LAF

Landesamt für Flüchtlinge braucht eine neue Leitung

Die Präsidentin des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Claudia Langeheine, hat ihr Amt aufgegeben

Claudia Langeheine

Claudia Langeheine

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Als am 1. August 2016 das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) seinen Betrieb aufnahm, waren die Erwartungen hoch. Alles sollte besser werden in der Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten, die neu geschaffene Behörde sollte so schnell wie möglich die teilweise chaotischen Zustände am bis dahin zuständigen Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) vergessen machen.

Als Präsidentin des LAF wurde Claudia Langeheine ausgewählt, und die damals 49 Jahre alte Juristin wurde allgemein als gute Wahl angesehen. Doch nun, nach nicht einmal zwei Jahren, gibt Langeheine ihr Amt auf, im Einvernehmen mit Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), wie es heißt. Als Grund gab die Pressestelle der Verwaltung "unterschiedliche Vorstellungen über die Weiterentwicklung des Landesamtes" an. Details wurden nicht mitgeteilt, Anfragen nicht beantwortet.

Fachlich versiert und durchsetzungsstark

Langeheine brachte sehr gute Voraussetzungen für den Job mit. Sie ist eine erfahrene Verwaltungsexpertin, steht schon seit 1995 in Diensten des Landes Berlin, war vor ihrem Wechsel an die Spitze des LAF Direktorin des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo). Dort leitete sie zuvor die Ausländerbehörde, nachdem sie bereits im Landeseinwohneramt Referate für Aufenthalts- und Ausländeraufgaben geführt hatte. Sie gilt als durchsetzungsstark, als Kämpferin. Wie konnte es also zu dem Zerwürfnis mit der Senatorin kommen?

Zwischen den beiden habe kein wirkliches Vertrauensverhältnis bestanden, sagen Insider und berichten von Spannungen, die schon länger bestünden. Zudem funktioniere die Behörde immer noch nicht gut.

Nach Informationen der Morgenpost ist unter Betreibern von Flüchtlingsunterkünften der Unmut über das LAF groß. Es seien immer noch viele Rechnungen nicht geprüft und beglichen, Tagessätze für die Unterbringung der Geflüchteten seien häufig nicht festgesetzt, Verhandlungen fänden nur schleppend statt. Zudem sei die Fluktuation unter den Mitarbeitern des Amtes hoch. Auch bei ihnen wurde mehrfach Unzufriedenheit laut, es gab Überlastungsanzeigen und Klagen über mangelhafte Kommunikation mit der Behördenleitung. Das Landesamt leidet darunter, dass einige Führungspositionen nicht besetzt sind und qualifiziertes Personal nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist.

Behörde gilt als "ungeliebtes Kind"

Offen bleibt, ob Breitenbach das der Präsidentin anlastet. Dass die Senatorin mit dem LAF ein "ungeliebtes Kind" übernahm, dessen Gründung zum damaligen Zeitpunkt sie als Oppositionspolitikerin heftig kritisierte, machte die Zusammenarbeit mit Langeheine mutmaßlich nicht einfacher. Andererseits dankte sie der scheidenden Chefin ausdrücklich. Langeheine habe "mit außerordentlich hohem Engagement Verantwortung im Flüchtlingsmanagement in einer besonders schwierigen Zeit übernommen". Unter ihrer Leitung seien "die meisten Notunterkünfte in Berlin geschlossen, neue Standorte an das Netz gebracht und die medizinische Versorgung der Geflüchteten gestärkt" worden.

Die CDU reagierte kritisch auf die Personalie. "Wir erwarten, dass Senatorin Breitenbach unverzüglich Mitarbeiter und Öffentlichkeit über die Hintergründe informiert und für eine schnelle Nachfolge sorgt. Es gibt viel zu tun, insbesondere die Zusammenarbeit mit den freien Trägern der Flüchtlingsunterkünfte muss verbessert werden", sagte die Abgeordnete Cornelia Seibeld.

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