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So könnten Flugtaxis und Park-Apps den Verkehr verändern

Auf der Digital-Konferenz Re:publica geht es auch um die Mobilität der Zukunft. Die neue Technik muss noch viele Hürden nehmen.

Erste Impressionen von der re:publica 2018

Das war Tag 1 der republica 2018

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Berlin. Wo zum Geier denn eigentlich dieses Bruchsal liege, will der Moderator am Donnerstagmorgen plötzlich wissen. Alex Zosel antwortet so, als habe er die Frage erwartet. „Bruchsal ist der größte Handels- und Umschlagplatz für Spargel“, sagt Zosel süffisant. Warum die Kleinstadt bei Karlsruhe aber schon bald noch größere Schlagzeilen machen soll, erklärt er bei seiner Session auf der Digital-Konferenz Re:publica. Zosel ist Mitgründer des Volocpoters, also von Deutschlands aussichtsreichstem Flugtaxi-Projekt.

Zosels Verkehrsteilnehmer der Zukunft sieht aus wie ein Helikopter. Doch statt von einem großen Rotor wird das Fluggerät von 18 kleinen Geräten angetrieben, die sonst in Drohnen verbaut sind. Zosel erzählt so, als könne er schon im nächsten Moment abheben: Volocopter wolle innerstädtische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen anbieten. Die Lufttaxis fliegen elektrisch und autonom. Warum? „90 Prozent aller Hubschrauberunfälle passieren wegen menschlicher Fehler“, erklärt Zosel.

Die Punkte, die von den Maschinen angesteuert werden, sind sogenannte Hubs. An diesen Stellen sollen Menschen ein- und aussteigen können. Hier sollen die Volocopter auch gewartet und geparkt werden. „Möglich ist es auch, die Hubs über Straßenbahnhaltestellen zu bauen und die Verkehrsmittel untereinander zu vernetzen“, sagt der Volocopter-Mitgründer. Tests hat es bereits in Dubai gegeben. In Deutschland steht noch die Regulierung im Weg und die Frage, wie die Flugobjekte der Zukunft überhaupt koordiniert werden sollen.

Viele Menschen sind bei Flugtaxis skeptisch

Entwickler wie Alex Zosel diskutieren auf der Re:publica aber auch über Vertrauen und Akzeptanz für die neuen Transportmittel. Viele Deutsche glauben zwar, dass etwa autonom fahrende Autos die Zahl der Verkehrstoten deutlich reduzieren können. Dennoch sind die Menschen skeptisch. Wie die selbstfahrenden Autos etwa entscheiden sollen, wenn ein Unfall unvermeidbar ist, ist noch immer umstritten.

Genauso die ungleich banalere Frage, wer eigentlich das Bußgeld zahlen muss, sollte das autonome Fahrzeug einmal zu schnell unterwegs sein. „Wir werden autonome Autos haben, die Fehler machen“, sagt etwa der Fernsehmoderator und Wissenschaftler Ranga Yogeshwar. Vielleicht gebe es bei dem Kauf eines solchen Fahrzeugs künftig auch einen Beipackzettel, auf dem steht: „Dieses Autos kann in einem von zehn Millionen Fällen den Fahrer umbringen“.

Einkäufe sollen direkt ins parkende Auto geliefert werden

Wie sehr sich die Mobilität verändern wird, steht auf zahlreichen Podien der Re:publica im Fokus: Die wenigen Autos fahren autonom, um den Verkehr in den vollen Städten zu reduzieren und Unfälle zu vermeiden. Doch um die Konzepte wird gerungen. Fahrgemeinschaften und Mobilitätsplattformen sind Themen, die Entwickler und Vordenker bewegen. Auf der Digital-Messe in der Station am Gleisdreieck darf vor allem Daimler seine Visionen vorstellen: Volocopter ist eine Beteiligung des Stuttgarter Automobilkonzerns, ebenso wie das Start-up Chark.me.

Der Name der jungen Firma ist eine Kreation aus den Worten „change“ und „park“. „Einfach parken ist zu wenig“, sagt Ralf Wegener, Mitgründer von Chark.me. Das Unternehmen will die Zeit, in der das Auto auf Parkplätzen herumsteht, sinnvoll nutzen. Einkäufe, Pakete oder Wäsche sollen ins Fahrzeug geliefert werden. Ein Pilotversuch mit 250 Teilnehmern in Stuttgart läuft derzeit. Danach wollen die Investoren entscheiden, wie es weitergeht.

Neben Daimler arbeitet auch Volkswagen an ähnlichen Konzepten. In der Branche haben die Entscheider zudem umgedacht. Um bei Zukunftsfragen der Mobilität ganz vorne dabei zu sein, verbünden sich die Großen der Industrie: Erst vor wenigen Monaten hatten etwa Daimler und BMW ihre Carsharing-Angebote gebündelt.

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