U-Bahn-Surfer

Entsetzen über Berliner U-Bahn-Surfer-Video

Eine Gruppe dokumentiert ihre lebensgefährlichen Aktionen in der Berliner U-Bahn mit der Kamera. Das Video kursiert nun im Internet.

Teilweise waren die Mitglieder der Gruppe nackt auf den U-Bahnzügen unterwegs

Teilweise waren die Mitglieder der Gruppe nackt auf den U-Bahnzügen unterwegs

Berlin. Entsetzen über jugendlichen Leichtsinn in Berlin, der tödlich enden kann: Im Internet kursiert seit einigen Tagen ein Video, das lebensgefährliche Aufnahmen von sogenannten U-Bahn-Surfern zeigt. Der knapp fünf Minuten lange Clip wurde am Montag auf einer Videoplattform im Internet veröffentlicht und ist seitdem mehr als 100.000 Mal aufgerufen worden. Bei Facebook wurde das Video bis Mittwochnachmittag knapp 10.000 Mal geteilt.

Die Gestaltung des Videos wirkt hochprofessionell. Es zeigt, wie maskierte Männer am U-Bahnhof Gleisdreieck von außen auf den Zug der Linie U1 klettern und sich dabei gegenseitig filmen. Eine Person springt vom Dach des fahrenden Zuges etwa 20 Meter hinab in den Landwehrkanal. Offenbar unverletzt erreicht der Mann das Kanalufer. Die Szene wird von mehreren Kameras – darunter auch eine Drohne – gefilmt. Unterlegt ist die Szene mit heroisierender Musik, die an den Betrachter an Hollywood-Actionfilme erinnert. In einer weiteren Sequenz ist zu sehen, wie ein Mann die Spitze des 89 Meter hohen Postbank-Hauses am Halleschen Ufer hinaufklettert. Später seilt sich eine Person ab und besprüht die Fassade mit Zeichen, in der Sprayerszene als „Tags“ bezeichnet.

BVG: Video ist „Aufruf zum Selbstmord“

Die Berliner Polizei prüft das Video. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Juli vergangenen Jahres wegen Sachbeschädigung. In einer weiteren Einstellung besteigt eine Person unbemerkt vom U-Bahnfahrer die Kupplung im Frontbereich einer haltenden U-Bahn und filmt die Fahrt. Währenddessen posiert eine nackte Person auf dem Dach der fahrenden Bahn. Gemeinsam flüchten die Männer an der Station Möckernbrücke.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ruft das Video Entsetzen hervor. „Das ist ein Aufruf zum Selbstmord“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Mittwoch. Die S-Bahn teilte mit, dass das Phänomen des S-Bahn-Surfens seit den 90er-Jahren deutlich zurückgegangen sei. Bei den neuen Modellen könnten die Türen während der Fahrt nicht geöffnet werden, sodass ein Aussteigen nicht möglich sei, betonte ein S-Bahn-Sprecher.

Die gezeigte U-Bahn-Strecke wurde geändert

Das Video dokumentiert Aktivitäten einer Gruppe, die in Berlin bereits mehrfach mit illegalen Aktionen in Erscheinung trat und diese auf einer eigenen Facebook-Seite dokumentiert. Neben dem sogenannten U- oder S-Bahn-Surfing werden auch Sachbeschädigungen in Form von Tags gezeigt. In Fernseh- und Radio­sendungen hatte die Gruppe Gelegenheit, sich zu inszenieren. Ein Radiosender ließ sie damit zu Wort kommen, dass sie „einfach mal die Sau rauslassen“ wollten. „Einfach Faxen machen, fuck the system“, sagte ein Mitglied der Gruppe. Im Interview mit einem Fernsehmagazin behaupteten Gruppenangehörige, mit Graffiti „auf Missstände“ aufmerksam zu machen. Ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Kino in Mitte zeigte im Dezember vergangenen Jahres eine Dokumentation über die Gruppe.

Das nun veröffentlichte Video wird durch eine Texttafel eingeleitet. Darauf heißt es auf Englisch, dass die als „Stunts“ bezeichneten Aktionen auf der U-Bahn „von professionellen Bahn-Surfern“ durchgeführt worden seien. Und weiter: „Versuche nicht, diese Stunts nachzumachen.“ Die gezeigte Streckenroute sei geändert worden. „Du kannst auf dieser Strecke nicht mehr surfen, ohne zu sterben.“

In dem gefilmten Bereich verläuft die Strecke der U1 auf einer etwa 1,6 Kilometer langen Hochtrasse, zum Teil am Landwehrkanal. Diesen Teil dürften die Macher des Filmes gewählt haben, um ihre Aktionen durch Drohnenflüge und Außenaufnahmen vor urbaner Kulisse zu inszenieren. Hier war im September 2016 ein 22-Jähriger beim U-Bahn-Surfen tödlich verunglückt. Die Leiche war am Bahnhof Möckernbrücke auf einem Zugdach entdeckt worden. Laut Ermittlungen der Polizei war der Mann mit seinem Kopf gegen einen Stahlträger der Großbeerenbrücke geprallt. Auch zuvor hatte es beim Bahn-Surfen immer wieder tödliche Unfälle gegeben.

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