Grillen in Berlin

Forderung nach mehr legalen Grill-Flächen wird lauter

Öffentliches Grillen ist umstritten. Die Bezirke haben zuletzt viele Flächen abgeschafft. Doch die Berliner wollen neue Grillplätze.

Besucher grillen auf dem ehemaligen Flugfeld von Tempelhof. Über die Bewilligung weiterer Plätze wird in Berlin seit Langem gestritten

Besucher grillen auf dem ehemaligen Flugfeld von Tempelhof. Über die Bewilligung weiterer Plätze wird in Berlin seit Langem gestritten

Foto: Reto Klar

Berlin. Warme Frühlingstage locken die Berliner nach draußen. In den Gärten brutzeln wieder Würstchen und Steaks über glühender Holzkohle. Die Grillsaison beginnt. Wer keinen Balkon oder Garten hat, sucht sich einen geeigneten Platz im Freien. Dieser Trend ist auch in den kommenden Monaten zu erwarten. Doch öffentliches Grillen ist politisch umstritten. Die Bezirksämter haben in den vergangenen Jahren eine Reihe von Flächen abgeschafft. Jetzt häufen sich die Forderungen nach neuen Grillplätzen.

Bezirksverordnete in Mitte, in Reinickendorf, in Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf setzen sich dafür ein. Jüngster Beschluss: Im Volkspark Rehberge in Mitte soll es eine Grillfläche geben, die auch Sitzmöglichkeiten bietet und auf der große Container für Müll und für die Entsorgung der Holzkohle stehen. Das hat die Bezirksverordnetenversammlung im April auf Antrag der SPD entschieden.

In Reinickendorf ist ein Pilotprojekt geplant. Im Kienhorstpark soll eine Fläche mit feuerfestem Behälter und eine Feuerstelle mit eingebautem Rost ausgestattet werden, „sodass der möglichen Vermüllung und Verschmutzung durch Einweggrills vorbeugt wird“, so der BVV-Beschluss vom Januar 2018. Eine kontinuierliche Reinigung wird gefordert. „Wir sind gespannt, wie das Bezirksamt reagiert“, sagt David Jahn (FDP), einer der Verfasser des Antrags, dem sich auch die Fraktionen von CDU und Linken in Reinickendorf angeschlossen haben.

„Freizeitaktivität für junge Leute“

In Spandau hat die Grünen-Fraktion beantragt, einen oder mehrere öffentliche Grillplätze einzurichten. Der Bedarf sei groß, so die Begründung. Der Antrag wird Mitte Mai im Ausschuss für Bauen, Verkehr und Grünflächen diskutiert. Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf soll es zusätzliche öffentliche Grillplätze geben. Das hatte die BVV bereits im Frühjahr 2017 entschieden. Bis Ende Juni 2017 sollte das Bezirksamt das Anliegen prüfen und der BVV darüber berichten.

Doch das sei immer noch nicht geschehen, kritisiert Felix Recke (FDP), einer der Initiatoren des Antrags. „Obwohl wir mehrmals nachgefragt haben.“ Die Idee sei, dass in allen großen Parks im Bezirk eine Fläche eingerichtet wird. „Es wird ja sowieso gegrillt“, sagt er. Es gebe legale Flächen im Preußenpark und am Goslarer Ufer, außerdem einen Platz im Volkspark Wilmersdorf, der jedoch von einem hohen Zaun umgeben sei und deshalb nicht angenommen werde. „Er muss umgebaut werden.“

Das Thema öffentliche Grillplätze sei ein Anliegen der Jungen Liberalen, sagt Lars Rolle (FDP), der sich in Steglitz-Zehlendorf dafür einsetzt. Im Bezirk mit mehr als 300.000 Einwohnern gebe es keinen öffentlichen Grillplatz. „Das ist nicht akzeptabel.“ Doch Rolles Antrag wurde Ende 2017 in der BVV abgelehnt. „Ein Bezirk, der etwas für junge Leute tun will, muss auch solche Freizeitaktivitäten ermöglichen“, sagt der Verordnete. „Ich werde im Laufe der Legislaturperiode noch einmal einen Anlauf starten.“

Auch in den anderen Bezirken wird um das Thema gestritten. „Grillen im Kienhorstpark? Nicht mit uns“, so die Reaktion der Reinickendorfer CDU-Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner auf den FDP-Antrag in der BVV. Es gebe gute Gründe, warum das öffentliche Grillen in Reinickendorf seit dem Jahr 2000 verboten sei, darunter eine unverantwortliche Verschmutzung des öffentlichen Raumes, erhebliche Belästigungen durch Lärm und Rauch zulasten der Anwohner sowie besonders hohe Kosten der Müllentsorgung. Für den Großen Tiergarten sprach das Bezirksamt Mitte 2012 ein Grillverbot aus.

Bezirksamt erkannte erhebliche negative Folgen

Im gleichen Jahr untersagte Treptow-Köpenick das Grillen im Treptower Park. „Es stellte sich heraus, dass die Negativfolgen ein erhebliches Ausmaß annahmen“, so das Bezirksamt. In Steglitz-Zehlendorf war Grillen einst im Yehudi-Menuhin-Park erlaubt, wurde dann jedoch untersagt.

Derzeit haben die Bezirke 15 öffentliche Grillplätze. Sie sind auf der Internetseite der Senatsumweltverwaltung aufgeführt. Darunter sind der Monbijou-Park in Mitte, der Volkspark Friedrichshain und der Görlitzer Park in Kreuzberg. In Prenzlauer Berg ist Grillen im Mauerpark angesagt. Vier Flächen bietet Lichtenberg, drei gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf. Treptow-Köpenick hat Flächen im Schlesischen Busch sowie im Landschaftspark Johannisthal dafür freigegeben. Gegrillt werden darf außerdem auf drei Flächen auf dem Tempelhofer Feld.

Legales Grillen in der Stadt - eine Übersicht

Die aktuelle Folge des Berlin-Podcasts "Molle und Korn": Diesmal: AfD-Antrag will Berghain verbieten, So kurios reagiert das Berghain auf E-Mails, Paar hat Oralverkehr in Berliner S-Bahn, Das hält man in Lüderitz/Namibia von der Umbenennung der Berliner Lüderitzstraße:

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