Berlin

Die BSR reinigt bald diese 46 Parks

Die BSR weitet das Pilotprojekt zur Parkreinigung ab 1. Juni aus. Die jährlichen Kosten liegen bei rund 9,8 Millionen Euro.

BSR-Mitarbeiter reinigen den Görlitzer Park

BSR-Mitarbeiter reinigen den Görlitzer Park

Foto: Sven Darmer / DAVIDS

Berlin. Die in knallig orangefarbenem Outfit auftretenden Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) sind seit zwei Jahren im Rahmen eines Pilotprojekts auch dafür zuständig, zwölf Parks und das Forstgebiet Teufelssee in Köpenick sauber zu halten – zur großen Zufriedenheit der Nutzer und der verantwortlichen Politiker. Am 1. Juni kommen 34 weitere Parks, Grünflächen und Spielplätze sowie zwei Forstgebiete hinzu. Alle Bezirke werden bedacht. Der Senat lässt sich die Ausweitung des Reinigungsprojekts in diesem und dem kommenden Jahr je 9,8 Millionen Euro kosten.

Die BSR-Mitarbeiter säubern in diesen Anlagen die Wege, befreien die Wiesen vom Müll und leeren Abfalleimer. Wie oft gereinigt wird, hängt davon ab, wie stark der jeweilige Park von Besuchern genutzt wird. Dafür seien 100 neue Mitarbeiter rekrutiert worden, teilte Unternehmenschefin Tanja Wielgoß am Donnerstag vor Journalisten mit. Probleme, die Stellen zu besetzen, habe es nicht gegeben. Der Andrang auf diese krisenfesten Jobs ist erfahrungsgemäß groß, zumal sie vergleichsweise gut bezahlt werden.

Bezirke können sich auf die Parkpflege konzentrieren

Eigentlich sind die Grünflächenämter der Bezirke dafür zuständig, die Parks in Schuss zu halten. Weil sie aber in stark frequentierten Anlagen wie etwa dem Görlitzer Park oder dem Park am Weißen See der Müllberge kaum noch Herr werden konnten, wurde das Reinigungsprojekt mit der BSR gestartet. Die Auswertung der ersten Phase sei abgeschlossen und werde Ende Mai vorgestellt, kündigte Wielgoß an. Sie verriet aber schon, dass die Werte für das Unternehmen gut ausgefallen seien. Die Bezirke seien mit der Regelung auch zufrieden, sagte Wirtschaftssenatorin und BSR-Aufsichtsratsvorsitzende Ramona Pop. Sie bekämen nicht weniger Geld und könnten sich nun ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: die Parks gärtnerisch zu pflegen.

Der Aufsichtsrat der Stadtreinigung hat in seiner Sitzung am Mittwochabend ebenfalls beschlossen, dass vom 1. April 2019 an alle Hauseigentümer eine Biomülltonne aufstellen müssen. Die flächendeckende getrennte Sammlung von Bioabfällen ist ebenso wie die anderer Rohstoffe seit 2015 per Bundesgesetz vorgeschrieben. Das Gesetz wurde aber in Berlin bislang nicht umgesetzt, die Aufstellung der Biotonne basierte auf Freiwilligkeit. Vom kommenden Jahr an wird das nun durch eine Verpflichtung ersetzt, allerdings lässt das Bundesgesetz Ausnahmen zu, wenn Hauseigentümer Biomüll und Gartenabfälle selbst kompostieren. Diese Ausnahmen würden auch in Berlin angewandt, sagte Pop zu.

Erhöhung um einen mittleren zweistelligen Cent-Betrag

Die zusätzlichen Kosten für die flächendeckende Biosammlung sollen über eine Erhöhung des sogenannten Ökotarifs der BSR finanziert werden. Pro Haushalt und Monat würden die Gebühren „um einen mittleren zweistelligen Cent-Betrag steigen“, kündigte Wielgoß an. Die genauen Mehrkosten lege der Aufsichtsrat im November fest, wenn die Tarifkalkulation für 2019 und 2020 berechnet wird. Mit dem Ökotarif, einer pauschalen Grundgebühr, werden seit 2015 etliche Leistungen der Stadtreinigung unabhängig von den Hausmüll-Tarifen beglichen. Derzeit beträgt er 6,39 Euro pro Haushalt und Quartal.

Bislang liegt der Anschlussgrad der Biotonne laut BSR in der Innenstadt bei rund 80 Prozent, in den Außenbezirken beträgt er nur 20 bis 25 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden 76.000 Tonnen Bioabfall getrennt entsorgt, bisher die größte Menge. 69.000 Tonnen wurden in der Biogasanlage des Unternehmens in Ruhleben zu Biomethan vergoren, ebenfalls ein Rekord. Das Biogas nutzt die BSR auch selbst, 150 Müllsammelfahrzeuge werden so angetrieben.Trockene und flüssige Gärreste gehen in die Landwirtschaft als Kompost und Dünger.

Viele Gartenabfälle in Außenbezirken erwartet

Mit der verpflichtenden Biotonne erwartet die BSR eine Steigerung der Sammelmenge um knapp 70 Prozent. „Das sind dann rund 127.000 Jahrestonnen, von denen 48.000 Tonnen gut vergärbar und 79.000 Tonnen weniger gut vergärbar sind“, erläuterte die Unternehmenschefin. Rund 100 neue Mitarbeiter würden eingestellt, 25 Fahrzeuge und 60.000 Abfallbehälter angeschafft. Mehr als 55.000 Neukunden würden für Biotonnen erwartet.

Eine Gefahr für die Verwertung des Bioabfalls sind Fremdstoffe wie etwa Plastikverpackungen, die fälscherweise in die Biotonne geworfen werden. In Berlin beträgt diese sogenannte „Störstoffquote“ vier Prozent. Diese hohe Qualität müsse auch in Zukunft gehalten werden, mahnte Wielgoß, sonst könnten die Gärreste nicht mehr in der Landwirtschaft verwertet werden.

In den Außenbezirken würden mutmaßlich viele Gartenabfälle wie Laub und Strauchschnitt in den Biotonnen landen, sagte Wielgoß. Die dortigen Sammlungen sollen daher in der Regel nicht in Ruhleben vergoren, sondern in Brandenburg kompostiert werden. Die BSR nutzt dort gegen Gebühr mehrere private Kompostieranlagen. Eine zweite Vergärungsanlage sei derzeit nicht geplant, erklärte Senatorin Pop. Die jetzige Anlage verfüge noch über freie Kapazitäten. Zunächst solle gesammelt und dann entschieden werden, ob eine zweite Anlage nötig sei.

Die BSR erzielte 2017 einen Jahresüberschuss von 33 Millionen Euro. Davon kamen rund zwei Drittel aus dem Entsorgungsgeschäft des Unternehmens im Auftrag des Landes Berlin.

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