ein deutlich schlechteres Bild ab. 36 Prozent zeigten sich im Berlin Trend mit der Arbeit Müllers zufrieden. Das ist für ihn kein schlechtes Resultat, immerhin gab es im Mai 2018 fünf Punkte mehr als bei der letzten Infratest dimap-Umfrage im September 2017. Dennoch zeigt sich jeder zweite Berliner (49 Prozent) unzufrieden mit dem Mann, der seit 2014 im Roten Rathaus den Senat führt.

Womöglich haben seine bundespolitischen Aktivitäten Müllers Ansehen bei einigen Wählern verbessert. Mit seiner Idee eines „solidarischen Grundeinkommens“, das das Hartz-IV-System durch garantierte, öffentlich geförderte Jobs für Langzeitarbeitslose ergänzen soll, hat Müller die Debatte über den Arbeitsmarkt der Zukunft belebt. Überhaupt nutzt er seine Position als turnusmäßiger Präsident des Bundesrates, um stärker bundesweit in Erscheinung zu treten.

Schlechtester Wert unter allen Länder-Ministerpräsidenten

Dennoch bleiben die 36 Prozent Zustimmung für den Landesvater der schlechteste Wert unter allen Länder-Ministerpräsidenten, die die Meinungsforscher von Infratest dimap in jüngerer Zeit unter die Lupe nahmen. Beliebte Regierungschefs wie der grüne Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg oder der CDU-Mann Daniel Günther aus Schleswig-Holstein erreichen in ihrer Bevölkerung Zustimmungswerte wie Müller bei SPD-Landesparteitagen.

Verlassen kann sich der Regierende Bürgermeister auf sein Standing unter den SPD-Wählern. In dieser auf 18 Prozent aller Befragten geschrumpften Gruppe zeigten sich zwei Drittel (66 Prozent) mit Müllers Arbeit eher oder sehr zufrieden. Diese treuen Anhänger und die nach vielen Jahren in politischen Spitzenämtern erlangte Bekanntheit von 85 Prozent sichern dem 53-Jährigen noch ein Übergewicht über seine Partner in der rot-rot-grünen Koalition, Klaus Lederer und Ramona Pop. Beide könnten wieder Konkurrenten sein, wenn voraussichtlich in dreieinhalb Jahren das nächste Mal gewählt wird.

Seine Linkspartei ist im aktuellen Berlin Trend bereits mit 22 zu 18 Prozent an Müllers SPD vorbeigezogen. Auch deswegen gilt Kultur- und Europasenator Klaus Lederer vielen in der SPD als Müllers wichtigster Rivale ums Rote Rathaus. Der einstige Spitzenkandidat der Linken wird von denjenigen Berlinern, die ihn kennen, durchaus geschätzt und konnte in den vergangenen Monaten Punkte gut machen. 26 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit des Senators zufrieden, 24 Prozent gaben das Gegenteil an. Hier aber liegt das Potenzial des 44 Jahre alten Juristen.

Jeder zweite kennt Lederer nicht

Jeder zweite Befragte gab an, den Senator nicht zu kennen oder sich kein Urteil erlauben zu können. Selbst 40 Prozent der Sympathisanten der Linken ist der Spitzenmann ihrer bevorzugten Partei nicht bekannt, aber 46 Prozent der Linken-Wähler finden ihn gut. Der umtriebige Lederer, der als guter Netzwerker und Kommunikator gilt, könnte in den kommenden Jahren durchaus Boden gut machen gegenüber Müller, zumal in seinem Ressort die ganz großen Konflikte kaum zu erwarten sind. Müller müsste es zudem vermeiden, seinen Koalitionspartner Lederer direkt zu attackieren.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hat im Vergleich zu den beiden Männern im eigenen Lager einen noch schwereren Stand. Zwar sind 36 Prozent der Grünen-Anhänger zufrieden mit der Spitzenfrau und nur zehn Prozent sagen das Gegenteil. Aber 54 Prozent der eigenen Sympathisanten hat sich noch kein Bild von Ramona Pop gemacht, obwohl sie zu Zeiten der schwarz-roten Koalition lange Oppositionsführerin im Abgeordnetenhaus war und seit anderthalb Jahren das Wirtschaftsressort führt. Damit kennen im eigenen politischen Lager weniger Bürger die 40 Jahre alte Politikwissenschaftlerin als in der gesamten Bevölkerung.

Insgesamt gaben 49 Prozent an, Pop nicht zu kennen oder ihre Arbeit nicht beurteilen zu können. Unter denen, die sie kennen, halten sich positive und negative Bewertungen die Waage. 25 Prozent sind zufrieden mit Pops Wirken als Senatorin für Wirtschaft und Betriebe, 26 Prozent sind das nicht. Einen Frauenbonus gibt es dabei nicht. das Bild, das Ramona Pop bei den Wählerinnen hinterlassen hat, unterscheidet sich nur in Nuancen von dem Eindruck, den Männer von ihr haben.

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