Hauptstadtflughafen

Zusatzterminal am BER wird ein Zweckbau

Der BER soll aus Kapazitätsgründen ausgebaut werden. Das Zusatzterminal werde aber "keine Kathedrale", sagte BER-Chef Lütke Daldrup.

Berlin. Der neue Hauptstadtflughafen BER ist noch immer nicht eröffnet, doch die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) forciert jetzt ihre Bemühungen für dessen Ausbau. Um Abfertigungsengpässe nach der zuletzt für Oktober 2020 angekündigten BER-Eröffnung zu vermeiden, plant die Flughafen Berlin-Brandenburg (FBB) schon länger ein zusätzliches Terminal auf dem Gelände. Das Gebäude soll gegenüber vom BER-Pier Nord entstehen und die Bezeichnung "Terminal 2" (T2) erhalten, wie die Flughafengesellschaft am Mittwoch mitteilte. Bislang war das Erweiterungsprojekt unter dem Namen T1E bekannt.

Anders als das BER-Hauptterminal will die Flughafengesellschaft den Zusatzbau nicht in Eigenregie errichten. Die Verantwortung für das Projekt geht vielmehr an einen Generalunternehmer, der das Gebäude am Ende schlüsselfertig übergibt. "Eine Vergabeentscheidung wird im Sommer erwartet", heißt es in einer Mitteilung der FBB.

Zusatzbau soll 100 Millionen Euro kosten

Angaben zur Höhe der Baukosten und zum Auftragnehmer machte die Flughafengesellschaft mit Verweis auf das laufende Bieterverfahren nicht. Die Baukosten waren 2017 mit rund 100 Millionen Euro angegeben worden. Im Jahr zuvor war von 200 Millionen Euro die Rede – danach wurde die Planung abgespeckt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost bewirbt sich der Baukonzern Züblin um den Auftrag.

Geplant ist, neben dem nördlichen Seitenflügel des Hauptterminals ein weiteres Abfertigungsgebäude mit Check-in-Schaltern und Sicherheitsschleusen nach Industriebaustandard hochzuziehen. Anders als im Hauptterminal soll im Brandfall der Rauch ausschließlich über Klappen auf dem Dach abziehen, nicht durch den Keller. Die Decken im Terminal sollen offen bleiben und so den Blick auf die Leitungen frei halten, die dort verlaufen.

Rundgang durch den Flughafen BER

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.
Rundgang durch den Flughafen BER

Nach den jetzt von der FBB veröffentlichten Simulationen ist auch klar: Äußerlich wird sich das Terminal T2 erheblich von den bestehenden lichten Glas- und Betongebäuden von GMP, dem Büro des BER-Architekten Meinhard von Gerkan, unterscheiden. Der 240 Meter lange Gebäuderiegel soll nur wenige Fenster bekommen und sonst komplett mit Metall-Paneelen verkleidet werden. Er verdeckt teilweise den Blick auf den Seitenflügel des Gerkan-Baus. "Insgesamt ist es ein zweckmäßiges Gebäude, es ist keine Kathedrale des Verkehrs", sagte dazu Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Über Brücken gelangt man ins BER-Hauptterminal

Wer später einmal im Terminal T2 eincheckt, wird über Brücken in die Wartezonen im Nordflügel des BER-Hauptterminals gelangen. Theoretisch könnte dieser Bereich auch ohne das Hauptterminal in Betrieb gehen. Einen solchen Plan hatte zeitweise der frühere Flughafenchef Hartmut Mehdorn verfolgt, bekam dafür aber 2014 keine politische Rückendeckung. Ende vorigen Jahres, als zusätzliche Probleme an den Brandschutzanlagen und anderen Gebäudeausrüstungen des BER-Hauptterminals bekannt wurden, ploppte die Idee als "Plan B" für die BER-Eröffnung noch einmal auf. Flughafenchef Lütke Daldrup dementierte anschließend jedoch vehement, dass eine Inbetriebnahme des BER ohne das mit einem unterirdischen Bahnhof versehene Hauptterminal erwogen werde.

Mit dem T2 soll die Abfertigungskapazität des BER um sechs Millionen auf dann 28 Millionen Passagiere im Jahr steigen. Da zugleich die Gebäude des alten Flughafens Schönefeld bis Ende 2025 in Betrieb bleiben und derzeit sogar noch ausgebaut werden, sollen am Standort Schönefeld insgesamt 40 Millionen Fluggäste im Jahr abgefertigt werden können. Damit werde der BER "von Beginn an über ausreichende Kapazitäten verfügen", betonte Flughafenchef Lütke Daldrup.

Nach Vorbild des Zweckbaus sollen am BER weitere Terminals entstehen

Drohende Kapazitätsengpässe im Berliner Luftverkehr sind eines der Hauptargumente, mit denen Parteien wie die CDU und die FDP für ein Offenhalten des Innenstadtflughafens Tegel auch nach der BER-Eröffnung kämpfen. 2017 sind an den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld bereits mehr als 34 Millionen Fluggäste abgefertigt worden. Tegel-Befürworter rechnen mit einem anhaltend starken Wachstum.

Nach dem Vorbild des T2 sollen laut Lütke Daldrup weitere "ansprechende und funktionale Gebäude" entstehen, mit denen der BER schrittweise an künftige Passagierzahlen angepasst werden kann. Geplant ist etwa ein weiterer Zweckbau gegenüber dem Hauptterminal. Dieser soll dann die Bezeichnung Terminal 3 erhalten.

Condor schließt den Technik-Standort in Schönefeld

Der Ferienflieger Condor plant offenbar seinen Technikstandort in Schönefeld zu schließen. Die 85 Mitarbeiter seien am Mittwoch über die Pläne informiert worden, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft Verdi. Ein Condor-Sprecher bestätigte Gespräche mit dem Betriebsrat. Diese würden ergebnisoffen geführt. Eine Schließung sei möglich. Condor hatte zuletzt versucht, den Technikbetrieb zu verkaufen. Interessent Haitec sprang allerdings vor wenigen Tagen ab.

Condor hatte sich erst Ende April von den Berliner Flughäfen zurückgezogen. Zuletzt flogen die Maschinen noch im Auftrag von Easyjet. Der letzte reguläre Condor-Flieger war Mitte April in Schönefeld gelandet. Flüge von und nach Schönefeld seien wirtschaftlich nicht nachhaltig gewesen, so Condor. Verdi befürchtet jetzt, dass rund 230 weitere Jobs beim Boden- sowie beim fliegenden Personal gefährdet sind. Ein Condor-Sprecher bestritt das: "Wir sind händeringend auf der Suche nach fliegendem Personal."

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