Berlin

„Von der ILA ist ein Schub für die Branche ausgegangen“

Mitveranstalter Volker Thum über die Zukunft der Ausstellung

Noch bis zum heutigen Sonntag ist der Flughafen Schönefeld Anziehungspunkt für Luftfahrtenthusiasten, aber auch für Industriemanager und Wissenschaftler aus aller Welt. Zum Abschluss der fünftägigen Schau werden noch einmal Zehntausende Besucher erwartet. Über die Zukunft der Schau sprach Morgenpost-Redakteur Thomas Fülling mit Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der gemeinsam mit der Messe Berlin die ILA 2018 veranstaltet.

Herr Thum, mit dem Flugzeug in den Urlaub oder Kurztrip in eine europäische Metropole, das ist für viele Menschen längst Alltag. Ist eine Ausstellung, die für die Luftfahrt wirbt, nicht längst überholt?

Volker Thum: Nein, im Gegenteil: Erst hier wird die Faszination unserer Branche hautnah erlebbar. Die ILA bietet Technologie zum Anfassen und bringt die Zukunft des Fliegens in die Gegenwart. Wir arbeiten am nahezu emissionsfreien Fliegen. Bei kleineren Flugzeugen funktionieren elektrische Antriebe schon, und bis 2030 werden Hybride mit bis zu 100 Sitzen abheben. Der zweite große Durchbruch ist das autonome Fliegen, sei es durch unbemannte Drohnen oder sogenannte fliegende Taxis. Diese Themen bilden wir auch auf der ILA ab.

Die diesjährige ILA hat nicht nur einen früheren Termin, sie soll sich auch thematisch von den Vorgängern stärker unterscheiden. Ist Ihnen denn der angekündigte Wandel gelungen?

Wir haben die älteste Luft- und Raumfahrtausstellung der Welt (1909 gegründet) ganz bewusst zur führenden Innovationsmesse der Branche weiterentwickelt. Heute steht ILA für „Innovation and Leadership in Aerospace“. Und bei dieser ILA, die wir zu Recht als „Best ILA ever“ bezeichnen, gibt uns der Erfolg recht: Die Buchungszahlen für Ausstellung und Konferenz stellen ein Rekordergebnis dar, wir konnten an diesen fünf Tagen 1100 Aussteller aus 41 Ländern und über 150.000 Besucherinnen und Besucher aus allen fünf Kontinenten begrüßen. Diese Zahlen beweisen: Die Neukonzeption der ILA Berlin als Bühne für Innovationen, Zukunftsthemen und technische Entwicklungen greift – sowohl bei etablierten Konzernen als auch bei jungen, hoch innovativen Unternehmen. Von der ILA ist ein spürbarer Schub für die weltweite Branche der Luft- und Raumfahrt ausgegangen.

Die ILA am Standort Schönefeld ist nur bis 2020 gesichert. Dann soll hier der neuen Hauptstadtflughafen BER eröffnen. Einige sagen, der ist schon heute viel zu klein und für eine Luftfahrtschau dieser Größe ist kein Platz mehr?

Die Länder Brandenburg, Berlin, der Flughafen Berlin Brandenburg, die Messe Berlin und der BDLI haben eine „Rahmenvereinbarung über die Veranstaltung der ILA, Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung, in den Jahren 2012 bis 2020 ff“ geschlossen, die die Durchführung der ILA bis zum Jahr 2020 in Selchow vorsieht. Diese Vereinbarung schafft die erforderlichen Voraussetzungen zur Durchführung einer Luftfahrtveranstaltung inklusive Flugshow an der künftigen Südbahn des Flughafens Berlin Brandenburg – denn die Faszination des Fliegens muss man auch im Flug zeigen. Gegenwärtig befinden sich alle fünf Partner vertragsgemäß im kons- truktiven Dialog mit dem Ziel, die ILA auch nach 2020 am bestehenden Standort durchzuführen. Ich bin positiv, dass uns dieses Vorhaben gelingen wird. Aber ab morgen gilt: Nach der ILA ist vor der ILA, und ich freue mich auf die nächste ILA, die vom 13. bis 17. Mai 2020 in Selchow stattfinden wird.