Positive Entwicklung

Berlin verzeichnet erste Erfolge gegen Kinderarmut

5700 junge Menschen weniger als noch vor einem Jahr benötigen zusätzliche Leistungen zur Grundsicherung.

Alleinerziehende Mütter haben ein höheres Armutsrisiko

Alleinerziehende Mütter haben ein höheres Armutsrisiko

Foto: dpa / dpa/DPA

Berlin. In Berlin ist weiterhin fast jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen. Im Dezember 2017 lebten 172.421 Kinder und Jugendliche in einer Familie, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) bezieht. Das sind etwa 1000 weniger als 2016. Allein 76.241 dieser Minderjährigen wachsen in Haushalten von Alleinerziehenden auf. Das Armutsrisiko gilt dort als besonders hoch. Auffallend ist aber vor allem, dass weniger Kinder und Jugendliche sogenannten Aufstocker-Familien angehören, die trotz eigenen Einkommens auf zusätzliche Grundsicherungs-Leistungen (ALG II) angewiesen sind. Ihre Zahl ging von 81.682 auf 75.981 zurück.

Diese positive Entwicklung in der sich seit Jahrzehnten ziemlich kon­stant gebliebenen Statistik zur Kinderarmut geht aus der aktuellen Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf eine Anfrage der Linke-Abgeordneten Katrin Seidel hervor. „Es ist erfreulich, dass knapp 5700 weniger Kinder und Jugendliche als 2016 in sogenannten Aufstocker-Familien aufwachsen“, kommentierte die familienpolitische Sprecherin der Fraktion der Linken im Abgeordnetenhaus auf Anfrage die neuesten Zahlen.

Die Gründe für den Rückgang der Minderjährigen in „Aufstocker-Familien“ können vielfältig sein: aufgrund des Mindestlohns und des Fachkräftemangels steigen die Löhne und Gehälter oder beide Elternteile sind erwerbstätig. Auch hat sich möglicherweise der Umfang der Arbeit erhöht oder aber die Jugendlichen sind selbst erwerbstätig geworden.

Den größten Anteil minderjähriger Hartz-IV-Empfänger in der Hauptstadt gibt es im Bezirk Mitte, zu dem auch der einkommensschwache Stadtteil Wedding zählt. 46 Prozent der Kinder und Jugendlichen lebten dort Ende des Jahres von Hartz IV. 26.833 Minderjährige weist die Statistik aus. In Neukölln sind es 45,5 Prozent (24.265). Es folgen die Bezirke Spandau, Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf. Die wenigsten Kinder in sogenannten Bedarfsgemeinschaften wohnen in Steglitz-Zehlendorf. Dort beziehen 12 Prozent der Minderjährigen Hartz IV.

Landeskommission will Strategie erarbeiten

Vor gut einem Jahr hat der rot-rot-grüne Senat beschlossen, eine Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut einzusetzen. Das im Juni 2017 gegründete Expertengremium aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wohlfahrtsverbänden soll eine Strategie gegen Kinderarmut in Berlin erarbeiten – und 2019 einen ersten Bericht vorlegen. Vorsitzende ist Sigrid Klebba (SPD), Staatssekretärin für Jugend und Familie. „Wer in Armut aufwächst, hat einen schwierigen Start ins Leben“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Es dreht sich nicht nur alles ums Geld, auch soziale Teilhabe, gute Bildungsabschlüsse und gesundes Aufwachsen gelingen nicht gleich gut.“ Diese Erkenntnisse sollen laut Scheeres stärker in ein abgestimmtes Handeln über die Kommission münden.

Steglitz-Zehlendorf mit geringster Quote

Mitte Die meisten der 172.421 minderjährigen Hartz-IV-Empfänger leben in Mitte: Von diesen 26.833 Kindern und Jugendlichen sind allein 12.383 unter acht Jahre alt. 50,4 Prozent der in Mitte lebenden Kinder in der Altersgruppe von acht bis unter 14 Jahren gehören in Mitte einer Familie an, die Hartz IV bezieht.

Neukölln Von den 24.265 Kindern und Jugendlichen in Neukölln, die Hartz IV erhalten, sind 11.281 jünger als acht Jahre alt. 49,8 Prozent der Acht- bis 14-Jährigen im Bezirk Neukölln leben von Hartz IV, außerdem 43 ,1 Prozent der unter Achtjährigen sowie 45,2 Prozent der 14- bis unter 18-Jährigen.

Steglitz-Zehlendorf Am seltensten leben Kinder in Steglitz-Zehlendorf von Hartz IV. 5832 Minderjährige in Hartz-IV-Familien wies die Statistik Ende vergangenen Jahres aus. Das sind 13,3 Prozent der unter Achtjährigen, 12,3 Prozent der Acht- bis unter 14-Jährigen und 9,6 Prozent der 14- bis unter 18-Jährigen.

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