Berlin

19-Jährige ermordet: Staatsanwalt beantragt lebenslänglich

Die Leiche von Liza P. wurde am 17. Mai 2017 am Waidmannsluster Höllentalweg gefunden. Der Täter war ein Bekannter des Mädchens

Berlin. Für die Mutter von Liza P. hat sich der Waidmannsluster Höllentalweg als das erwiesen, was der Name verspricht: Hier wurde in der Nacht zum 18. Mai 2017 der Leichnam ihrer 19 Jahre alten Tochter von der Polizei gefunden. Natascha P. hatte sie Stunden zuvor – es war gegen 19 Uhr – mit dem Auto sogar noch zum späteren Tatort gefahren. Sie wusste, dass sich ihre Tochter mit dem 22 Jahre alten Alexander H. treffen und sich mit ihm aussprechen wollte. Sie wusste, dass er Interesse an ihrer Tochter hatte, diese das aber nicht erwiderte; nicht zuletzt, weil sie selber einen Freund hatte und die beste Freundin die Verlobte von Alexander H. war. Vieles spricht dafür, dass diese Ablehnung Liza P. das Leben kostete.

Oberstaatsanwalt Ralph Knispel beantragte am Donnerstag nach einem fast sechs Monate währenden Prozess vor einem Moabiter Schwurgericht für Alexander H. eine lebenslänglich Freiheitsstrafe. Er ging von einem Mord aus Heimtücke aus. „Das Finden der Wahrheit erwies sich in diesem Fall als sehr schwer“, sagte der Anklagevertreter. Alexander H. habe sich mehrfach und sehr widersprüchlich zum Tathergang geäußert. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass er sich am 18. Mai mit Liza P. traf, um sich ihr sexuell nähern zu können. Der Industriepacker hatte ihr zuvor per Whatsapp mitgeteilt, dass ein Arbeitskollege, der ihn vertreten habe, angeblich verunglückt sei. Damit werde er nicht fertig und brauche jemanden, mit dem er reden könne. Seine Verlobte wolle er damit nicht belasten, weil sie hochschwanger sei.

Opfer wird als hilfsbereit und ausgleichend beschrieben

Der Angeklagte konnte damit rechnen, dass Liza P. kommen würde. Ihre Mutter beschrieb sie vor Gericht als sehr hilfsbereit und verlässlich. Eine junge Frau, die ausgleichend war und ein offenes Ohr hatte für die Probleme von Freunden und Bekannten.

Vor Gericht hatte Alexander erklärt, er habe sich zu Liza P. „körperlich hingezogen gefühlt“. Er habe sie geküsst, umarmt, betastet, habe sich vorgestellt, mit ihr auf einer nur ein paar Meter entfernt stehenden Tischtennisplatte Sex zu haben. Liza P. habe das jedoch brüsk abgelehnt und ihn weggestoßen. „Sie wollte nicht, und ich habe das akzeptiert“, hieß es in seiner Erklärung. Wenig später habe er Liza P. gefragt, wie er seiner Verlobten beibringen solle, dass es zu einem Kuss gekommen sei. Daraufhin sei Liza P. ausgerastet. Ihre Freundin hätte „solch einen Idioten nicht verdient“, soll sie gesagt und ihn wüst beschimpft und beleidigt haben – bis er zu seinem Messer gegriffen und sie damit zu attackieren begonnen habe. Anfangs aus Wut, so der Angeklagte; später, weil er befürchtete, dass Liza P. ihn anzeigen könne.

In anderen Erklärungen hatte Alexander H. geschildert, dass er sich dem Mädchen, das mit dem Handy beschäftigt war, von hinten näherte und unvermittelt zugestochen habe. So beschrieb er es gleich nach seiner Festnahme und auch bei einer Vorführung am Tatort. Den Ermittlungen zufolge stach er Liza P. zunächst mehrfach in den Hals, riss sie zu Boden und fügte ihr eine tiefe Schnittwunde an der Kehle zu, an der sie nach etwa 30 Sekunden verstarb.

„Der Angeklagte hat die Arglosigkeit seines Opfers ganz bewusst ausgenutzt“, sagte Oberstaatsanwalt Knispel. Liza P. habe sich zwar gewehrt, das zeigen Schnittwunden an ihren Händen, letztlich aber vergeblich.

Nach der Tat war Alexander H. zu seiner Verlobten gegangen. Als Natascha P. aufgeregt anrief, weil die Tochter nicht nach Hause gekommen war, behauptete er, sich mit Liza P. nie getroffen zu haben. Die Familie startete eine Suchaktion. Auch Alexander H. – das ist besonders perfide – schloss sich an. Gemeinsam gingen sie auch zur Polizei. Dort wurde H., der auffällige Kratzspuren am Oberkörper hatte, zunächst als Zeuge und später als Beschuldigter vernommen. Er hielt nicht lange durch; gestand, dass er das Mädchen getötet hatte, zeigte schließlich den Keller, in den er nach der Tat das Messer geworfen hatte.

Der Prozess wird fortgesetzt.